Von Frank Patalong
Einer der bemerkenswertesten Unterschiede zwischen Mann und Frau ist verbaler Natur: Er macht sich fest am Wörtchen "Kabel". Die ansonsten eher unauffällige Vokabel besitzt die seltene Fähigkeit zur semantischen Metamorphose und ändert ihre Bedeutung je nach Situation und Geschlecht des Sprechers.
Stellen Sie sich vor, Sie renovierten einen Altbau oder machten einen Neubau bezugsfähig. Abhängig von Ihrem Geschlecht steht das Wort nun in völlig anderen semantischen Kontexten:
Für Männer klingen beim Wort "Kabel" Vokabeln wie "Planung", "dringend", "Vorarbeit", "Wand aufschlitzen", "Verputzen" oder "Kein Handschlag mehr, bis das getan ist" mit.
Für Frauen klingt "Kabel" nach "nicht so wichtig", "kann man später machen", "boah, nervt der wieder!" oder "was will der immer mit seinen Kabeln, wenn ich gerade über Fliesen nachdenke?".
Steigern lässt sich dieses Konfliktpotenzial noch, wenn es nicht um Strom-, sondern um Fernseh- oder Netzwerkkabel geht. Die stehen bei Ihrer Göttergattin natürlich gaaaanz weit unten auf der Prioritätenliste, weil Sie ja offensichtlich schon wieder an Freizeit denken, während sie mit ernsthaften Arbeiten beschäftigt ist.
Der aufgeklärte, emanzipierte Mann hält da den Mund.
Vier Monate später fällt auf, dass ihr Haus
Und das ist natürlich Ihre Schuld, völlig unverzeihlich, ein nicht zu tolerierender Zustand, umgehend zu beheben und Grund für den Erwerb eines DVB-T-Receivers sowie eines WLan. Vor allem um letztere soll es nun übergangsweise gehen.
Das WLan, das unbekannte Wesen
Ein drahtloses Netzwerk-Set, mit dem sich Rechner und DSL-Modem verbinden lassen, bekommt man heute in Angeboten ab knapp 60 Euro. Die Technik ist fast narrensicher und - wenn man nicht gerade das Superbillig-Schnäppchen vom Wühltisch kauft - auch mit anständiger Installations-Software zu haben. Jetzt gibt es nur noch ein klitzekleines Hindernis zwischen WLan, ihrem Rechner und den Freuden des drahtlosen Internetzugangs: ihr Haus.
"Wieso klappt das wieder nicht?" fragt Sarah arg indigniert, als der Rechner zum vierten Mal in zehn Minuten aus dem Netzwerk fliegt - "Drahtloses Netzwerk nicht verfügbar".
Und das, obwohl wir schon den günstigsten Ort für den kleinen USB-Empfänger gefunden haben: Die Wand über dem Rechner, in circa 1,70 Höhe. Sieht zugegebenermaßen ganz anders als in der Werbung und ziemlich bescheuert aus: "Dieses verdammte Mistding! Oben war das viel besser!"
Das stimmt.
Ursprünglich standen Rechner und WLan-Empfänger im ersten Stock, und wir surften DSL wie in der Werbung: schnell und zuverlässig. Ein Stockwerk tiefer und dem WLan-Sender rund acht Meter näher jedoch klappt gar nichts mehr.
"Das liegt an den Wänden", erkläre ich geduldig. "Oben lag keine tragende dazwischen, unten schon. Dafür", füge ich tröstend hinzu, "hast Du sogar im Garten noch einen klasse Empfang!"
Das findet sie auch ganz prickelnd und verleiht schon ihrer Vorfreude auf das nächste Frühjahr Ausdruck. "Nur", fragt sie, "was mache ich bis dahin?"
Ich weiß, dass sie damit mich meint. Was mache ich bis dahin? Quatsch! Was mache ich umgehend, jetzt, sofort, um dieses Problem zu lösen?
"Na", fragt sie, die Arme vor der Brust verschränkt, "fällt Dir was ein?"
Das Ende des Übergangs
Das tut es. Ich besorge mir ein "MicroLink dLan Highspeed Starter Kit" aus zwei "HomePlug-Adaptern".
Das klingt beängstigend, ist aber ganz einfach: Dabei geht es um zwei blaue, leicht bullige Stecker für die Steckdose, an die man ein Netzwerkkabel anschließen kann. Nach Installation der Software soll das Ganze sich wie von Zauberhand zu einem Heim-Netzwerk verbinden - oder den Rechner mit dem DSL-Modem. Als Netzwerkkabel dient das ganz normale Stromkabel.
Und zwar sofort, verspricht Hersteller devolo, in seinem Marktsegment Quasi-Monopolist von microsoftigem Gewicht. Mit Allnet (mit einem 200 Mbit-Plug derzeit "schnellster" Anbieter), Netgear und Lindy gibt es zwar noch drei Konkurrenten, die vergleichbare Technik bieten. Die irgendwo im Handel zu finden, ist allerdings eine Leistung, für die man den Ehrentitel "Sherlock des Jahres" verliehen bekommt.
Für die Preise ist das nicht gut: "Powerline"-Netzwerkadapter, die auf dem "Homeplug"-Standard der so genannten Powerline Alliance beruhen, sind teurer als WLan-Lösungen. Wer vorhat, mehr als nur zwei "Stationen" miteinander zu verbinden, muss ganz schön tief in die Tasche greifen (mehr dazu unten).
Dafür sind sie außerordentlich schnell und zuverlässig: Mein Testset verbindet zwei Testrechner mit bis zu 85 Mbit pro Sekunde, sagt der Hersteller. In der Praxis
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