Iwata: Wenn wir von den "Porting"-Möglichkeiten sprechen, also davon, ein Spiel von einer Konsole auf eine andere zu übertragen - sie müssen das Spiel dafür nicht von Grund auf neu machen. Man braucht nur wenige Leute und wenig Zeit dafür. Ich weiß das, weil wir das bei Nintendo schon ausprobiert haben. Was wir machen müssen, ist uns alle Schlüsseltitel von unabhängigen Entwicklern ansehen und mit spezifischen Vorschlägen kommen. Wir sagen "Sie haben diese bestimmte Software, nehmen wir mal an, sie setzen den Revolution-Controller so oder so ein - damit können Sie Ihr Spiel viel großartiger machen als es vorher war." Wir haben damit schon angefangen. Wir nehmen Kontakt mit den Herstellern von Schlüsseltiteln auf, und je mehr die über den Revolution Controller lernen, desto energischer und mit desto mehr Eigeninitiative arbeiten sie mit Nintendo zusammen.
SPIEGEL ONLINE: Was ist der Grund dafür, dass Sie sich so auf das Kontrollsystem konzentrieren und nicht, wie Ihre Mitbewerber, auf graphische Qualität oder Online-Angebote?
Iwata: Wir unterscheiden zwischen Gamern und Nicht-Gamern. Wir betrachten es als selbstverständlich, dass Nintendo für die jetztigen Gamer sein bestes tut, um sie mit befriedigenden Spielerfahrungen zu versorgen. Aber die Nicht-Gamer, im Ernst, die interessiert es nicht, wie viele Farben die neue Maschine darstellen kann, oder ob sie onlinefähig sein wird. Die Botschaft, die wir senden wollen ist: Videospiele machen Spaß, Videospiele sind etwas für Sie. Und um das möglich zu machen, müssen wir mindestens diese Barriere loswerden, müssen wir sagen: Sie können das. Das interessiert Sie. Fassen Sie es doch mal an. Dieser Controller gibt den Leuten das Gefühl, dass Sie ihn anfassen können. Sie werden ihn anfassen wollen. Weil er so aussieht, als ob er leicht anzufassen ist, also ob man leicht damit spielen kann, weil die Steuerung intuitiv ist. Es soll sie reizen, zu spielen. Diese Theorie ist es, die uns von den anderen unterscheidet.
SPIEGEL ONLINE: Sagen Sie den Leuten auch "Gaming kann billiger sein als bei unseren Mitbewerbern"?
Iwata: Ich denke, wir sollten eine dynamische Preisspanne vorbereiten, aus der die Konsumenten auswählen können. Abhängig von der Größe und dem Volumen des Projekts, wollen wir vielleicht verschiedene Preisklassen. Für Meisterwerke wie "Legend of Zelda" werden wir vielleicht so viel verlangen wie unsere Mitbewerber, aber je nach Software werden wir verschiedene Preise verwenden.
SPIEGEL ONLINE: Die anderen Hersteller setzten stark auf andere Inhalte wie Musik und Filme auf ihren Konsolen. Gibt es auf dem Markt überhaupt noch Platz für eine reine Spielkonsole?
Iwata: Zunächst einmal muss eine Spielmaschine wegen der Anziehungskraft der Spielerfahrung gekauft werden. Sicher werden wir möglicherweise etwas dazugeben, das ihr Leben ein bisschen besser macht, wegen diesem oder jenem, wegen anderer Zutaten als der Spielerfahrung. Je nachdem, welche Firma Sie fragen, werden sie da verschiedene Antworten bekommen, was man noch hinzufügen sollte. Aber vor allem müssen wir den Menschen eine ungewöhnliche und nie da gewesene Erfahrung bieten, die sie mit keiner anderen Plattform bekommen. Und es muss Spaß machen. Wenn wir diese Art von Anreiz nicht bieten, ein Nintendo-Produkt zu kaufen, hat es wenig Sinn, dass wir an Zusatzfeatures, Nicht-Gaming-Features für die Konsole arbeiten, so ist das bei uns. Allerdings hat die "Revolution"-Konsole tatsächlich WiFi-Fähigkeiten, mit denen man ins Internet gehen kann. Außerdem wird sie einen großen internen Flash-Speicher haben. Diese beiden Elemente bieten eine Menge Potential. Wir werden verschiedene Möglichkeiten erkunden, diese Funktionen auszunutzen.
SPIEGEL ONLINE: Wird es zum Start ein neues Mario-Spiel geben?
Iwata: Ich persönlich habe [Mario-Erfinder] Shigeru Miyamoto geben, das zu tun, ein neues Mario-Spiel zu gestalten, aber er hat noch nicht geantwortet. Vielleicht gibt er die Antwort auf diese Frage irgendwann in einem Interview mit Ihnen. Ich finde jedenfalls, als Gamer, dass wir ein neues Mario-Spiel zum Start brauchen.
Die Fragen stellte Stephan Freundorfer
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