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Kommentar Ein schwerer Schlag für Microsoft

Mit der Übernahme von Star Division zielt Sun ins Herz des Rivalen aus Redmond. Dem Nutzer kann's recht sein.

Offiziell üben sich die Kontrahenten im Abwiegeln: Sun-Manager Ed Zander bestreitet, dass man Microsoft mit der Übernahme von Star Division an den Kragen wolle, und auch Microsofts Produktmanager für die Office Suite, Andrew Dixon, gibt sich cool: Suns Office-Offensive werde nicht zu einer Änderung in der Produktstrategie für Microsoft Office führen.

Doch eigentlich ist allen klar, dass Suns spektakulärer Schachzug vor allem ein Ziel hat: das Monopol zu brechen, mit dem der Software-Konzern aus Redmond die Arbeitsplätze der PC-Nutzer in fester Hand hält.

Auch wenn es auf den ersten Blick anders ausschaut: Natürlich will Sun künftig nicht auf dem Markt für Office-Software mit Microsoft konkurrieren. Das haben bereits andere erfolglos versucht. Auch Star Division ist ja nicht erst seit gestern im Geschäft und hat dennoch Microsoft nie wirklich nennenswerte Marktanteile abjagen können.

McNealys Manöver trifft Bill Gates und sein Unternehmen an einer viel empfindlicheren Stelle: Ähnlich wie Microsoft es gegen Netscape im Bereich der Browser vorgemacht hat, versetzt Sun durch die vollständige Freigabe von Star Office und dessen massiver Weiterentwicklung dem Markt für Office-Software insgesamt einen empfindlichen Stoß. Man untergräbt damit auf Dauer ein zentrales Geschäftsfeld des Konkurrenten.

Der Wettstreit geht also nicht um den einzelnen Käufer. Das Ziel ist vielmehr ein strategisches: Sun möchte mit der netzwerktauglichen Star-Software einen Paradigmenwechsel im Bereich der Datenverarbeitung vorantreiben. So wie Microsoft vom Zeitalter des PCs nicht nur profitiert, sondern dieses mit Windows und den Office-Programmen geradezu erfunden hat, möchte Sun jetzt mit seiner Java- und Jini-Software und den dazugehörigen Netzwerk-Computern zum Zuge kommen.

In Scott McNealys Vision ist der Anwender nicht mehr auf schwerfällige, isolierte Endgeräte angewiesen. Er bedient sich schlanker, mobiler 'clients', die ihn über das Netz mit leistungsfähigen Servern verbinden. Von diesen bezieht er alle Software, die er gerade braucht. Nach der elektronischen Korrespondenz und der Terminplanung sollen künftig auch die vielfältigen anderen Anwendungen des Büroalltags - Textverarbeitung, Tabellen, Datenbanken - von jedem beliebigen Ort erreichbar sein und zugleich zentral administriert werden können. Der Gebrauch des Computers wird so zum Anschluss an eine universelle Dienstleistung, vermittelt über die Hardware von - Überraschung! - Sun Microsystems mit Hilfe kostenloser Star-Software.

Ob die von Sun intendierte Revolution auf dem Computermarkt wirklich stattfinden wird, ist noch nicht vorherzusehen. Für den Nutzer ist Suns Übernahme von Star Division erst einmal mit einer ganz anderen Hoffnung verbunden: Nach langen Jahren der Quälerei mit fehlerhafter, absturzgefährdeter Büro-Software wünscht er sich endlich einmal Programme, die problemlos funktionieren.

Leider ist auch Star Office in dieser Beziehung keineswegs unbescholten. Doch wenn eine Software zum zentralen Hebel einer globalen Marktstrategie werden soll, muss sie wirklich gut sein. Auch hier kann Sun noch einmal von seinem Kontrahenten Microsoft lernen: Erst als der Internet Explorer dem Netscape Navigator qualitativ wirklich überlegen war, ging Microsofts Browser-Strategie auf. Wünschen wir uns alle einen langen, fruchtbaren 'Office-Krieg'!

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