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15.02.2006
 

3D-WWW

Surfen mit dem Browser-Würfel

Von Holger Dambeck

Die Welt ist eine Kugel - das lernen wir schon frühzeitig in der Schule. Dass auch der Webbrowser eine Kugel sein kann - oder ein Würfel oder eine wehende Fahne -, dürfte eine neue Erfahrung sein. Wer nicht auf 3D-Surfen steht, kann Webseiten auch mit einer Kettensäge filetieren.

Klicken, scrollen, klicken, zurück zur vorherigen Seite - so in etwa bewegt man sich normalerweise durchs World Wide Web. Vielsurfer haben ihren Browser eventuell noch mit diversen Erweiterungen aufgemotzt - etwa Firefox mit Mausgesten, einem Session Saver und einem praktischen Wörterbuch-Popup.

Doch durchs Web lässt sich auch ganz anders hangeln - in drei Dimensionen oder spiegelverkehrt. Möglich macht's der uBrowser - eine Software, die Webseiten auf Würfel, Kugeln oder wehende Fahnen projiziert, wobei die Links in der Seite nach wie vor anklickbar sind.

Das klingt verrückt und ist es auch. Die 3D-Objekte lassen sich drehen, man kann hinein- oder herauszoomen - genau wie bei Google Earth.

Callum Prentice, ein Programmierer der US-Firma Linden Lab hat das Programm ins Netz gestellt. Bekannt wurde das Unternehmen mit seinem Online-Rollenspiel "Second Life". Und der 3D-Browser ist nichts anderes als ein Abfallprodukt davon.

Die Software, die Mozillas Browser-Engine Gecko nutzt und für die 3D-Effekte OpenGL, soll Teil zukünftiger Spielversionen werden. Die Gamer sollen dann innerhalb der Spielumgebung Webseiten besuchen können, etwa die virtuelle Wechselstube Lindex Currency Exchange.

Um zu zeigen, was man mit einem 3D-Browser so alles anstellen kann - zum Beispiel Webseiten auf den Kopf stellen oder von hinten spiegelverkehrt lesen, hat Prentice das Tool separat veröffentlicht. Derzeit läuft es nur unter Windows, Ausgaben für Linux und Mac OS sollen folgen.

Den Einwand, dass das Ganze ja reichlich sinnlos sei, kann Prentice nicht so recht entkräften: "Ja, ähm, nein, aber...", stammelt er auf der ubrowser-Website. Aber später, integriert in "Second Life", solle die Technik sehr nützlich sein, verspricht er.

Freunden härterer Gangart dürfte eher netdisaster.com gefallen. Das Angebot ermöglicht auf schlichte Weise den Abbau von Aggressionen, die sich gegen einzelne Webseiten richten. Einfach die URL eintippen und das Zerstörungswerkzeug der Wahl anklicken - und schon kann der böse Spaß beginnen. Entweder kippt man Kaffee über die Seite, brennt mit einer Kippe Löcher hinein, greift zur Kettensäge oder zum Gewehr.

Nur Surfen wie mit dem uBrowser kann man dabei nicht - man muss sich halt entscheiden: klicken oder wüten.

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