Prinzipiell, ließ der amerikanische Zweig von Sony BMG am Wochenende in einer Presseerklärung wissen, bestehe der Konzern auf seinem Recht, seine Produkte adäquat gegen Piraterie zu schützen. Das klang fast wie eine trotzige Antwort auf das Statement zur Debatte um den Sony-BMG-Kopierschutz aus dem US-Heimatschutzministerium: Bereits am späten Donnerstag hatte Stewart Baker, stellvertretender Leiter der Policy-Abteilung, sich mahnend an Vertreter der Musikindustrie gewandt, ohne Sony BMG namentlich zu erwähnen.
Die Mahnung hätte es nicht mehr gebraucht: Ende letzter Woche kursierten bereits etliche Versionen von Viren und Trojanern im Netz, die sich ganz gezielt auf die durch Sony BMGs XCP-Kopierschutz gerissene Sicherheitslücke stürzten. Der Musikkonzern sah sich darum genötigt, nicht nur Programme zur Entfernung der eigenen Schutzsoftware anbieten zu müssen, sondern auch Virenpatches gegen die dadurch entstandenen Gefahren.
Die Peinlichkeit, dass mittlerweile nicht nur IT-Sicherheitsunternehmen den Sony BMG-Kopierschutz als zu killenden Virus behandeln, sondern dass sogar Microsoft selbst - selten im Verdacht, besonders schnell auf solche Bedrohungen zu reagieren - entsprechende Patches gegen XCP ins nächste Security-Update aufnimmt, ist dabei vielleicht nur der Anfang der Schmerzen: Bis zu drei gerichtliche Sammelklagen drohen Sony BMG, eine wurde in Kalifornien bereits eingereicht.
Ab sofort und damit rund zwei Wochen, nachdem der IT-Sicherheitsexperte Mark Russinovich das XCP-Programm und seine potenziellen Risiken öffentlich machte, zog Sony BMG nun den Stecker. Zumindest vorerst wird Sony BMG keine CDs mehr mit dem umstrittenen Programm ausliefern. "Das", meinte dazu am Wochenende Mark Russinovich, "hätten sie sofort tun sollen."
Dass Sony BMG so lang mit einem solchen Schritt gewartet habe, zeige, dass das Unternehmen prinzipiell nichts Falsches in seinem Tun entdecken könne - Sony BMG zeige, in Russinovichs Worten, "keine Reue".
In der vorigen Woche hatte sich Maarten Steinkamp, Chef des europäischen Zweiges von Sony BMG, mit einem Statement an die Öffentlichkeit gewandt, in dem auch er die prinzipielle Notwendigkeit von Kopierschutzmechanismen unterstrich. So prüfe Sony BMG Verfahren, mit denen sich das massenhafte Kopieren einschränken ließe und zugleich dem Kunden Gelegenheit zu privaten Sicherheitskopien gegeben werden sollte. Obwohl das auch Teil des Leistungsspektrums von XCP ist, machte Steinkamp klar, dass Sony BMG Europa einen solchen Weg nicht gehen werde: "Es ist klar, dass wir in Europa nur Technologien einsetzen, die für den Käufer sicher und fehlerfrei sind."
Nach Angaben von Sony BMG wurden CDs mit dem umstrittenen Kopierschutz nur in den USA produziert und verkauft. Auf dem Weg über die Verkaufsbörsen des Internets oder "als Mitbringsel aus dem Urlaub" könnten aber "einzelne Exemplare" auch nach Deutschland gekommen sein.
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