Die Neuerungen, die durch die Alternativ-Browser Opera und Firefox in den letzten Jahren eingeführt wurden, konnten Nutzer von Microsofts Internet Explorer schon begeistern. Viel schneller und bequemer gestaltete sich das "Surfen": An Stelle vieler Einzelfenster öffneten sich Webseiten nun auf "Karteikarten" im Hintergrund. Was sich dafür nicht mehr öffnete, war die Pest der Werbe-Pop-ups. Leichter als bisher gewohnt ließen sich die neuen Browser den Bedürfnissen ihrer Nutzer anpassen.
Vor allem der kleine Firefox, in seiner ersten Version nichts als ein stark abgespeckter Mozilla-Browser, hatte es dem Publikum angetan. Seine Macher, ein loses Netzwerk ehrenamtlich arbeitender Programmierer aus der sogenannten Open-Source-Gemeinde, machten seine Verbreitung zum Politikum: Es ging darum, Microsofts Hegemonie zu brechen - das satt 95 Prozent des Browsermarktes umfassende Monopol des MS Internet Explorer (MSIE).
Gut zwei Jahre nach Veröffentlichung der ersten Vorversionen des Programms und ein Jahr nach der ersten offiziellen Vollversion hat sich Firefox einen guten Anteil des Marktes gesichert. Exakte Zahlen dazu gibt es nicht (auch, weil sich Browser wie Opera gern als Internet Explorer "maskieren"), auf Logfiles großer Internetseiten beruhende Schätzungen variieren teils erheblich - abhängig von den Zielgruppen der Webseiten, aber auch von regionalen Unterschieden.
So soll Firefox' Marktanteil weltweit bei rund 11 Prozent liegen. In den Logfiles von SPIEGEL ONLINE (basierend auf rund 290 Millionen Seitenaufrufen pro Monat) liegt Firefox dagegen seit Mai 2005 stabil bei rund 32 Prozent. An Wochenenden und Feiertagen, wenn sich das Verhältnis von Firmen- und Bürorechnern hin zu Privat-Computern verschiebt, schafft es der Firefox auch locker über 40 Prozent. Der steile Anstieg der Firefox-Nutzerschaft scheint jedoch seit einigen Monaten ausgebremst.
Branchen-Beobachter erwarten gar, dass Microsoft mit dem für das Jahresende angekündigten MSIE wieder Anteile zurückerobern könnte: Der soll dann endlich all das können, was seine kleineren Konkurrenten schon seit Jahren drauf haben.
Umso höhere Hoffnungen hat die Mozilla-Gemeinde auf den neuen Firefox gesetzt. Version 1.5 ist der erste echte Weiterentwicklungs-Schritt seit Version 1.0 und soll dafür sorgen, dass Firefox technisch die Nase vorn behält.
Die Änderungen, die er einführt, sind allerdings nicht von der "Oho!"-Sorte: Die Innovationen des neuen Firefox liegen eher im Detail. Optisch unterscheidet er sich nicht von seinem Vorgänger. Wirklich neue Funktionen sucht man auch vergeblich. Dafür hat der Browser viele kleine Veränderungen zu bieten, die sein Handling und seine Funktionen verbessern sollen.
Was also ist neu?
Zunächst einmal sind so einige Sicherheitslecks und Schlaglöcher gestopft worden: Verbessert wurde so der Bildaufbau, die Kompatibilität zu diversen Internet-Standards, der Pop-up-Blocker, die Unterstützung von Vektorgrafiken. Professioneller ist nun auch die Update-Funktion des Browsers: Sie lädt nur noch nach, was es neues gibt - bisher musste man jedesmal den ganzen Browser neu installieren.
So könnte das Motto zu Version 1.5 wohl auch "kleine Bequemlichkeiten" lauten. Die "Karteikarten", auf denen Firefox Webseiten darstellt ("Browser-Tabs", daher der Begriff "tabbed browsing"), lassen sich nun mit der Maus hin- und herziehen und in neue Reihenfolgen arrangieren. Eine Verbesserung der Barrierefreiheit soll Sehbehinderten und Blinden die Nutzung erleichtern. Verbesserte Sicherheits-Features sollen Spyware und Viren das Leben erschweren. Umstellungen in den Menüs sollen Unklarheiten beseitigen und die Bedienung vereinfachen.
Das wohl meistbeachtete Detail dürften hier wohl die verbesserten Datenschutz-Funktionen darstellen. Firefox bietet dafür jetzt einen klickbaren Einzelmenüpunkt an oder aber eine Tastenfolge (Shift+Strg+Entf). Mit einem Klick löscht man sodann die Browser-History, alle gespeicherten Formularangaben sowie den Cache des Browsers.
Den Haken zur Löschung von Cookies muss man allerdings extra setzen. Dass Firefox diese nicht einfach "default" per Grundeinstellung mitlöscht ist sinnvoll. So unbeliebt Cookies sind, ist die Löschung durchaus nicht immer sinnvoll: Sie sind ein häufig eingesetztes Instrument, die Bewegung auf und Interaktion mit Webseiten zu erleichtern.
Weder der Einkauf bei Amazon, noch das Online-Banking oder das Mitbieten bei eBay lassen sich ohne Cookies bewerkstelligen. Die vor allem auf US- und Pornoseiten eingesetzten aggressiven Data-Tracker-Cookies, für die "Datenschutz" ein schwer zu übersetzendes deutsches Fremdwort darstellt und nicht mehr, sind die Schattenseite der einfachen Technik, die Cookies in Verruf gebracht haben.
Also weg damit, wenn man will: All diese Datensätze lassen sich im Menü "Einstellungen" auch zu einer automatischen Löschung beim Herunterfahren des Browsers vormerken. Ähnliche Funktionen werden in den nächsten Monaten wohl alle Entwickler von Browsern einführen.
Die spürbarste Veränderung in der neuen Browserversion aber klingt zunächst richtig profan: Firefox verfügt nun über eine stark verbesserte Vor- und Zurück-Funktion. Das klingt nach "China-Baum-umgefallen", wirkt sich beim Surfen aber direkt und positiv aus. Anders als bisher hält Firefox die jeweils zuletzt besuchten Seiten in beide "Richtungen" im Arbeitsspeicher. Der Effekt: Die Seite muss nicht neu aufgebaut werden. Die Bewegung von einer Seite zurück zur anderen oder wieder vor geschieht ohne jede spürbare Zeitverzögerung - das ist, als "blättere" man im Internet.
Mozilla selbst beschreibt seine kleinen, aber teils feinen Veränderungen in einem Satz: "Eine bessere Performance und Benutzerfreundlichkeit, Sicherheits-Features und Funktionen zum Schutz der Privatsphäre sowie optimierte individuelle Einstellungen durch den Anwender gehören zum Upgrade."
Fazit: Version 1.5 bietet nichts Weltbewegendes, nichts absolut Innovatives, aber eine Reihe von feinen Veränderungen, die Firefox zu einem besseren Browser machen. Treu bleibt sich Firefox auch in einer anderen Hinsicht: Der Browser bleibt schlank. Die Installationsdatei mit ihren gerade einmal 5 MB ist schnell geladen.
Frank Patalong
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