Von Christian Stöcker und Stefan Schmitt, Hannover
Für Bill Mitchell ist es ein höllisch anstrengender Tag. Der Microsoft-Manager hat zum Start der CeBit in Hannover eine klar definierte Aufgabe: Er muss "super excited" sein, total aufgeregt, weil er eine Weltneuheit präsentieren darf. Origami hieß die zunächst, was schön, klein, kunstvoll und japanisch-schlicht klingt. Jetzt, nachdem Bill Mitchell sie gemeinsam mit Christian Morales von Intel erstmals vor die Blitzlichter hielt, heißt sie anders: UMPC.
Das klingt nicht ganz so schön, eher ein bisschen nach Techno-Bassdrum. Umpc Umpc, aber egal: Ganz aufgeregt sind alle immer noch, jedenfalls bei Microsoft, bei Samsung, bei Asus, bei Founder und natürlich bei Intel - denn die bauen die Chips für alle UMPCs.
Nach der Intel-Pressekonferenz hat Mitchell die Geräteklasse noch mal bei der Microsoft-Veranstaltung im holzgetäfelten Konferenzraum hochgehalten, wieder "super excited", und den Nachmittag verbringt er damit, die drei ersten Geräte, die sein eigenes Unternehmen doch gar nicht selbst herstellt, Journalisten vorzuführen. Auch SPIEGEL ONLINE kam in den Genuss einer Privatpräsentation.
Die drei ersten UMPCs haben verschiedene Anordnungen von Bedienelementen. Der Asus R2H etwa hat in seiner matt-metallischen Oberfläche zwei Tasten und einen Mini-Joystick als Mausersatz, und auch das Samsunggerät kann über einen Jackettknopf-großen Joystick gesteuert werden. Eigentlich sind das aber Hilfskonstruktionen - denn gedacht sind die Geräte vor allem für die Eingabe über den Touchscreen. Sowohl mit einem Stift als auch mit dem bloßen Finger lässt sich eine speziell entwickelte Benutzeroberfläche bedienen - das ist eine der Zutaten, die an der neuen Geräteklasse tatsächlich von Microsoft stammen.
Eine andere ist eine Art virtuelles Keyboard auf dem Schirm, das dazu ausgerichtet ist, mit den Daumen beider Hände bedient zu werden, während man das Gerät festhält. Es besteht aus zwei Viertelkreisen, die in den unteren Ecken erscheinen können und aus halbtransparenten Tasten mit Buchstaben und den wichtigsten Symbolen zusammengesetzt sind. Die ermöglichen es, zumindest Web-Adressen oder kurze Notizen einzugeben, ohne eine externe Tastatur anzuschließen - mit den Daumen längere Texte zu schreiben, dürfte eher ermüdend sein. Tastaturen und anderes Zubehör sind aber schon fest eingeplant - auch wenn bei der Demonstration gerade keine zur Hand waren.
Auch direkt auf den Bildschirm schreiben oder zeichnen kann man, und so seine Instant-Messenger-Smileys künftig beispielsweise selbst gestalten oder seine Kurzchats handschriftlich abhalten - dazu braucht es nicht einmal Schrifterkennung, obwohl die auch integriert ist. Das Asus-Gerät hat auch eine Kamera, bei dem Founder-UMPC ist die nicht nach vorn, sondern auf den Nutzer gerichtet - er soll damit zum idealen Voice-over-IP-Videotelefon werden.
Filme und Musik werden gespeichert und wiedergegeben wie in Windows auch, nur dass der Media Player in einer Touchscreen-Version daherkommt, mit großen Knöpfen rund um den eigentlichen Bildschirm, die mit dem Finger bedient werden können. Das beim ersten Ansehen präsentierte Musikvideo sieht recht ordentlich aus, als Bahnfahrt-Verkürzer könnten die UMPCs den Notebooks tatsächlich den Rang ablaufen. DVDs abspielen können sie allerdings nicht - Laufwerke haben die Taschenbücher nicht, alle Daten müssen entweder per USB, per Bluetooth per Wlan oder von einer Speicherkarte im integrierten Slot an Bord gebracht werden. Videos sollen über Microsofts Media Center auch vom heimischen PC auf das Gerät gestreamt werden können.
