Von Matthias Kremp
Als grandiose Fehlleistung darf man auch Microsofts Versuch bezeichnen, dem Fenster-System von Windows 3.1 eine intuitive Oberfläche aufzupfropfen. Die "Microsoft Bob" genannte Software sollte dem Anwender ein virtuelles Haus vorgaukeln, in dessen verschiedenen Räumen sich unterschiedliche Aufgaben bewältigen ließen. Gerüchte sagen, dass sich für Bob seinerzeit einige zehntausend Käufer fanden. Zum Vergleich: Von dem auf Windows 3.1 folgenden Windows 95 gingen mehr als 45 Millionen Pakete über den Ladentisch.
Osborning
Dass solche Missgeschicke keine Einzelfälle sind, stellt die Geschichte des PC-Pioniers Adam Osborne unter Beweis. Er brachte mit seinem Osborne 1 den ersten tatsächlich tragbaren Computer auf den Markt. Trotz eines Gewichts von 24,5 Pfund wurde sein Schlepp-Top ein Kassen-Knüller, der Osborne bereits im zweiten Produktionsjahr Umsätze in Höhe von 70 Millionen US-Dollar einbrachte. Dann aber beging der Firmengründer einen Kardinalfehler und kündigte den Nachfolger des Erfolgsmodells viel zu früh an. Das Resultat: Potentielle Käufer warteten lieber auf das technologisch überlegene Nachfolgemodell
Vixen, statt noch zu einem der nun vermeintlich veralteten Osborne 1 zu greifen. Trotz massiver Preissenkungen blieben die Lager voll. 1983 ging Osborne in Konkurs.
Geblieben ist der Begriff "Osborning", der bis heute für übereilte Produkt-Ankündigungen verwendet wird: Dass die kräftig boomende DVD in den Planungen der konkurrierenden Konzerne bereits als Auslaufmodell behandelt wird, sorgte anfänglich ebenfalls für Unruhe unter den Kunden. Inzwischen sehen die das wieder entspannter und kaufen fleißig weiter DVD-Technik: Blu-ray und HD DVD streiten ja noch. Zeichnet sich da etwa ab, dass die Kaufenthaltung diesmal eher zu Lasten der Nachfolgetechniken gehen wird? Man wird sehen.
Als typischer Fall von Osborning ging auch Ataris Heim-Computer Falcon in die Geschichte ein. Nach der ersten Ankündigung wurde in der Fachpresse wild über dessen Fähigkeiten spekuliert. Als der "Falke" dann im Herbst 1992 vorgestellt wurde, war die Enttäuschung groß. Die hochgesteckten Erwartungen wurden bei weitem nicht erfüllt. Schlimmer noch: Zeitgleich trumpften günstige 486er Windows-PCs mit Steckplätzen und "Turbo"-Schaltern auf, die auch eingefleischte Atarianer lockten. Gerade mal 14.000 der flügellahmen Flattermänner fanden einen Käufer. Als Folge dieses Desasters stampfte Atari die gesamte Computer-Produktion ein, verlegte sich kurzzeitig auf Spielkonsolen und stellt heute ausschließlich Computer-Spiele her.
Zwielichtige Gestalten
Manchmal hat das Scheitern auch ganz andere Gründe, wie der Fall Gizmondo zeigt. Unter diesem Namen brachte die USA-Firma Tiger Telematics im vergangenen Jahr eine multifunktionale Spielkonsole in den Handel - zumindest in den USA und Großbritannien. Die technischen Daten waren durchaus beeindruckend: Spielkonsole, GPS-Navigation, GPRS-Kommunikation und ein Multimedia-Player sollten den Gizmondo zum PSP-Killer machen. Allerdings machte bereits im Herbst 2005 eine Geschichte des schwedischen "Aftonbladet" die Runde, wonach der Geschäftsführer von Gizmondo Europe in Geschäfte der schwedischen Mafia verwickelt gewesen sein soll. Etwa zeitgleich tauchten Berichte auf, wonach sich das europäische Management großzügig mit Luxus-Firmenwagen ausstattete. Wenige Monate später wurde die Firma liquidiert und der Gizmondo zu Grabe getragen.
Hochfliegende Pläne
Ebenfalls zu Grabe getragen, dann aber wieder belebt, wurde das Satelliten-Telefonsystem Iridium. Nur ein Jahr nach seinem Start 1998 musste das auf insgesamt 66 Satelliten basierende weltumspannende Funktelefonnetz Konkurs anmelden. Zu wenige Kunden konnten sich dafür erwärmen, die horrenden Gebühren von bis zu 14 US-Dollar pro Minute zu zahlen. Stattdessen wurden GSM Handy-Netze weltweit zum Erfolg. Heute werden die im Jahr 2000 wieder in Betrieb genommenen Satellitentelefone vor allem von der US-Regierung und dem dortigen Verteidigungsministerium genutzt.
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