Mittwoch, 10. Februar 2010

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07.10.2005
 

Technikmesse in Japan

Plastikhase sortiert die Videosammlung

Von Karlhorst Klotz

Welche Art Lebenshilfe uns gerade noch gefehlt hat, zeigen Prototypen auf der japanischen Messe Ceatec. Zum Beispiel ein elektronischer Hase, der den Videorekorder programmiert, ein rechnender Golfschläger oder ein Computer, der für den Patienten mit dem Zahnarzt redet.

Hightech-Forscher Tsukamoto: "Tut das weh?"
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Karlhorst Klotz

Hightech-Forscher Tsukamoto: "Tut das weh?"

Wer hat schon Zeit, sich ein Fußballspiel immer ganz anzusehen? Vielleicht war das Match über weite Strecken langweilig - bis auf ein paar sehenswerte Szenen. Packende Zweikämpfe im Strafraum, Lattenschüsse und natürlich die Tore. Eine Wiedergabetechnik von Mitsubishi Electric, die in einigen japanischen Rekordern seit Ende September erhältlich ist, gibt dem Fußballfan die Wahl, ob er die Aufzeichnung in voller Länge ansieht oder sich nur die spannendsten Ausschnitte präsentieren lässt.

Zur Auswahl dient eine Art Spannungsprofil der 90 Minuten, das der Rekorder errechnet. Er wertet dazu hauptsächlich die Geräuschkulisse aus. Spezielle Filter reagieren besonders empfindlich auf Klatschen und Jubelrufe. Gibt der Benutzer im so bestimmten Fieberdiagramm des Spiels eine Schwelle vor, zeigt der "Rakureko" (raku bedeutet im Japanischen "bequem" oder "einfach") sofort, wie viele Minuten der Sequenz die geforderte Geräuschkulisse aufweisen. Dank digitaler Aufzeichnung spult das System die Szenen, die im Stadion ausreichend Anklang fanden, lückenlos ab.

Wer Sport lieber aktiv betreibt, muss nicht auf elektronische Unterstützung verzichten. Die japanische Messe Ceatec (Combined Exhibition of Advanced Technologies) in Tokio zeigte nur wenige Schritte weiter, wie der Technofreak heute seinen Golfschläger schwingt. Auf den letzten Metern vor dem Loch greift er zum sensorbestückten Putter. Das Hightech-Spielgerät ist leicht an seinem LCD-Bildschirm zu erkennen, der auf einer Seite übersteht.

Er kann dem Spieler allerlei Feedback zur Schlagtechnik liefern, weil ein eingebauter Beschleunigungsmesser und ein Kreiselkompass alle Bewegungen aufzeichnen. Die Mini-Sensoren führen dem Golfer schon bei Probeschlägen vor Augen, wenn er nicht auf der Ideallinie schwingt. Dank eingeblendetem Fadenkreuz und dem Feedback zur Geschwindigkeit, mit der der ab Dezember in Korea erhältliche Schläger übers Grün gleitet, lässt sich dann der vielleicht alles entscheidende Schlag akribisch vorbereiten.

Nur richtig schlagen muss der Sportsfreund noch selbst, was die Technik wohl auch besser könnte. Immerhin kompensiert sie in modernen Digitalkameras mit den Informationen solcher Sensoren unwillkürliche Bewegungen des Fotografen und sorgt damit innerhalb gewisser Grenzen für verwacklungsfreie Aufnahmen. Wie gut die Stabilisierung funktioniert, zeigte Murata Manufacturing, ein Elektronikhersteller aus Kyoto, mit dem Debüt seines futuristischen Maskottchens.

Wenn der etwa 50 Zentimeter hohe Roboter von seinem Ingenieursteam gut eingestellt ist, radelt er stoisch zum gegenüber liegenden Ende der Bühne oder bleibt mit seinem Rad frei auf der Stelle stehen, weil die Steuerelektronik im Bauch ein Schwungrad bei Bedarf bremst oder beschleunigt und so dem Kippen gegensteuert. Je nach Tagesform durfte "Murata Boy" sich sogar auf eine mehrere Meter lange Metallschiene wagen, kaum breiter als die Reifen seines Fahrrads. Zu kaufen gibt es den Roboter-Dreikäsehoch nicht, er strampelt sich einstweilen nur als Imageträger seiner Firma ab.

Ähnliches gilt für ein treuherziges Langohr, das sich im Wohnzimmerregal als Verwalter der Videosammlung unentbehrlich machen möchte. Der Prototyp von Hitachi legt im Ruhezustand seine Löffel an und signalisiert ansonsten seine Aufmerksamkeit mit diensteifrigem Augenaufschlag. Im Gegensatz zu einem Tamagotchi wartet er aber nicht darauf, gehätschelt zu werden.

Nicht ohne seinen Minibildschirm

Stattdessen richtet er sich mit Hilfe seitlich versteckter Mikrofone auf einen Sprecher aus, der in seiner Nähe steht, und versucht die von seiner Kamera erfassten Gesichter zu unterscheiden. So kann er beispielsweise Programmierwünsche für einen Videorekorder als Sprachbefehle aufnehmen und interpretieren. Dabei registriert er die Vorlieben seines Auftraggebers, um später aus seiner Sammlung die richtigen Titel oder Genres anbieten zu können, wenn ein Streifen für die Wiedergabe gesucht wird.

Ob so viel Technik unser Leben wirklich einfacher macht, gibt vielleicht der weniger elektronikverliebte Beobachter zu bedenken. Masahiko Tsukamoto versteht solche Einwände nicht. Den 41-jährigen Assistenzprofessor der Universität Osaka trifft man kaum ohne sein "Head Mounted Display", einen Minibildschirm vor seinem Auge, das ihm den Computermonitor ersetzt. Er gehört zu der seltenen Sorte Mensch, die sich auf den Besuch beim Zahnarzt freuen.

"Ich gehe fast jede Woche hin", so Tsukamoto. Nicht weil er Zahnschmerzen hat, sondern eine Vision. Und zwar die vom "Wearable Computer", also dem tragbaren Rechner, der wie Kleidung immer mit dabei ist. "Wenn der Zahnarzt seine Geräte mit einer Kamera ausrüstet, sieht der Patient selbst in seine Mundhöhle", freut sich der jungenhaft wirkende Wissenschaftler. Und die Tastatur und Minimaus, die er stets mit sich herumträgt, erleichtern ihm die Antwort auf die Frage "Tut das weh?", selbst wenn der Zahnarzt den Bohrer noch nicht abgesetzt hat. Ein paar vorformulierte Botschaften, ein Sprachgenerator mit Lautsprecher, und schon kann der Zahnarzt die Wünsche seines Patienten nicht mehr missverstehen - auch wenn dessen Mund gerade sperrangelweit offensteht.

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