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15.03.2006
 

Interview mit CNN-Manager

"Fernsehen wird nicht verschwinden"

Der Nachrichtenkanal CNN sendet sein Programm seit kurzem auch übers Internet. Das kostenpflichtige Web-TV soll schon bald Gewinne abwerfen, sagt CNN-Manager David Payne im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Eine Konkurrenz zwischen Fernsehen und Web-TV sieht er nicht.

SPIEGEL ONLINE:

Wird das Web-TV-Angebot von CNN eines Tages mehr Zuschauer haben als CNN via Kabel und Satellit?

David Payne: Bis dahin haben wir noch eine Menge zu tun. Das CNN-Netzwerk ist weltweit sehr dicht. Es gibt kaum einen Ort auf der Welt, wo man es nicht empfangen kann. Online holt auf, keine Frage. Das ganze ist aber auch eine Frage des Alters der Zuschauer. Meine Kinder haben mit Zeitungen und Magazinen nicht viel am Hut. Sie benutzen sie keinesfalls so wie das Internet. Wenn man 10 oder 20 Jahre in die Zukunft blickt, dann müssen wir damit rechnen, dass es alles online gibt. Dann werden wir eine solche Reichweite haben wie heute nur mit dem TV-Netzwerk.

SPIEGEL ONLINE: Werden Fernseher gar ganz verschwinden?

Payne: Nein, das glaube ich nicht. TV und Internet ergänzen sich gegenseitig. Fernsehen ist eine tolle Sache für den Zuschauer. Es ist keinesfalls ein schlechtes Produkt, das durch etwas anderes ersetzt wird. Das Internet ermöglicht jedoch, Dinge mehr zu personalisieren. Man kann damit Leute an Orten erreichen, wo es keinen Fernseher gibt, etwa auf der Arbeit. Fernsehen wird nicht verschwinden; es wird eine Zusammenführung von Inhalten geben. IPTV wird etwas anders aussehen als heutiges Fernsehen, aber die TV-Geräte, die wird es weiter geben.

SPIEGEL ONLINE: Heute dominieren Texte und Fotos auf Webseiten. Werden sich unsere Surfgewohnheiten durch Web-TV ändern?

Payne: Videos werden ganz sicher eine wachsende Bedeutung haben. Die Technik, die Netzwerke werden da sein und auch die nötigen Bandbreiten. Bisher fehlten diese technischen Voraussetzungen. Unsere Prognose ist: Nachrichten werden in dem Medium präsentiert werden, mit dem man sie am besten erzählen kann. Es gibt Geschichten, bei denen man das Video sehen muss. Und es gibt andere, bei denen es am besten ist, sie zu lesen. Mitunter ist auch eine Grafik oder eine interaktive Wetterkarte der optimale Weg. Nachrichtenwebsites sind inzwischen in der glücklichen Lage, wählen zu können.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass cnn.com mit dem Web-TV-Angebot Pipeline schwarze Zahlen schreiben wird?

Payne: Gewiss, das will ich hoffen. Wir haben ein gutes Geschäftsmodell. Wir nutzen die umfassenden Ressourcen von CNN und bringen das Nachrichtenmaterial lediglich in eine digitale Nachrichtenform. Das hält die Ausgaben in einem vernünftigen Rahmen. Es entstehen im Grunde nur die Zusatzkosten für den Pipelinedienst.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Abonnenten haben Sie bislang überhaupt für Pipeline gewonnen?

Payne: Wir publizieren noch keine Abonnentenzahlen. Dafür ist es noch zu früh; wir sind erst vor neun Wochen gestartet.

SPIEGEL ONLINE: Der Erfolg eines Webangebots hängt auch davon ab, ob man dafür bezahlen muss. Ist ihr Abomodell überhaupt der richtige Weg?

Web-TV von CNN: Streaming in HD geplant
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Web-TV von CNN: Streaming in HD geplant

Payne: Die Leute mögen Dinge, die nichts kosten. Deshalb haben wir ja auch eine Vielzahl von Gratisvideos auf unserer Website - bis zu sechzig Stück pro Tag. Diese enthalten Werbung. Mit Pipeline wenden wir uns an User, die das Programm live verfolgen wollen, auf das Archiv zugreifen - und das Ganze ohne Werbung. Unser Programm kostet 2,95 US-Dollar pro Monat, also circa neun Cent am Tag. Es gibt Zuschauer, die sich sagen, meine Zeit ist mir zu wertvoll, um mir Werbespots anzuschauen.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange wird es dauern, bis ihr Web-TV Gewinne abwirft? Es gibt doch sicher einen Businessplan...

Payne: Wir haben einen guten Businessplan. Und ich hoffe, dass wir schon in diesem Jahr gut Geld verdienen werden.

SPIEGEL ONLINE: Pipeline nutzt ja schon eine akzeptable Auflösung und hat eine gute Bildqualität. Mit richtigem Fernsehen ist es jedoch noch nicht zu vergleichen, geschweige denn mit HDTV. Wird sich das ändern?

Payne: Wir werden in HD streamen. Es gibt jedoch keinen konkreten Zeitplan dafür. Es wird wohl noch einige Jahre bis dahin dauern, sicher weniger als zehn. Dass wir in HD senden, ist geradezu zwangsläufig, weil immer mehr Inhalte in HD produziert werden. Pipeline produziert bereits heute ein HD-Signal. Wir haben ein Bildformat von 16:9, das Studioequipment ist HD-kompatibel. Sobald wir auch immer mehr Aufnahmen in HD-Auflösung von draußen bekommen, werden wir auch echte HD-Bilder ausliefern. Das bedeutet aber noch nicht, dass die User hochauflösende Videos sehen. Das hängt natürlich auch von der verfügbaren Bandbreite ab. Außerdem muss die Hardware die HD-Videos auch verarbeiten und darstellen können.

Das Gespräch führte Holger Dambeck

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