Von Frank Patalong
Parallel dazu mutierte Microsoft-Mitbegründer Bill Gates in der öffentlichen Wahrnehmung langsam vom Robin Hood der IT-Welt (im Kampf gegen den Sheriff von IBM) zum großen Buhmann. Gates Beliebtheitsgrad sank proportional zur Zahl der Mäuse, die auf seinem Bankkonto landeten. Weniger zynisch: Je mehr Microsoft selbst zu einer Macht, am Ende der Macht in der IT-Welt wurde, desto weniger "Aufsteiger-Symphatien" konnte der Konzern für sich verbuchen.
Microsoft als Hardware-Verkäufer
Doch zurück zur Maus: Dass Microsoft immer nur ein reiner Software-Hersteller gewesen sei, bis zum Verkaufsstart der Xbox im November 2001 mit Ausnahme von Keyboards und Mäusen aber nie Hardware verkauft habe, stimmt nicht ganz.
Zum weltweit verkauften Produkt-Portfolio gehörten diverse Kontrollgeräte, die auf Maustechnik beruhten, wie der 1991 eingeführte Ballpoint, später Trackballs. Auch diverse Gamepads und Steuerräder für Rennspiele wurden in den Neunzigern mit dem Microsoft-Logo verkauft.
In den USA verkaufte MS zudem Telefone, Zusatzgeräte zum Kabelfernsehen (Microsoft engagierte sich früh im US-Kabelgeschäft), Lautsprecher und - völlig skurril - auch Lernspielzeug. Dazu gehörten ab 1997 mit dem PC verbundene Knuddeltoys ("ActiMates"), aber auch der in Kooperation mit Fisher-Prize entwickelte Kleinkinder-Computer-Lerntisch "IntelliTable".
Keine Ur-, aber eine Hausmaus
Erst Anfang 1983 also begann die Entwicklung der distinkten Unterart Microsoft-Maus, die die Pinakothek dank einer Schenkung von Microsoft künftig in ihren Meilensteinen von der ersten primitiven Zwei-Tasten-Maus bis zur optischen, spacig aufgepeppten Funkmaus dokumentieren kann. Die Mäuse landen im permanenten Sammlungsbereich "Computer Culture" des Designmuseums und sind demnächst in der Pinakothek der Moderne zu besichtigen.
Eine Dokumentation der Evolution der Maus an sich ist das natürlich nicht.
Für die meisten von uns aber ist es eine Dokumentation unserer persönlichen Hausmaus, im Gegensatz zu ihren irgendwo im weiten (Forschungs-)Feld lebenden Ahnen massenhaft und weltweit verbreitet. Da die Veröffentlichung neuer Mausgenerationen und -Techniken grob mit den Entwicklungsschüben auf dem Betriebssystem-Sektor korreliert, werden viele von uns ihren ganz persönlichen Einstieg in das "Computern" anhand solcher Mäuse benennen können.
So ist das eben mit technischen Museumsstücken: Eigentlich laden sie weniger zu einer Reise in ihre, als vielmehr durch unsere Zeit ein.
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