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05.01.2006
 

CES-Eröffnungsrede

Gates skizziert Anti-Sony-Strategie

Von Frank Patalong

Die Consumer Electronics Show in Las Vegas ist eröffnet, und ihr Zeremonienmeister hieß zum zehnten Mal Bill Gates. Verpackt ins Loblied auf die eigenen Produkte suchte er vor allem die Konfrontation mit Sony: Die Verbindung der Xbox mit einem HD-DVD-Laufwerk richtet sich gegen die Blu-Ray-Initiative der Japaner.

Es heißt schon etwas, wenn man auf die Liste der Keynote-Sprecher bei der Consumer Electronics Show gesetzt wird: Wer hier eine "Schlüsselrede" hält, dokumentiert damit seine Wichtigkeit in der Branche. Larry Page von Google wird in diesem Jahr seine erste Keynote auf der CES halten, ein Zeichen für Googles wachsenden Einfluss. Als Newcomer und immer noch relativ "kleiner" unter den Etablierten hält er am Freitagnachmittag die letzte Keynote, vor ihm trommeln die Bosse von Sony, Intel und Yahoo für ihre Sache.

Bill Gates: Will neben dem Wohnzimmer auch jeden anderen Lebensbereich erobern
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REUTERS

Bill Gates: Will neben dem Wohnzimmer auch jeden anderen Lebensbereich erobern

Die erste Keynote aber, die Eröffnungsrede der ganzen Messe, war auch in diesem Jahr dem König der Branche vorbehalten. Bereits zum zehnten Mal durfte William "Bill" Gates III. der IT-Welt erzählen, was für tolle Sachen sein Unternehmen Microsoft künftig stemmen wird. Und siehe da: Alles wird besser, leistungsstärker, schneller, vernetzter und immer multimedialer. Und das alles ist natürlich wie immer nicht vorstellbar ohne die innovative Kraft von Microsoft-Produkten.

So weit, so uninteressant. Bis zu diesem Punkt hätte Gates locker seine Vorjahres-Keynote wiederholen können, ohne dass es jemand bemerkt hätte.

Was Gates Ansprache von denen früherer Jahre schied, war eher die Erwartungshaltung der Branche: Die IT-Welt beobachtet Microsoft nicht länger als solitär stehenden, unangreifbaren Mega-Konzern, sondern eher als eine Art satten Riesen, an dessen Thron vor allem Google fleißig sägt. Wie, fragte sich da die Branche, würde sich Gates von Google absetzen, wie Microsofts "Alleinstellungsmerkmale" gegenüber dem Newcomer herausstreichen?

Gates tat dies, indem er es weitgehend vermied: Alle Bereiche, in denen Google die Konkurrenz mit Microsoft sucht, streifte er zwar - allerdings mit einer "machen wir doch längst"-Attitüde. So reden Elefanten über Mücken.

Google: Doch kein Computer

Dass Web-basierte Services für Microsoft künftig eine größere Rolle spielen würden, hatte Gates bereits im November öffentlich gemacht. Hier liegt Googles zentrales Thema, Gates hingegen setzte in seiner Rede den Schwerpunkt woanders. In einem Vorab-Gespräch vor der Keynote hatte er den Nachrichtenagenturen in den Block diktiert, er habe gehört, Google werde bald auch "einen Roboter auf den Markt bringen, der Hamburger brät" - und meinte damit, dass von Google schlicht zu viel erwartet werde. Klar werde Google sich entwickeln, aus der bloßen Suchfirma werde mehr werden, aber "ich glaube nicht, dass sie den in sie gesetzten Erwartungen gerecht werden".

Dazu passt, dass Google per Pressemitteilung Gerüchte darüber dementieren ließ, dass Larry Page in seiner Keynote eine Art Google-Computer ankündigen werde: "Aktuelle Presseberichte über angebliche Ambitionen von Google im PC-Markt sind nicht korrekt. Sie beruhen auf einem irreführenden Artikel in der Los Angeles Times. Larry Page, Mitgründer von Google, wird auf der CES (Consumer Electronics Show, Las Vegas) keine entsprechende Launch-Ankündigung machen."

Konzilianter klang das in der Mitteilung der US-Zentrale, in der Page selbst Bescheidenes von sich gibt: "Wir haben viele PC-Partner, die ihren Markt außerordentlich gut bedienen und sehen darum keinen Grund, uns auf diesem Markt zu engagieren. Wir ziehen es vor, Partnerschaften mit großartigen Unternehmen zu schließen."

Bill Gates, Keynote-erfahren wie kein anderer, lässt die oft überhöhten Erwartungen an seine Reden da weit souveräner abperlen: In seiner Präsentation, die in weiten Teilen eher einer Verkaufsshow ähnelte, vermied er alle scharfen Töne und ließ stattdessen die Microsoft-Sonne scheinen.

Ein Schwerpunkt seiner Rede war Windows Vista, die Nachfolge-Version des Betriebssystems zu Windows XP. Vista, ließ Gates in einer Präsentation des tatsächlich schicken Betriebssystems klar machen, werde multimedialer sein als seine Vorgänger, Desktop und Internet stärker integrieren und vor allem auch die Such- und Findemöglichkeiten auf allen Ebenen verbessern. Ansonsten werde das Betriebssystem weit komfortabler als seine Vorgänger und vom eingebauten Kinder-Internetfilter über den aufgebohrten Media-Player bis hin zur Bildbearbeitungssoftware "Photo Gallery" - mit der Microsoft jetzt endlich auch ein Tool anbietet, das mit Apples iPhoto vergleichbar ist und ihm sogar ähnlich sieht - dem Nutzer ganz viele neue tolle "Erfahrungen" bieten, wie das im Marketing-Amerikanisch so schön heißt.

