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Xbox 360 im Test Bildschirm-Zittern mit Gesause

2. Teil: Lesen Sie im zweiten Teil: Surreales bei 280 km/h, Frankokanadier spielen Amerikaner - und unser Fazit ...

Dem Premiumbündel liegt ein Netzwerkkabel bei. Steckt man das in seinen DSL-Router, hängt die Konsole schon fast im Netz. Man muss nur noch mühselig mit dem Analog-Stick seinen Namen, seine Adresse, E-Mail, Passwort und Passwortfragenantwort buchstabieren und sich so bei Microsofts "Passport"-Identifikationssystem anmelden - und schon kann's losgehen. In verschiedenen Varianten, von denen die meisten Geld kosten.

Schließlich soll verdient werden, mit der Konsole an sich macht Microsoft Verlust, ungefähr 120 bis 130 Euro pro Stück schätzen Analysten. Das ist nichts Neues - nur soll diesmal nicht nur mit verkauften Spielen, sondern auch mit verkauften Bildchen für die Online-Persönlichkeit, verkauften Lackvarianten für virtuelle Autos und Ähnlichem richtig Geld verdient werden.

Surreale Erlebnisse mit dem Headset

Tatsächlich gelingt der Übergang von lokalem zu vernetztem Spielen fast unbemerkt - wer bei "Project Gotham Racing" auf "Online-Karriere" klickt, steht schon mit einem Bein auf der ersten Rennstrecke. Und kann dort innerhalb von Sekunden gegen zufällig zusammengestellte Gegner aus Columbus, Ohio oder Toronto, Kanada und demnächst vielleicht auch aus Pasing bei München antreten. Über ein (wieder nur der Premium-Edition) beiliegendes Headset, das einfach in den Controller gestöpselt wird, kann man sich auch mit seinen Kontrahenten unterhalten - was nicht immer wirklich gut funktioniert, dann aber zu wahrhaft surrealen Erlebnissen führen kann.

Zum Beispiel, wenn während eines Hochgeschwindigkeitsrennens durch die Innenstadt von London plötzlich ein Mitfahrer einen anderen fragt, wo er denn herkomme, und sich dann eine entspannte Plauderei über das Wetter in Ohio und das letzte Formel-1-Rennen auf amerikanischem Boden entspinnt - bei 280 km/h. Neben dem netten Plausch gibt es aber natürlich auch das ungehemmte Gefluche und die direkte Beleidigung. Wenn sich einer aber zu sehr daneben benimmt, kann man ihn hinterher zumindest mit einer schlechten Bewertung abstrafen: wie bei eBay. Seine Gegner kann man sich auch nach Spielstärke aussuchen, damit das Ganze nicht zu frustrierend wird.

"Achtung, RubberDuck, die Bullen!"

Die Stimmen all der jungen Männer mit den schnellen Pixelautos klingen im Kopfhörer irgendwie gleich, begleitet von leisen Fiepgeräuschen und statischem Rauschen. Das hat eine Qualität irgendwo zwischen Carrerabahn und Amateurfunk - ein Online-Truckerspiel für die Xbox könnte ein absoluter Hit werden, "Achtung, RubberDuck, die Bullen!".

Ganz problemlos läuft das ganze aber längst noch nicht: Beim Testspiel stürzte "Project Gotham Racing" in der Onlinevariante mehrmals ab, was wieder zu leicht surrealen Interkontinentaldialogen führte ("Jetzt ist es aber echt eingefroren, Jungs") - denn die Sprachverbindung funktionierte noch. Auch andere Spiele, etwa das Zweiter-Weltkrieg-Geballer "Call of Duty 2" ruckeln, zappeln und stellen sich manchmal tot. Eine Gruppe Frankokanadier hatte beim Testspiel schnell keine Lust mehr, immer wieder auf "Deutsche gegen Amerikaner" zu warten, und stieg schnell aus, den Tester allein mit seinem Sturmgewehr zurücklassend.

Die Online-Möglichkeiten der Xbox 360 sind insgesamt dennoch gut, und auch das gemütliche Geballer mit Freunden in einer anderen Stadt, inklusive freundschaftlicher Pöbelei, könnte nun Mainstream-fähig werden - für Menschen mit DSL-Anschluss zu Hause: ohne Breitband kein Xbox Live. 32 Prozent der Internetnutzer haben im Moment so einen Anschluss. Auch wieder etwas, das Oma und Opa - von Ausnahmen abgesehen - eher von der Next-Generation-Erfahrung ausschließen dürfte.

Die Zusatzfunktionen der Konsole als Multimediazentrum (die wiederum nur in Verbindung mit einer Festplatte, also nur mit der Premium-Version so richtig funktionieren) sind nett. Aber ein bisschen fragt man sich, warum man den PC an die Konsole und die wiederum an Anlage und Fernseher anschließen soll, wenn der PC das doch bisher auch alles ganz alleine konnte: Bilder zeigen, Filme und Musik abspielen.

Fazit: Die Xbox 360 ist, zumindest in der Premium-Version für 400 Euro, schon eine ziemlich runde Sache - für Menschen mit Breitband, einem HD-Fernseher und einem Hang zum Onlinespiel. Als Medienzentrale fürs Wohnzimmer ist sie technisch geeignet - aber, zumindest in der ersten Version, schlicht zu laut. Von den Spielen, die es für die Konsole bisher gibt, ist keines die "Killer Application", die den Kauf alleine lohnenswert machen würde - aber das kann ja noch kommen. Im Frühjahr soll die nächste neue Konsole kommen: Sonys Playstation 3. Microsoft hat schon angekündigt, man werde den als Blockbuster geplanten Shooter "Halo 3" genau dann lancieren. Der Konsolenkrieg der neuen Generation hat noch nicht begonnen.

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