Von Frank Patalong
Alle Player, von Kabel-TV-Sendern bis zu Telekommunikationsunternehmen setzen darum auf "Triple Play" - ein Diensteangebot, das neben Telefon und Internet auch Fernsehen über ein einziges Kabel verspricht.
Das, glauben die meisten Strategen, wird auch in Zukunft ins Wohnzimmer führen. "Conquer the home!" - sehr frei übersetzt "Erobert das Wohnzimmer!" - hatte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke deshalb zur Devise ausgerufen. Und da ist die Telekom bestens aufgestellt - zumindest technisch.
Denn "Kapazitäten sind definitiv nicht das Problem", wie T-Online-Sprecher Martin Frommhold erklärt. "Zumindest dann nicht, wenn sich die T-Com mit ihren Ausbauplänen durchsetzt."
Denn noch gibt es zwei Hindernisse auf dem Weg zur schönen Telekom-Fernsehzukunft: Die Medienwächter - und die Europäische Union.
Die will der Telekom den Aufbau eines 50Mbit-Netzes vielleicht in zehn Städten erlauben, beobachtet darüber hinaus gehende Pläne aber mit Argwohn. Denn den dafür nötigen Ausbau der Netze möchte die Telekom gern völlig unreguliert durchführen, was aber gegen geltendes EU-Recht verstößt.
Vom Tisch wären die Zukunftspläne aber auch dann wohl kaum, wenn es hier zu einem Veto käme: ADSL 2 wäre mit 25 MBit Datendurchsatzrate schnell genug, einen respektablen multimedialen Zauber zu entfachen. Die Kapazitäten ließen sich - wie die Bundesliga-Rechte? - "sublizeniseren", wie das ein anderer Konzernsprecher ausdrückt.
Was ist Rundfunk?
Zumindest das hielte auch das zweite Hindernis, verkörpert durch Professor Wolfgang Thaenert, noch Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesrundfunkanstalten, für "medienrechtlich wünschenswert". Dass dagegen "Netz und Inhalt in einer Hand sind", wie das nun bei der Vergabe der Bundesligarechte sowohl bei den Kabelnetzbetreibern von Arena, als auch bei der Telekom der Fall sei, sei "äußerst bedenklich".
Thaenert: "Wenn Netz und Inhalt in einer Hand liegen, so hat das eine neue Qualität. Ein solch 'integriertes Vorhaben' bedarf einer medienrechtlichen Prüfung unter dem Gesichtspunkt des Vielfaltsgebots."
Der DLM-Vorsitzende weiter im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Es ist wohl wirklich so, dass sich die Telekom einen Partner mit einer Sendelizenz suchen müsste, wenn sie die Bundesliga oder andere Fernsehinhalte über das Internet ausstrahlen will. Denn das wäre Rundfunk."
Zwischen den Häppchen-Videos, wie sie an vielen Orten im Web üblich seien, und dem, was der Telekom für die Zukunft vorschwebe, gäbe es einen maßgeblichen Unterschied. Thaenert: "Was Rundfunk ist, ist weniger eine technische oder zeitliche Frage. Es ist eher eine Frage der redaktionellen Gestaltung: Wenn sie ein moderiertes und kommentiertes Live-Programm ausstrahlen, ist das mit Sicherheit Rundfunk. Wir messen das zudem an den Kriterien Breitenwirkung, Suggestivkraft und Aktualität. Ist all das gegeben, sprechen wir von Rundfunk."
Spätestens in diesem Moment aber hätte die Telekom ohne einen entsprechenden Partner ein massives Problem. Bereits Ende der Neunziger hatte die Telekom versucht, sich als Carrier am Vertrieb von Fernsehen in Deutschland zu beteiligen. Der "MSG Media Service", an der neben der Telekom auch Leo Kirch und Bertelsmann beteiligt waren, drehte der EU-Wettbewerbskommissar den Saft ab. Auch der Versuch des Medienmoguls John Malone, die Kabel der Telekom zu kaufen, scheiterte an Deutschlands Medien- und Kartellwächtern. Die Begründung in beiden Fällen: Verhindert werden sollte die Zusammenführung von Netz und Inhalt in einer Hand.
Da bleibt die "Sublizensierung" der TV-Rechte an Dritte. Die Frage, ob dies dann nur pro Forma geschehe und das Sportprogramm dann doch "presented bei Onsport", T-Online oder Telekom, oder doch unter dem virtuellen Dach eines Fernsehsenders laufen werde, beantwortet Firmensprecher Frommhold freundlich, aber informationsfrei: "Vielleicht können wir uns darüber noch einmal in ein paar Wochen unterhalten?"
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