Google ist ein Unternehmen mit einem großen Herzen. Und einem noch viel größeren Gedächtnis. Schon jetzt beispielsweise teilen viele Nutzer der Suchmaschine ihre täglichen Suchanfragen, teils sogar die, die den eigenen Rechner betreffen, mit den Internet-Katalogisierern aus Mountain View in Kalifornien - wenn sie Googles MySearchHistory installiert haben nämlich. Dieses Werkzeug speichert alles, was Sie je gesucht haben - und diese Informationen gehen ein in die ewigen Bestände des sekündlich weiter wachsenden googleschen Wissens über Netz und Nutzer.
Eine Erweiterung des Google Desktop erlaubt es sogar, den eigenen Rechner von Ferne zu durchsuchen - was allerdings nur mit Kopien der eigenen Verzeichnisstrukturen und Textdateien geht, die irgendwo anders zwischengelagert werden. Auch diese Funktion bereitet Datenschützern bereits heftiges Kopfzerbrechen - Firmen beispielsweise wird davon abgeraten, ihre Daten auf diese Art und Weise von außen zugänglich zu machen.
Nun will Google dem Vernehmen nach noch mehr. Nicht nur wissen, was Sie kürzlich auf ihrer Festplatte gesucht haben, sondern auch, was da sonst noch so drauf ist. Wenn es nämlich stimmt, was jetzt aus internen Quellen des Unternehmens durchgesickert sein soll, dann plant Google gewissermaßen ein Backup-Plätzchen für Ihre Festplatte - im Netz. Beziehungsweise: auf den eigenen Rechnern. In einer Google-internen Präsentation, berichtet beispielsweise Reuters, soll unter anderem stehen: "Mit unbegrenztem Speicherplatz können wir alle Nutzerdateien, einschließlich E-Mails, Suchgeschichte, Bildern, Bookmarks etc. beherbergen und all das von überallher (jedem Gerät, jeder Plattform etc.) zugänglich machen."
Totale digitale Freiheit?
Das klingt zunächst mal toll, gerade in Zeiten der wachsenden und wuchernden mobilen Vernetztheit. Handys mit gigabytegroßen Speichern, Microsofts gar nicht mehr so geheimes Origami-Projekt - ein Tablet-PC für die Jackentasche - immer schnellere Laptops, wuchernde mobiltaugliche Datennetze, Hotspots allenthalben - wer so mobil sein kann und will, möchte nicht notwendigerweise all das, was sich so im Lauf der Jahre an Datenmüll ansammelt, ständig mit sich herumschleppen. Obwohl man ja nie weiß, ob man der Flughafenbekanntschaft in Mexiko City nicht doch mal eben auf dem Klapprechner den tollen Schnappschuss von Omas letztem Geburtstag zeigen will. Da will Google jetzt helfen - alles, was Sie je gespeichert haben, zugänglich von wo immer sie auch gerade sind - Netzzugang vorausgesetzt.
Google ist bei weitem nicht das erste Unternehmen, das derartige Online-Festplatten anbietet - Unternehmen wie xdrive.com oder godaddy.com bieten schon seit längerem kostenpflichtigen Speicherplatz in den Weiten des Netzes, und auch Yahoo offeriert seinen registrierten Nutzern ein "Briefcase", in dem Daten online zwischengelagert werden können - allerdings nur 30 Megabyte.
Das Entscheidende an Googles unfreiwilliger Veröffentlichung ist also vor allem der Name Google - und eventuell der Preis. Sollte das Angebot kostenlos sein, wie die meisten anderen Google-Anwendungen, dann könnte es für die Konkurrenz eng werden. Bei xdrive.com zum Beispiel kosten fünf Gigabyte Internet-Speicher 10 US-Dollar im Monat.
Sei kein Schussel
"GDrive" war schon seit längerem ein Gerüchte-Codewort für die Speichermöglichkeit aus dem Hause Google. Nun will ein Blogger die erwähnte interne Präsentation entdeckt haben, die das ganze erhärtet - oder genauer gesagt, die der Präsentation beigefügten Notizen von Google-Chef Eric Schmidt. Google wollte das Ganze nicht kommentieren, die Präsentation jedenfalls verschwand aber aus dem Netz und wurde durch eine PDF-Datei ohne die entsprechenden Notizen ersetzt, berichtet Reuters. Eine Sprecherin wollte keinen Kommentar abgeben, sagte aber, die Präsentation samt Notizen sei versehentlich öffentlich zugänglich gewesen. "Wir haben die Notizen zu den Folien gelöscht, weil sie nicht zur Veröffentlichung gedacht waren", sagte sie.
Erstaunlich, was einem Unternehmen so passiert, das dem Vernehmen nach den gesamten eigenen Datenbestand irgendwo in den USA auf einem Server zwischenlagern will. "Sei nicht böse" ist das Google-Firmenmotto. Aber selbst, wenn man darauf vertraut, dass dieser Grundsatz weiterhin gilt - wenn das Unternehmen nun die Verantwortung für das gesamte eigene digitale Leben übernehmen will, würde man sich als Nutzer doch den Zusatz "Sei kein Schussel" wünschen.
Auf anderen Social Networks posten:
Wir speichern sogar unternehmenskritische Dokumente, wie Konzepte, Kalkulationen etc., bei Google, da verteiltes Arbeiten mit deren Tools so locker von der Hand geht, wie nirgends sonst. Und ganz ehrlich, bisher hat Google [...] mehr...
Für viele Politiker ist das Internet und damit Google immens gefährlich! Kann man doch dort den Wahrheitsgehalt vieler ihrer Aussagen überprüfen und auch entgegengesetzte Meinungen kennen lernen. Seit es Google gibt, habe ich [...] mehr...
... die bei google lachen sich tot über eine solche klage und verkaufen munter die gesammelten daten weiter. ... also wer persönliche daten, wie emails und auch noch dokumente online bei google speichert, dem ist wirklich [...] mehr...
und natürlich werden das die Datemlemminge bald erkennen.. und dann geht es einfach dahin Global Wealthnivilation.. das ist der Plan ..und Microcreditsysteme (P2P) Ein Jahrzehnt der Kriege mehr...
Mag ja sein, dass meine Daten (Emails, Dokumente) nicht sicher sind, wenn ich sie bei Google lagere. Aber wo sind sie denn sicherer? Auf meiner Festplatte und dann immer mit USB-Stift rumtragen? Oder auf DVD? Oder vielleicht [...] mehr...
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