Von Tom Hillenbrand
Ziemlich verwürfelt sehe ich aus - mein Kopf befindet sich irgendwo in der oberen rechten Ecke meines Handy-Displays, meine Mütze hingegen unten links. Auf der Webseite von Gamecreator habe ich zuvor ein Puzzle-Rätsel gebastelt, das auf einem Foto von mir basiert. Dann habe ich einen individuellen Begrüßungs- und Auflösungstext hinzugefügt, um das fertige Spiel schlussendlich an mein Handy und an das meiner Frau zu schicken. Zeitaufwand: etwa zwei Minuten.
Handy-Spiele gibt es haufenweise. Sie kosten je nach Anbieter zwischen drei und sechs Euro - warum sollte man also selber welche stricken? Antwort: Erstens, weil es Spaß macht und zweitens weil das Gros der fertigen Spiele sein Geld nicht wert ist. Zu Testzwecken lade ich immer mal wieder Games herunter. Die Ausschussrate liegt bei etwa 75 Prozent. Restlos überzeugt hat mich bisher nur die Handy-Version des Klassikers Tetris. Dann doch lieber ein origineller Eigenbau.
Technik-Legastheniker oder Whizkid?
Der Gamecreator hat drei verschiedene Entwickler-Modi. Ungeduldige oder technisch nicht allzu versierte Nutzer können praktisch fertige Spiele mit einer persönlichen Note versehen. Die Datenbank enthält Klone bekannter Klassiker - Space Invaders, Pac Man, Mario Bros - und eben das erwähnte Puzzle-Rätsel.
Hintergründe und Figuren lassen sich beliebig austauschen. Wer ein Bild seines Chefs besitzt, könnte beispielsweise ein Ballerspiel erstellen, in dem das Konterfei des Bosses unter Feuer genommen werden muss. Oder ein Jump & Run, in dem der eigene Kumpel den Helden spielt. Die Bedienung ist denkbar einfach. Mit der Weboberfläche gab es im Test keinerlei größere Probleme - nur ab und an bockt die Anwendung und man muss neu laden. Allerdings befindet sich Gamecreator zurzeit auch noch im Beta-Test.
Die Masse macht's
"Es war uns wichtig, dass jeder mit fünf Klicks ein Spiel erstellen kann", sagt Gamecreator-Geschäftsführer Markus Rieger. Wer mehr Zeit investieren möchte, kann es mit dem Fortgeschrittenen-Modus versuchen. Hier lassen sich zahlreiche weitere Details (Anzahl der Monster, Anzahl der Leben etc.) einstellen. Was dabei herauskommt ist recht hübsch - wirklich komplexe Spiele lassen sich allerdings so nicht erstellen. Rieger hofft dennoch, dass auch Spielecracks seine Plattform nutzen werden: Es gibt einen Profi-Modus, der die Programmierung von eigenen Spielen in Javascript ermöglicht.
Die Plattform, die demnächst bei Vodafone
einen größeren Test durchlaufen soll, lebt vom sogenannten Netzwerk-Effekt: Bildchen-Designs, Hintergründe oder eigene Spiele lassen sich über die Datenbank sämtlichen anderen Nutzern zur Verfügung stellen. Jeder kann ein vorhandenes Versatzstück dann verändern oder weiterentwickeln - ein bisschen wie bei einem Wikipedia-Eintrag. Wenn sich eine ausreichend große Zahl von Spielebastlern für Gamecreator begeistert, könnte die Plattform ein spannendes Projekt werden - und kommerzielle Spiele-Developer das Fürchten lehren.
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