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22.03.2006
 

Digitales Chaos

Afrikas Silicon Valley

Afrika ist ein technologisch unterversorgter Kontinent - aber man holt auf. In Nigerias "Computerdorf" gibt es Software und Hardware für fast jeden Wunsch - wenn auch meist nicht den Wünschen der Software-Hersteller folgend. Ein Office-Paket kostet 80 Cent.

Schwarzmarkthändler mit Raubkopien von Software beherrschen nun die Straßen, auf denen noch vor wenigen Jahren Drogendealer und Prostituierte ihre Dienste anboten. Praktisch jedes Gebäude im Stadtteil Ikeja ist inzwischen vollgestopft mit Computern und Mobiltelefonen. Das "Computerdorf" von Lagos, der größten Stadt Nigerias, ist die afrikanische Antwort auf Silicon Valley.

"Das ist der größte Computermarkt in Westafrika", sagt Kazeem Adenuga, ein Computertechniker, der Laptops und Zubehör verkauft. "Die Leute kommen sogar aus Ghana, dem Senegal und selbst dem Kongo. Und sie sagen, dass es hier am billigsten ist", fügt er stolz hinzu.

Bei rund 80 Prozent der Software, die in Afrika im Einsatz ist, handelt es sich nach Angaben der Business Software Alliance (BSA), einer Vereinigung der Software-Industrie und ihrer Hardware-Partner, um Raubkopien. Nur im wohlhabenderen Südafrika liegt die Rate bei 37 Prozent und damit nur leicht über dem weltweiten Durchschnitt von 35 Prozent. Gerald Ilukwe, Manager von Microsoft für Nigeria und Ghana, erklärt, dass eigentlich nur wenige Ministerien und multinationale Firmen in Nigeria legale Software benutzen.

Raubkopien sind Afrikas Antwort auf Open Source

Die meisten Menschen benutzen Raubkopien, weil sie sich schlicht nichts anderes leisten können. Programme wie Microsoft Office oder Adobe Photoshop gibt es auf den Straßen schon für 150 Naira (rund 80 Cent). Nach Angaben der Händler im "Computerdorf" stammt die Ware meist aus Asien und dort vorwiegend aus China, Malaysia und Taiwan. Die gefragtesten Produkte sind Computer und billige Mobiltelefone. Letztere sind angesichts des schnell wachsenden Mobilfunknetzes des Landes besonders beliebt, ob als Nachbauten oder Original. Gebrauchte Nokia-Handys gibt es schon für 3.000 Naira (17 Euro).

Computer werden vor allem in Unternehmen zunehmend eingesetzt. Ein Teil der Nachfrage kommt dabei allerdings vom organisierten Verbrechen - die Internet-Betrügereien der "Nigeria-Connection" sind inzwischen auf der ganzen Welt bekannt.

Auch in Nigeria wächst die Popularität des Internets, wenn auch ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau. Das Wachstum beschränkt sich wie im übrigen Afrika auf die großen Städte, der ländliche Raum ist weitgehend ausgeschlossen. Die Online-Nutzung ist zwar in Afrika in den vergangenen drei Jahren um 100 Prozent gestiegen, Schätzungen zufolge haben aber derzeit immer noch weniger als fünf Prozent der Bevölkerung Zugang zum Internet.

Eine Modemverbindung kostet knapp drei Monatslöne

Hauptgrund ist der Preis. Eine Modemverbindung kostet in Nigeria umgerechnet 80 Dollar im Monat und das bei einer Bevölkerung, die zu 70 Prozent von weniger als einem Dollar am Tag leben muss.

Nigeria ist dabei stellvertretend für den ganzen Kontinent zu sehen. Immer beliebter werden aber Internet-Cafés, die über Breitbandverbindungen verfügen. "Nigeria ist heute der am stärksten wachsende Telekommunikationsmarkt auf der Welt", sagt Ernest Ndukwe, Leiter der zuständigen Regierungskommission. Gefördert wird dies dadurch, dass Unternehmen Telefon- und Internet-Dienste anbieten dürfen und durch eine Sondersteuer auf die Gewinne der Telekom-Firmen, mit der die Entwicklung der ländlichen Gebiete vorangetrieben werden soll.

Der "digitale Graben", der Afrika von den Industrienationen trennt, besteht zwar fort, aber er wird kleiner - wenn auch nur langsam.

Von Dulue Mbachu, AP

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