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21.09.2005
 

Browsermarkt

Opera verschenkt sich

Hartnäckig versuchte das norwegische Unternehmen Opera zehn Jahre lang, seinen oft Trend setzenden Browser als kostenpflichtige Software an den Kunden zu bringen. Das ist nun vorbei: Mit der Version 8.5 wird Opera kostenlos - und stellt sich der Konkurrenz somit erstmals zu gleichen Bedingungen.




Was ist schon ein Prozent Marktanteil? Nicht viel, und doch schaffte es das norwegische Unternehmen Opera zehn Jahre lang, mit diesem Krümelchen vom Browsermarkt-Kuchen zu überleben. Mehr noch: Die Skandinavier stellten in schöner Regelmäßigkeit neue, oft Trend setzende Versionen vor. Tatsächlich führte Opera so gut wie alle Innovationen in der Entwicklung von Browsersoftware der letzten Jahren zuerst ein - deutlich bevor Apple, Mozilla oder Microsofts MSIE folgten.

Zu einem wirklich großen Erfolg wurde Opera trotzdem nicht.

Anders als alle Konkurrenzprodukte stellte Opera seine Nutzer immer vor die Wahl: Entweder, man nahm den Browser in einer mit Werbebannern im Navigationsrahmen versehenen Version, oder man bekam ihn werbefrei gegen Zahlung von zuletzt 40 Dollar, respektive 34 Euro. In einem Markt, in dem alle anderen Produkte kostenlos sind, bedeutet ein Prozent Weltmarktanteil dann schon eine ganze Menge.

Wobei der Marktanteil von Opera in Europa natürlich höher liegt als in den MSIE-affinen USA: In den Log-Statistiken von SPIEGEL ONLINE (basierend auf über 300 Millionen Seitenaufrufen im Monat) liegt Opera seit Jahren bei 2 bis 3 Prozent (aktuell: 2,7). Mozillas Firefox, weltweit mittlerweile bei etwa 10 Prozent gesehen, liegt hierzulande bei stabil 30 Prozent.

Mit Operas Schritt, den gleichnamigen Browser nun ebenfalls kostenlos anzubieten, verschärft sich der Konkurrenzkampf auf dem so schon hart umkämpften Markt noch einmal.

Reichtümer gibt es da nicht zu gewinnen, wohl aber "Macht": Der Browser ist die Schnittstelle zwischen Nutzer und Internet und lässt sich als solche auch gegenüber Geschäftspartnern vermarkten. Möglichkeiten sind hier fest "eingebaute" Shopping-Schnittstellen genauso wie auf Produkte abgestimmte Browserversionen, wie Opera sie beispielsweise für Handy-Hersteller entwickelt.

"Feel free": Bei Opera hat zurzeit der Download-Button die Homepage ersetzt
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"Feel free": Bei Opera hat zurzeit der Download-Button die Homepage ersetzt

In Abkehr von seiner bisherigen Strategie versucht Opera-Chef Jon S. von Tetzchner nun offenbar, sein geschäftliches Heil eher in solchen Business-to-Business-Deals zu suchen, statt den Browser vom Nutzer bezahlen zu lassen. Möglich sei das durch den Überraschungserfolg der Version 8.0 geworden, die Opera zahlreiche neue Nutzer zugeführt habe.

Tatsächlich hatte sich Opera Ende August sogar einen Probelauf erlaubt: Für einige Tage gab es die Vorversion Opera 8.0 umsonst - ein Test, wie stark das die Nachfrage erhöhen würde. Die Zahlen müssen Tetzchner genügt haben.

"Opera-Anhänger rund um die Welt haben den heutigen Tag möglich gemacht", tönte der Opera-Chef im typischen Tetzchner-Sound in einer Pressemitteilung zur neuen Strategie. "Mit dem Anwachsen unserer Benutzerzahl bleiben wir unserer Mission und unserem Versprechen treu: Wir werden unseren Benutzern immer das beste Interneterlebnis bieten - egal mit welcher Maschine. Heute erhält die Mission neue Dimensionen."

Das klingt wie eine Parodie auf die üblichen Apple- oder Microsoft-Keynotes - was bei dem als PR-Scherzkeks berüchtigten Tetzchner nicht ausgeschlossen wäre: Pathos ist halt Pflicht in einer IT-Welt, in der jeder Firmenchef unterwegs ist, mit seinem neuen Produkt die Welt zu retten - und zwar mit jedem, immer wieder.

Features

Dafür bringt Opera 8.5 eine ganze Menge mit: Tabbed Browsing, wie Mausgesten-Navigation eine Opera-Erfindung, ist seit langem Standard. Neu sind erweiterte Memory-Funktionen, die den Nutzer beispielsweise dort weitersurfen lassen, wo er die letzte Sitzung abbrach, ganze Surf-Sessions aufzeichnen oder Notizen zu Webseiten speichern lässt. Deutlich verbessert haben soll sich auch die sprachgesteuerte Navigation. Ein Mail-Client ist integriert, Internet Relay Chat (IRC) ebenfalls.

Ungewöhnlich flexibel ist das Aussehen des Browsers, der durch Menüanpassungen und "Skins" den Vorlieben des Nutzers angepasst werden kann. Sollte der kurzsichtig sein, darf er sich ebenfalls freuen: Opera verfügt (wie in der Vorversion) wieder über eine kräftige Zoom-Funktion für Webseiten. Dass der Browser nun nicht nur Sicherheitsmaßnahmen gegen Phishing, ID-Diebstahl und Popups aller Art enthält, sondern auch direkte Such-Schnittstellen zu eBay, Amazon und Google, dürfte dagegen eher zum Marketing-Paket gehören.

Vor allem aber gilt Opera als Leichtgewicht, als schneller Browser: Auch die neue Version kommt mit einer Installationsdatei aus, die nur rund vier MB klein ist. Das Programm liegt ab sofort zum Download bereit: Probieren geht über studieren. Unseren ausführlichen Test lassen wir in einigen Tagen folgen.

Frank Patalong

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