Bespaßung für die Autofahrt hier, Navigator dort
Das "Q1" genannte Gerät von Samsung hat eine glänzendschwarze und damit Fingerabdruck-anfällige Plastikoberfläche im PSP-Stil, ist zweieinhalb Zentimeter dick und wiegt etwas unter 800 Gramm. Das Founder-Gerät wirkt etwas schlanker und ist aus mattschwarzem Plastik, der Asus "R2H" etwas dicker, mit einer Metallfront ausgestattet und deutlich schwerer als die anderen beiden Geräte. Alle drei haben einen Sieben-Zoll-Bildschirm mit einer Auflösung von standardmäßig 800 x 480 Punkten. Das reicht für Videos, HDTV-Erlebnisse wird man mit den UMPCs aber nicht haben können, zumindest nicht mit der ersten Generation. Samsung will für Musik- und Videowiedergabe auch "Instant On" ermöglichen - also Videowiedergabe ohne Windows und damit ohne Boot-Zeiten.
Die Bildschirme, verriet Mitchell, stammen aus der Automobilproduktion, weil man da besonders leuchtstarke Geräte verwende. Leuchtstark heißt aber auch: Der Stromverbrauch ist hoch. Eine Akkulaufzeit von etwa drei Stunden sei drin, Samsung spricht von 3,5 Stunden und von "über 1,7 Stunden" bei Wiedergabe von Filmen. Das ist nicht viel - dementsprechend bieten die Koreaner gleich noch einen Zusatzakku an, der hinter das Gerät geschnallt werden kann. Womit das Gewicht doch wieder in die Region leichter Notebooks rutschen dürfte. Dafür soll der Strom dann für acht Stunden reichen.
Aufs Auto zielt auch die Funktion, die bei Asus fest eingebaut ist: Ein GPS-Empfänger, der den Mini-PC auch zum mobilen Navigationsgerät machen soll. Bei Samsung scheint GPS optional zu sein, aber eine Halterung fürs Armaturenbrett ist schon im Angebot.
Samsung kündigt eine Festplatte mit Standardmäßig 40 Gigabyte Speicher an, dazu 512 Megabyte RAM und einen Celeron-M-Prozessor mit einer Taktfrequenz von 900 Megahertz. Prozessor und Festplatte machen sich im Demonstrationsgerät deutlich bemerkbar - das Gerät vibriert fast kontinuierlich, aus dem Lüfter fönt ein permanenter warmer Luftstrom.
Grafik: der Schwachpunkt
Das Grafische erledigt bei Samsung ein interner Chip von Intel namens GMA900 - und da dürfte, neben der Akkulaufzeit, die große Schwäche der ersten UMPCs liegen. Für 3-D-Spiele, gibt man bei Microsoft freimütig zu, sind die Kleinen nicht geeignet, man denkt mehr an Arbeitsvermeidungshelfer wie Solitaire oder ein eigens Touchscreen-tauglich gemachtes Sudoku. PSP-Killer sind die UMPCs also nicht - noch nicht. Denn sowohl Intel wie Microsoft kündigten an, man werde kontinuierlich weiterarbeiten um hier die Prozessoren effizienter zu machen, und dort beim Betriebssystem von Windows XP auf Vista umzusteigen. Zumindest dem Vernehmen nach hat man sich also auf ein längerfristiges Engagement in diesem Bereich festgelegt.
Ander haben übrigens bei der CeBit ähnliches im Angebot - die Firma Heisei aus Taiwan etwa präsentiert das etwas unglücklich benannte "Come Book", das den UMPC verteufelt ähnlich sieht, sagenhafte sieben Stunden mit einer Akkuladung durchhalten soll und mit Windows CE betrieben wird. Gegen die geballte Marktmacht von Intel, Microsoft und Samsung aber dürften die Altenativanbieter höchstens als Nischenanbieter Chancen haben.
Bleibt das möglicherweise entscheidende Kriterium für Erfolg oder Misserfolg der neuen Kleinen: Der Preis.
Man habe im Zuge der Marktforschung von den potentiellen Kunden "ein starkes Feedback" hinsichtlich dieser Frage bekommen, bekennt Mitchell, will sagen: Wenn die Geräte zu teuer sind, will sie keiner haben. Bei Microsoft ist man überzeugt, dass die Geräte mit der aktuellen Hardware und bei den "in der Branche üblichen Gewinnmargen" für 500 Dollar auf den Markt zu bringen sein müssten. Was die drei bisherigen Hardwarepartner im Endeffekt für ihre UMPCs haben wollen, ist noch nicht klar - aber bei Microsoft scheint es in dieser Hinsicht eine gewisse Nervosität zu geben. "Unter 1000 Dollar" sollen sie aber in jedem Fall kosten. Damit wird stehen und fallen, ob sich die ganze Aufregung für Bill Mitchell gelohnt hat.
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