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07.01.2006
 

CES Las Vegas

Larrys große Google-Show

Larry Page mimte den Entertainer. Auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas ließ sich der Google-Chef im Kittel auf einer Auto-Stoßstange in den Saal fahren, um einen Video-Downloaddienst und ein Softwarepaket anzupreisen.

Die Regel ist: Wer den größten Auftritt hinlegt, hat die Consumer Electronics Show in Las Vegas gewonnen. Während die Microsoft-Gründer Bill Gates und Steve Ballmer bei ihrem Auftritt am Mittwoch das Publikum mit einem Spielkonsolen-Boxkampf unterhielten, setzte Google-Chef Larry Page gestern Abend auf Motorkraft. Auf der Stoßstange von "Stanley" ließ sich Page auf die Bühne fahren - "Stanley" ist das Roboterauto, dass kürzlich ein Rennen unbemannter Fahrzeuge in der Mojave-Wüste gewann.

"Stanley" hat für Page Symbolwert. Denn einerseits ist der Wagen ein VW - und mit Volkswagen hat Google Großes vor. Nachdem er abgestiegen war, führte Page spektakuläre Flüge über den Erdball mit "Google Earth" vor und kündigte eine Kooperation mit Volkswagen an: Google Earth soll in Auto-Armaturenbretter integriert werden.

"Stanley" wurde beim Wüstenrennen DARPA Grand Challenge außerdem gesponsert von der Stanford University - der Hochschule, an der Page gemeinsam mit seinem Partner Sergey Brin die Idee für Google ausheckte. So verwies Page diskret auf die Anfänge der eigenen Erfolgsstory - für einen US-Unternehmenschef schon fast Understatement.

Seitdem ist viel Zeit vergangen und viel Geld verdient worden - inzwischen bewegt sich der Studentenstreich auf Augenhöhe mit den Giganten, mit Microsoft und Yahoo etwa. Und für jeden dieser großen Kontrahenten hatte Page etwas im Gepäck. Schauspieler und Komiker Robin Williams sekundierte währenddessen mit Witzen.

Ganz klar auf Microsoft zielt der "Google Pack", den Page bei seiner Rede ankündigte. Das ist ein Softwarepaket unter "Google"-Flagge, das ein bisschen an Microsofts Vormachtstellung auf dem Desktop sägen soll. Neben eigenen Programmen wie Googles Talk, Toolbar, Desktop, Google Alerts und dem hauseigenen Video Player enthält das Paket den Firefox Browser - die kostenlose, hochgelobte Konkurrenz zum Internet Explorer von Microsoft - dazu ein Anti-Spyware-Programm von LavaSoft, den Adobe PDF Reader 7, ein Norton-Virenschutzprogramm, den Trillian Instant Messenger und einen RealPlayer. Das Paket soll leicht zu installieren sein und automatische Updatefunktionen enthalten.

Mit anderen Worten: Der "Google Pack" soll eine ganze Reihe von Microsoft-Anwendungen und -Diensten überflüssig machen, zum Beispiel den Internetexplorer, den MSN Instant Messenger und den Windows Media Player.

In Richtung Yahoo hatte Google schon im Laufe der Woche gepiekst - während Pages Suchmaschinisten eine Kooperation mit Motorola geschmiedet haben, um Mobiltelefone standardmäßig mit der eigenen Suchmaschine auszurüsten, kündigte Yahoo zum gleichen Zweck eine Kooperation mit Nokia an. Bei seiner Rede zauberte Page nun auch noch eine Zusammenarbeit mit Blackberry aus dem Hut: Auch die besonders bei Managern und Politikern beliebten E-Mail-fähigen Mobilgeräte sollen künftig mit einer eigens entwickelten Google-Version das Netz durchsuchen.

Die wohl wichtigste Ankündigung, die allerdings bereits vor Pages Keynote durchgesickert war, ist ein neu gestarteter Service für Videodownloads. Der "Google Video Store" soll beispielsweise Folgen der US-Serie "Survivor" und ältere Sendungen wie "I Love Lucy" anbieten. Für 1,99 US-Dollar soll man die Folgen herunterladen und für einen unbegrenzten Zeitraum immer wieder ansehen können. Daneben sollen, für den gleichen Preis, aktuelle Serien des Senders CBS wie "CSI: Crime Scene Investigation" im Angebot sein. Diese soll man aber nur für jeweils 24 Stunden am Stück mieten können.

Andere Sendungen wie die "Charlie Rose Show" sollen nur 99 Cent pro Folge kosten, und dann unbegrenzt verfüg- und auch auf andere Geräte kopierbar sein. Alle anderen Angebote werden aber nach Google-Angaben kopiergeschützt sein. Bezahlt wird per Kreditkarte. Von Deutschland aus kann man aber, obwohl der Dienst bereits online ist, nichts herunterladen.

Google steigt somit in ein Geschäft ein, in dem bislang vor allem Apples iTunes Music Store zaghafte Schritte unternimmt: Geschäfte mit Online-Videos. Yahoo hat eben ein ähnliches Angebot angekündigt - Yahoo Go TV soll noch vor April auf den Markt kommen. Und auch Sony hatte bei der CES angekündigt, sein Downloaddienst "Connect" werde bald Videos anbieten - zumindest für die Mobilkonsole PSP.

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