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03.12.2005
 

Messe in Tokio

Was geht, Robot?

Vier Tage lang bewiesen Roboter-Entwickler auf der weltgrößten Fachausstellung in Tokio, was mittlerweile technisch möglich ist: Trommelnden Maschinenwesen etwa, und künstliche Tanzpartner für vereinsamte Singles.

Was sich L. Frank Baums Dosenmann im Buch "Der Zauberer von Oz" mehr als alles andere wünschte, war ein Herz. Seit Veröffentlichung des Klassikers im Herbst 1900 hat sich daran anscheinend wenig geändert: Uns Menschen interessieren Maschinenwesen vor allem dann, wenn sie uns mit Gefühlen zu rühren wissen. Frei nach dem Motto: Ein Robot darf doof und nutzlos sein, so lange er nur niedlich ist.

Deshalb interessierten sich Publikum und Presse auch kaum für die technischen Hochleistungen industrieller Fertigungsroboter, wie sie von Mittwoch bis Samstag auf der International Robot Exhibition 2005 in Tokio, der weltgrößten Fachmesse für Robotik, zu sehen waren. Trommelnde und tanzende Roboter, künftige seelenlose, aber sehr lustige Partner standen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. In Tokio reizen die Entwickler alljährlich die Grenzen des Machbaren aus - und seit einigen Jahren heißt das vor allem die Grenzen des Menschenähnlichen.

Der Trend setzte mit Sonys Aibo-Hunden ein, die bis heute das Kind im gestandenen Manager zu wecken wissen. Er setzte sich über Hondas schnuckeligen Mini-Humanoiden Asimo fort und feierte in diesem Jahr fröhliche Urstände.

Da gab es Roboter, die Arbeitern am Fließband zwar den Job kosten könnten, dabei aber wenigstens freundlich lächeln; trommelnde Humanoide in Menschengröße und künstliche Tanzpartner für vereinsamte Singles. Eine Uni-Entwicklergruppe führte vor, wie man einen Roboter mit künstlicher Mimik dem Menschen noch näher bringen könnte.

Prinzipiell kann man sich fragen, wozu.

Denn ein Roboter braucht nicht unbedingt eine realistische Mimik, sondern vor allem eine nützliche Funktion. Die meisten der aufrecht gehenden, tanzenden, trommelnden Roboter sind dagegen vor allem zweierlei: Einserseits niedlich und andererseits von einigem Prestigewert, weil teuer.

Ein Fortschrittsmotor in der Robotik ist aber auch das. Man kann all diese phantasievollen, wenig nützlichen, dafür aber niedlichen Maschinenwesen als "Proof of concept" begreifen, als Vorführung des Möglichen. Die Konkurrenz der Entwickler sorgt dafür, dass sich hier die Möglichkeiten von Jahr zu Jahr steigern. Und irgendwann wird der maschinelle Hausgenosse dann vielleicht wirklich mehr sein als ein teures, amüsantes Schmuckstück mit eingeschränktem Nutzwert. Bis dahin macht Robotik zumindest immer mehr Spaß.

Frank Patalong

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