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03.04.2006
 

Was die Suchmaschine plant

"In der Zukunft wird Google noch mehr über Sie wissen"

2. Teil: Weiter in Teil 2: Googles Satelliten und der Kulturkrieg mit den Europäern 

Frage: Lassen Sie uns abschließend noch über ein paar Ihrer Satelliten, wie Sie sie vorhin nannten, sprechen. Erinnern Sie sich daran, wie die Idee zu "Google Earth" entstand?

Mayer: Das war weniger unser eigenes Baby, wenn man ehrlich ist. Wir bekamen diese unglaubliche Applikation von Keyhole in die Hände und wussten, dass wir das machen mussten - einfach weil es uns selbst so eine Menge Spaß bereitete.

Frage: Stimmt es, dass sich diverse Regierungen um ihre nationale Sicherheit gesorgt haben, als "Google Earth" an den Start ging?

Mayer: Davon habe ich nichts gehört. Es wäre auch absolut unverständlich, da die verwendeten Satellitenaufnahmen frei verfügbar sind. Der Widerhall war immens, aber eher im positiven Sinne.

Frage: Ein weiteres gigantisches Projekt ist "Google Books": die Digitalisierung von in Buchform vorliegendem Wissen. Mit diesem Vorhaben steht Google zwar nicht alleine da, doch Ihr Versuch ist der ambitionierteste: Sie planen, bis 2015 15 Millionen Werke im Volltext einzuscannen.

Mayer: Die Idee lag einfach nahe. Denken Sie daran, wie Webpages in aller Regel erstellt werden; das ist ein eher oberflächliches, auf Aktualität bedachtes Prozedere. Ein Buch dagegen wuchert mit dem Pfund der gedanklichen Tiefe. Wenn Google sich auf die Fahne geschrieben hat, Wissen auffindbar und für Jedermann nutzbar zu machen, dann gehört die Welt der Bücher zwingend dazu. Denn: Je besser der Inhalt, desto besser die Resultate - und an denen werden wir am Ende des Tages gemessen. Alles fing damit an, dass Larry Page und ich uns hinsetzten und die Zeit stoppten, die man zum Einlesen einer Seite benötigt. Ich blätterte zum Takt eines Metronoms um, er bediente den Scanner. (lacht)

Frage: Und?

Mayer: Wir schafften das 300-Seiten-Buch in etwas über 35 Minuten. Das größte Problem ist die Wölbung. Man will und darf die Originale nicht beschädigen. Es geht ja gerade um Respekt diesem Wissen gegenüber.

Frage: Ein gutes Stichwort: Sie hatten zuletzt mit Copyright-Querelen zu kämpfen. Sind die mittlerweile behoben?

Mayer: Es gab da gewisse Probleme, stimmt. Aber auch hier plädiere ich dafür, den langfristigen Nutzen nicht kurzfristig aufkeimendem Dünkel zu opfern. Google hatte nie im Sinn, Inhalte zu erwerben oder zu besitzen, und das liegt uns auch weiterhin fern. Es wird eine Lösung geben, die auch die Rechteeigner zufrieden stellt, mehr kann ich Ihnen nicht sagen.

Frage: Können Sie verstehen, dass sich speziell die Europäer übervorteilt wähnen? In Frankreich sprechen einige gar von einem Kulturkrieg.

Mayer: Um ehrlich zu sein: Ich halte diese Ängste für unangemessen und völlig übertrieben. Anscheinend haben wir es versäumt, den Menschen den enormen kulturellen Nutzen verständlich zu machen. Zuallererst ist 'Google Books' ein Akt der Konservierung. (überlegt) Als Kind stolperte ich im Keller meiner Großeltern über ein Bücherregal. Ich fand das Grammatik-Buch meines Ur-Großvaters aus dem fünften Schuljahr, verlegt im Jahre 1896. Und plötzlich fragte ich mich: Was ist wohl mit dem aus dem vierten Schuljahr geschehen? Oder jenem aus dem sechsten? Wo sind die Mathematik-Lehrbücher? Wie viele dieser Bücher existieren heute noch - und wie viele wurden weggeworfen oder zerstört? Wir arbeiten daran, diese Universen des Wissens zu retten.