"Eine Zukunft, die wahr wird"

So ein Loblied hatte man erwarten dürfen. Strategisch fast wichtiger noch war aber ein Themenstrang, der sich quer durch Gates Präsentationen zog: Die vielfältige Verzahnung von Microsoft-Produkten mit denen anderer Hersteller. Sei es, als Embedded Systems in Mobiltelefonen oder mobilen Multimedia-Geräten (einen Gruß an Apple verkniff er sich), sei es in der Form, wie Microsofts Media-Center-Produkte im Verbund mit anderen das Wohnzimmer erobern wollen. Dazu gehört Intels unaussprechliche neue "Viiv"-Chipreihe, deren multimediales Potential nur im Verbund mit Microsofts Media-Center-Techniken zum Zuge kommen werde. Das geht hin bis zur "Cable Card"-Funktion in Vista, die es den Kunden von US-Kabelsendern künftig erlauben wird, ihre Smartcards für den Empfang von HDTV über das Microsoft-Betriebssystem laufen zu lassen.

Und natürlich durften auch bilanzierende Erfolgsmeldungen nicht fehlen. So hebe mittlerweile die Media Edition von Windows richtiggehend ab. Von den weltweit 6,5 Millionen verkauften Media-Center-Editions seien 5,5 allein im letzten Jahr verkauft worden. Wer da jetzt unkt, das sei ja eigentlich eher eine Flop-Meldung für ein Unternehmen von Microsofts Größe, verkennt den Markt: Die Zahlen dokumentieren nicht zuletzt, dass der Markt für Media-Center gerade erst entsteht, vor Jahren zum Launch der ersten Produkte aber eigentlich noch gar nicht reif dafür war.

Dass Gates hingegen den Verkaufsstart der XBox 360 zu einer Erfolgsgeschichte verklärte, dürften viele in der Branche als eine deutlich zu euphorische Sicht der Dinge registrieren. So seien die Lieferengpässe im Weihnachtsgeschäft laut Gates durch die "ganz normalen Komplexitäten" bei der Produktion zu erklären sowie durch die "enorm hohe Nachfrage". Genau die hatte es aber allenfalls regional gegeben.

Xbox-Update: Mit HD-DVD gegen Sony

Wie auch immer, bis zum Juni wolle Microsoft 4,5 bis 5,5 Millionen Xbox 360 ausgeliefert haben. Eine verständliche Absicht, entspräche das doch ziemlich genau dem Verkaufsvorsprung, den einst Sony mit der PS2 verbuchen konnte, bevor Microsoft mit der ersten Xbox auf den Markt kam - ein Vorsprung im Übrigen, den Microsoft nie mehr aufholen konnte. Diesmal war Microsoft früher am Start als Sony mit der PS3, und in Sachen Verkaufsziel, versicherte Gates, liege man "voll im Plan". Konkrete Zahlen aber nannte er nicht.

Dafür stellte er erste Erweiterungen der 360-Plattform vor, die die Konsole weiter aufwerten sollen - und lieferte damit die wohl relevanteste Schlagzeile seiner Keynote. Dass Microsoft nun die Xbox einsetzt, um den DVD-Nachfolgestandard HD-DVD zu forcieren, ist relevant weit über die IT-Industrie hinaus und in mehr als einer Hinsicht direkt gegen Sony gerichtet.

Auf den Markt bringen will Microsoft nun ein externes HD-DVD-Laufwerk. Sony hingegen wird seine PS3 bekanntlich ab Verkaufsstart mit einem Blu-Ray-Laufwerk ausrüsten. Beides könnte für die Frage, welcher der DVD-Nachfolgestandards letztlich das Rennen macht, tatsächlich von äußerster Wichtigkeit sein, vielleicht sogar entscheidend.

In einer Medienwelt, in der es zurzeit kaum Angebote in HD-Qualität gibt, liefern die Spielekonsolen derzeit die besten Verkaufsargumente für die Anschaffung entsprechender Bildschirme: Nur, wer über einen HDTV-Apparat verfügt, kann die visuellen Vorteile von Xbox 360 oder bald PS3 auch wirklich ausschöpfen. "Huckepack" im Fahrwasser des Erfolges der einen oder anderen auch als Film-Abspielgerät genutzten Spielekonsole könnte sich so die Frage nach der DVD-Nachfolge entscheiden. Und auch das ist Teil des Konkurrenzkampfes Microsoft gegen Sony - mit Implikationen für die gesamte IT-, Elektronik- und Filmindustrie.

Spätestens damit war klar, wo Gates nach wie vor die wahre Konkurrenz sieht: Nicht bei Google, sondern bei Apple und Sony.

Klar machte Gates in seiner Rede, dass er Microsoft mit seinen Produkten nach wie vor "mitten im Zentrum" der Entwicklung sieht: Die Konsumenten lebten ein zunehmend vernetztes Leben, man könne vom "Jahrzehnt des digitalen Lifestyles" sprechen. Und einmal mehr zeigte er eine dieser MS-Präsentationen der multimedialen vernetzten Zukunft, bei denen es Europäern eher kalt den Rücken hinunter läuft. Da verfolgt etwa Mama auf einer Stadtkarte am Bildschirm, wo sich ihre Lieben gerade herumtreiben - denn die tragen natürlich alle eine digitale Wanze. Jeder Apparat ist mit jedem verbunden und funkt und streamt und sendet vor sich hin. "Eine Zukunft", sagte Gates, "von der wir glauben, dass sie wahr wird."

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