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09.12.2005
 

3D-Software

München wie im Flug

Von Holger Dambeck

Wer gern mal eine Runde über München drehen will, kann dies ab sofort bequem am PC erledigen. Eine Simulationssoftware bietet atemberaubende Flüge durch ein 3D-Modell der Stadt, das aus Luftbildern und Fotos der Häuserfassaden erstellt wurde.

Google Earth wirkt wie ein nettes Spielzeug im Vergleich zu dem, was die Potsdamer Firma Remote Sensing Solutions jetzt vorgestellt hat: eine dreidimensionale interaktive Landkarte der Stadt München. Das gesamte Stadtgebiet findet sich in einer Auflösung von 25 bis 35 Zentimetern auf einer DVD wieder; 30 Milliarden Pixel haben die Programmierer auf die Scheibe gepackt. Die mitgelieferte Software lässt den Betrachter per Hubschrauber durch die Straßen schweben.

Faszinierend ist vor allem die hohe Auflösung der Bilder. Die Entwickler haben 3000 Fassaden per Hand fotografiert und die Aufnahmen auf die 3D-Häusermodelle "geklebt", so dass man meint, man stünde tatsächlich am Siegestor oder in der Leopoldstraße. Zusätzlich wurden 70 Sehenswürdigkeiten, etwa die Frauenkirche oder die BMW-Zentrale, als Cad-Modell integriert.

"München 3D", wie der Stadtplan heißt, wäre die ideale Kulisse für ein Computerspiel, das in der bayerischen Landeshauptstadt spielt. Entsprechende Pläne gebe es bereits, sagte Firmensprecher Heinz von Heydenhaber SPIEGEL ONLINE.

Datengrundlage des angeblich weltweit ersten dreidimensionalen Stadtplans sind Aufnahmen der HRSC-Kamera, die schon seit Monaten den Mars kartiert. Die Stereokamera umkreist an Bord der Esa-Sonde "Mars Express" den Roten Planeten und hat spektakuläre Fotos zur Erde gefunkt. Entwickelt wurde sie vom Berliner Planetenforscher Gerhard Neukum und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Kamera war vor ihrem Flug zum Mars bei Flügen über München und den Alpen getestet worden. Die Aufnahmen wurden anschließend vom DLR bearbeitet und bilden nun die Basis des Münchner 3D-Modells.

"Weil die HRSC-Kamera von einem Flugzeug aus senkrecht nach unten fotografiert, sind keine Fassaden sichtbar" erklärt Florian Siegert, Geschäftsführer von Remote Sensing Solutions. Die Aufnahmen zeigten vor allem Dächer und Straßen. Deshalb habe man die Häuserfassaden im Stadtzentrum nachträglich per Hand fotografiert und in das Modell integriert. Für die Häuser am Rande der Stadt habe man Standardfassaden verwendet. "Es ist noch nicht hundertprozentig perfekt", sagte Firmensprecher von Heydenhaber.

Auf der Festplatte benötigt die Software fünf Gigabyte Platz. Zur besseren Orientierung lassen sich Informationen über öffentliche Einrichtungen, Straßennamen, U- und S-Bahnstationen und Geschäfte einblenden. Wer will, kann sich auch parallel zur 3D-Karte einen klassischen Stadtplan anzeigen lassen.

Das nächste Projekt von Remote Sensing Solutions ist eine interaktiven 3D-Karte des Wettersteingebirges mit der Zugspitze als höchstem Berg Deutschlands. Sie soll im Mai 2006 als DVD erscheinen. Die bereits veröffentlichten Videos und Screenshots sind viel versprechend: Der Nutzer kann am PC Lichtungen und Bachläufe entdecken, die in natura nicht zugänglich sind. Warum sollte man da eigentlich noch wandern gehen? Die Reise nach München kann man sich ja bereits jetzt sparen, statt eines Zug- oder Flugtickets kauft man sich die DVD "München 3D" für 40 Euro.

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