Frage: Was ich spannend finde, ist, dass ein solches Projekt die Grenze zwischen dem Medium Buch und dem Internet quasi auflöst, statt beide als Kontrahenten gegeneinander auszuspielen.

Mayer: Ja, Sie haben Recht. Das Druckwesen wird nicht verschwinden - doch alleine bringt es die Menschheit eben auch nicht mehr weiter. Was Bücher ohne Frage eingebüßt haben, ist ihr unangefochtener Status als Informationsquelle. Wer ein bestimmtes Zitat für seine Hausarbeit sucht, nutzt heute nicht ohne Grund das Internet. Gleichwohl bezweifle ich, dass auch nur einer von uns in 20 Jahren mit einem PDA in der Hand am Strand sitzen und einen Roman lesen wird. Machen wir uns nichts vor: Ein Buch ist einfach sinnlicher.

Frage: Was werden Ihre nächsten Schritte sein?

Mayer: Zum einen werden wir unser Engagement in Europa ausbauen, da es mittlerweile unser am schnellsten wachsender Markt ist. Wir werden uns noch stärker lokalen Bedürfnissen öffnen und anpassen. Besondere Interfaces online stellen, die auch Minderheiten wie Bosnier, Friesen, Laoten oder Uighuren bedienen. Hier in der Schweiz gibt es Google inzwischen sogar auf rätoromanisch, und selbst Esperanto haben wir im Programm. Momentan sind wir bei 120 Sprachen. Mehr Vielfalt bietet bloß noch die Bibel. (lacht) Auf der anderen Seite wird Google in der Zukunft noch mehr über Sie wissen: wo Sie sich gerade befinden, was Sie mögen.

Frage: Womit wir am Ende wieder bei der Frage wären, ob ich das als Nutzer überhaupt will.

Mayer: Vielleicht, aber das ist ein Grundkonflikt. Eine Suchmaschine kann immer nur so gut sein, wie sie den Nutzer versteht, mit dem sie es zu tun hat. Daran führt kein Weg vorbei.

Das Interview führte Patrick Großmann.

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02.09.2008 von SunSailor:

Wir speichern sogar unternehmenskritische Dokumente, wie Konzepte, Kalkulationen etc., bei Google, da verteiltes Arbeiten mit deren Tools so locker von der Hand geht, wie nirgends sonst. Und ganz ehrlich, bisher hat Google [...] mehr...

02.09.2008 von elke10: Google ist top

Für viele Politiker ist das Internet und damit Google immens gefährlich! Kann man doch dort den Wahrheitsgehalt vieler ihrer Aussagen überprüfen und auch entgegengesetzte Meinungen kennen lernen. Seit es Google gibt, habe ich [...] mehr...

02.09.2008 von Lichtspiel: ..zum totlachen

... die bei google lachen sich tot über eine solche klage und verkaufen munter die gesammelten daten weiter. ... also wer persönliche daten, wie emails und auch noch dokumente online bei google speichert, dem ist wirklich [...] mehr...

02.09.2008 von MarkH: Google ist sehr gefährlich

und natürlich werden das die Datemlemminge bald erkennen.. und dann geht es einfach dahin Global Wealthnivilation.. das ist der Plan ..und Microcreditsysteme (P2P) Ein Jahrzehnt der Kriege mehr...

02.09.2008 von qvoice: Alternativen

Mag ja sein, dass meine Daten (Emails, Dokumente) nicht sicher sind, wenn ich sie bei Google lagere. Aber wo sind sie denn sicherer? Auf meiner Festplatte und dann immer mit USB-Stift rumtragen? Oder auf DVD? Oder vielleicht [...] mehr...

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