Der Markt soll's richten. Das haben sich wohl die Verantwortlichen bei Warner Brothers gesagt, als sie sich entschieden, sich nicht entscheiden zu wollen. Bislang zählte Warner zu den Unterstützern der HD-DVD, die mit hochauflösenden Filmen die heutige Video-DVD beerben soll.
Doch nun will der Filmkonzern auch das Konkurrenzformat Blu-ray unterstützen, das unter anderem von Sony entwickelt wurde. Filme aus dem Hause Warner, etwa "Der Herr der Ringe" oder "Good Bye Lenin!" könnte es somit schon bald in drei verschiedenen Disk-Ausgaben geben: Als Blu-ray, HD-DVD und als herkömmliche Video-DVD.
Erst drei Wochen vor der Entscheidung Warners, beide Formate zu unterstützen, hatte Paramount Pictures genau diesen Schritt angekündigt. Für die Verbraucher sind das keine guten Nachrichten: IT- und Filmbranche bringen keine Einigung über das DVD-Nachfolgeformat zustande. Ausbaden müssen dies die Kunden, die sich demnächst ein Gerät kaufen, das das Format unterstützt, welches sich am Markt nicht durchsetzt.
Die beiden Lager stehen sich seit Jahren unversöhnlich gegenüber. Jede Seite behauptete, ihr Format sei das bessere. Die HD-DVD, die neben Toshiba auch von NEC, Intel und IBM propagiert wird, speichert 30 Gigabyte und kann in den bisherigen DVD-Fabriken produziert werden.
Das von Sony, Panasonic, Pioneer, LG und Philips favorisierte Blu-ray-Format erfordert neue Produktionsstrecken - die Scheiben fassen jedoch bis zu 50 Gigabyte. Beide Formate benötigen wegen der höheren Datendichte blaue Laser zum Auslesen der auf ihnen gespeicherten Daten und können deshalb in aktuellen DVD- oder CD-Laufwerken nicht verwendet werden. Blu-ray und HD-DVD sind nicht miteinander kompatibel - Kompromissgespräche waren gescheitert.
Toshiba versucht nun sogar, Billigproduzenten aus China für die HD-DVD zu gewinnen. In China wird derzeit auch an einer Alternative zu Blu-ray und HD-DVD gearbeitet. Die Strategie von Toshiba ist offensichtlich: Mit billigen Playern aus Fernost hofft das Unternehmen schnell hohe Marktanteile für die HD-DVD zu gewinnen. Dabei geht Toshiba jedoch das Risiko ein, sich das eigene Geschäft zu vermasseln. Angeblich sollen die ersten HD-DVD-Player aus dem Hause Toshiba um die 1000 US-Dollar kosten.
Sony hofft indessen auf seine neue Konsolengeneration, die Playstation 3. Sie soll optional auch mit einem Blu-ray-Laufwerk ausgestattet werden. Viele verkaufte Konsolen könnten dem Sony-Format zusätzlichen Schub geben.
Sollte es nicht bald zu einer Lösung kommen, wird der Markt die Sache wohl im Alleingang richten - sowohl im Verdrängungswettkampf, als auch mit Hilfe von Hybridlösungen für die Übergangszeit. So kündigte Samsung kürzlich selbstbewusst an, Geräte entwickeln zu wollen, die mit beiden Formaten fertig würden. Das werde zwar schwer, aber sei zu schaffen. Wenig Zweifel gibt es allerdings auch daran, dass der Kunde für solche Hybridgeräte tiefer in die Tasche wird greifen müssen, als eigentlich nötig - wenn sich nur die IT-Streithähne einigen würden.
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