"Es handelt sich um eine Sicherheitslücke", gab Thomas Hesse, bei Sony BMG für "Gobal Digital Business" zuständig, zu. Auf 5,7 Millionen CDs des Unternehmens befindet sich eine Software, die dem Urheberrechtsschutz dienen soll, in Wahrheit aber eine Hintertür in jedem Rechner öffnet, in dessen Laufwerk eine der Scheiben gelegt wird. Es handelt sich um ein anderes Programm als die sogenannte XCP-Technologie, die Sony BMG schon vor einigen Wochen in die Schlagzeilen gebracht hatte. In Europa verkaufte Audio-CDs sollen aber nicht betroffen sein.
Sony BMG: Neuer Ärger auf CD
Das Programm befindet sich auf 27 verschiedenen Sony-Titeln, darunter Alicia Keys' "Unplugged", "I'm a Hustla" von Cassidy und "Life in Slow Motion" von David Gray - allerdings nach Angaben von SunnComm nur auf in den USA und Kanada vertriebenen CDs. Laut Sony wurde der Sicherheitspatch von einem anderen Unternehmen, NGS Software, getestet und für effektiv befunden.
Entdeckt hatten die Lücke Experten von der Bürgerrechtsgruppe Electronic Frontier Foundation (EFF), die nach dem Bekanntwerden der durch XCP verursachten Bedrohung Sony-CDs gezielt nach derartiger Software durchsuchten. Kurt Opsahl von der EFF erklärte: "In Windows können Benutzer verschiedene Befugnisse haben, und wegen einer Sicherheitsschwäche in den Freigabeeinstellungen eines Ordners erlaubt das Programm einem Nutzer mit niedriger Sicherheitsfreigabe, sich als Nutzer mit hoher Sicherheitsfreigabe auszugeben."
Das Problem mit XCP sei anders gelagert gewesen. Dieses habe sich "versteckt, so dass man nicht wusste, dass es überhaupt da war", so Opsahl. Das jetzt betroffene Programm sei nicht versteckt, aber der durchschnittliche Nutzer wisse trotzdem kaum, wo er danach suchen müsse, wenn man ihn nicht explizit darauf hinweise.
Die EFF ist noch nicht restlos überzeugt von den Rettungsversuchen durch SunnComm. "Wir können nicht mit Sicherheit sagen, dass die Software jetzt sicher ist", sagte Opsahl, "wir werden Sony weiterhin auf diese Sachverhalte hinweisen."
Unternehmenssprecher Thomas Hesse sagte, Sony wolle Käufer der betroffenen CDs unter anderem über die Webseiten der jeweiligen Künstler und per E-Mail benachrichtigen. "Wir haben festgestellt, dass wir in gewisser Weise im Software-Geschäft sind und sollten uns deshalb so verhalten, wie man das im Softwaregeschäft tut", man müsse "sicherstellen, dass die Nutzer unserer Produkte jederzeit in Sicherheit sind".
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