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10.03.2006
 

Wenn Papero fiept

Niedlicher Spitzel

Von Stefan Schmitt, Hannover

Ultraschallsensoren, Sprach- und Gesichtserkennung - mit der maximal knuffigen Technologiestudie "Papero" zeigt NEC auf der Cebit die Überwachungstechnik für die Haushalte von Morgen.

Groß wie ein Plastik-Papierkorb und mit ähnlicher Farbgebung scheinen zwei Papero-Roboter neidisch im Hintergrund zu stehen. Dem dritten tätschelt Herr Ito den Kopf. Das Gerät bewegt sein Köpfchen vor und zurück und gibt Summlaute von sich.

"Guten Tag" sagt es in vier Sprachen in einem Brabbelton, der unklar lässt, welche der Sprachen Deutsch ist. Welchen Schaden könnte so ein Roboter schon anrichten?

"Wir haben ihn zweijährigen Kindern gezeigt", erzählt Herr Ito vom japanischen Technologiekonzern NEC. "Papero kann ihre Stimmen und Gesichter erkennen - und auseinander halten." Zur Weltausstellung im japanischen Aichi hat NEC die knuffigen Roboter zum ersten Mal gezeigt. Bei der Cebit dürfen alle Besucher die knapp 40 Zentimeter hohen, sechs Kilo schweren Rollroboter anfassen, auf sie einreden, winken, stupsen, gucken. Eine Art Härtetest.

"Was für eine Lärmatmosphäre", bemerkt Herr Ito freundlich. Für NEC ist das knuffige Ding eine Art Staatsyacht: Seine Hauptaufgabe ist es, hergezeigt zu werden und Aufmerksamkeit zu erregen.

Gesichtserkennung, Spracherkennung- und -steuerung, autonomes Zurechtfinden in fremden Umgebungen (wie zum Beispiel unaufgeräumten Wohnungen oder Kindergartenräumen) per Ultraschallsensor: Die Technologien, auf die NEC stolz ist, soll Papero demonstrieren. Im Cebit-Krach und möglichst ohne bedrohlich zu wirken.

"Die Japaner sind da sehr neugierig und aufgeschlossen", sagt NEC-Sprecher Ralf Wolf. Papero sei zwar auch in seinem Heimatland bislang nur eine "Technologieplattform", doch könne man sich dort den Einsatz solcher Roboter im Haushalt schon gut vorstellen, "später mal, als Serviceroboter".

Wo Überwachung beginnt, ist eine Mentalitätsfrage

Was das heißen könnte, beschreibt er so: Man kann Papero so programmieren, dass er überprüft, ob Oma zu einer bestimmten Uhrzeit ihre Tabletten genommen habe. Wenn nicht, könne er sie ja erinnern. Und wenn das auch nicht helfe, warum nicht, den Arzt verständigen. Denn in dem kleinen Roboterkübel auf Rollen steckt auch ein Mobiltelefon. Da seine Augen aus Kameralinsen bestehen, könnten Eltern von unterwegs per Handy nachsehen, was ihre Kleinen so treiben. "Japaner lieben es, zu sehen, was die Familie so macht", sagt Wolf. "Das hat gar nichts mit Überwachung zu tun." Er senkt die Stimme und sagt, da gebe es kulturell ja große Unterschiede. Auf ein Einführungsdatum will er sich nicht festlegen.

Herr Ito ist da freimütiger: "Fünf Jahre noch" schätzt er. Dass die Japaner Papero in ihre Herzen schließen und in ihre Wohnungen rollen lassen, scheint für ihn ausgemachte Sache zu sein. Man müsse einfach noch am Preis und an den Komponenten arbeiten: Bis der rollende Roboter noch um ein Drittel schrumpfe und für eine Größenordnung um 1000 Euro verkauft werden könne.

Dann beugt sich Herr Ito noch einmal besonders weit vor: Zweimal sagt er im Lärm der Messehalle 2 etwas auf Japanisch.
Da: Papero versteht seinen Einsatz. Wie ein dressierter Hund führt er dem NEC-Mann sein Kunststückchen vor: Die Augen leuchten auf, das konturlose Plastikgesicht zeigt einen leuchtenden Mund in drei Farben - und es scheint, als würde Papero Grimassen schneiden. Die Nicht-Japaner unter den Umstehenden können kein Wort seines Gebrabbels verstehen. Und doch verstehen alle den Effekt: Die bislang kindersüße Synthetiksprache des kleinen Roboters wird so verzerrt, dass sie plötzlich blechern und elektronisch klingt. Aus seinem Redeschwall bleibt dann ein einziges englischsprachiges Wort hängen: "Alien".

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