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08.09.1999
 

Sun

Zweiter Anlauf zum Netzcomputer

Sun Microsystems startet einen neuen Angriff gegen das "Imperium des Bösen": Die zweite Version des Netzcomputers soll den PC ablösen und Microsoft vom Thron stoßen.

Schon lange träumen Internet-Visionäre davon, den PC abzuschaffen. Der behäbige, mit Software vollgestopfte Schreibtisch-Rechner soll von einem schlanken Terminal ersetzt werden, dem Netzwerk-Computer (NC). Dieser braucht keine eigenen Programme mehr, er nutzt sie über das Netz.

Hauptverfechter dieser Idee waren bislang die Firmen Sun und Oracle, die mit dem Netzwerk-Computer Microsoft von seinem Software-Thron stoßen wollen. Vor allem für Unternehmen soll der NC erhebliche Vorteile bieten: Durch die schmale Hardwareausstattung können Netzwerk-Computer billiger sein als PCs, ein großer Teil der laufenden Kosten für Wartung und Software-Updates entfallen.

Netzwerk-Computer "Sun Ray": "Komplexität vom Netzwerk aufgenommen"
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Netzwerk-Computer "Sun Ray": "Komplexität vom Netzwerk aufgenommen"

Allerdings konnte sich Suns Version des NC, die JavaStation, bislang nie richtig durchsetzen. Lieferschwierigkeiten, sinkende PC-Preise und der Streit um Java-Standards führten schließlich dazu, dass selbst hartnäckige Verfechter den Netzwerk-Computer für tot erklärten. Nun unternimmt Sun einen zweiten Anlauf, um den NC zu popularisieren. Am Mittwoch stellte das Unternehmen "Sun Ray 1" vor, einen neuen Netzwerk-Computer, der im Gegensatz zur JavaStation sogar ganz ohne Betriebssystem auskommt.

"Die Komplexität soll vom Netzwerk aufgenommen werden, statt sich dem Nutzer aufzudrängen", glaubt Suns Mitbegründer Bill Joy. Deshalb soll der "Sun Ray" so einfach sein wie ein Telefon und handlich wie ein Buch. Im Grunde ist der "Sun Ray" nicht mehr als ein simples Ein- und Ausgabegerät, das nur aus einer Tastatur, einem Monitor und einer Netzanbindung besteht - alle übrigen Funktionen werden von einem leistungsstarken Zentralrechner übernommen, auf dem eine spezielle Serversoftware läuft.

Gedacht ist der "Sun Ray" vor allem für große Firmen und Institutionen, an die Sun eine Komplettlösung aus Server, Client-Geräten und Software verkaufen möchte. Der Angestellte soll in Zukunft die Möglichkeit haben, an jedem Ort zu arbeiten, egal von welchem Client-Rechner aus. Mittels einer sogenannten SmartCard kann er sich auf jedem "Sun Ray" anmelden und genau den Arbeitszustand abrufen, den er zuletzt am vorigen Rechner hatte. Auch die Wartung soll wesentlich erleichtert werden: Ein Software-Update, das bisher auf jedem Computer einzeln ausgeführt werden musste, braucht nur noch einmal gemacht werden.

Ein einzelner "Sun Ray" soll 499 Dollar kosten, lässt sich aber auch bei einer fünfjährigen Laufzeit für 9,99 Dollar monatlich mieten. Für Netzwerke von 50 bis 200 Nutzern bietet Sun ein Gesamtpaket aus Server und Software an, das 30 Dollar pro Endgerät und Monat kosten soll. In der Software-Lieferung ist auch das StarOffice-Paket der Firma Star Division enthalten, die Sun Anfang August übernommen hatte.

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