Es ist ein Geschäft im Untergrund. Ahnungslose Netznutzer laden sich Screensaver, Mini-Spiele oder andere Software herunter, installieren die Software - und holen sich gleichzeitig Spione auf die Festplatte, die fürderhin das Surfverhalten mitprotokollieren. Zusätzlich sorgen sie dafür, dass auf den Nutzer zugeschnittene Pop-up-Werbung beim Surfen auftaucht. Das ist nicht nur lästig, es ist, wenn es tatsächlich ohne explizite Zustimmung geschieht, auch illegal.
Internet-Schnüffler: Spione im Untergrund
Nicht nur Nutzer werden durch Spyware ausgespäht und belästigt - auch die Werbetreibenden würden unter Umständen ausgetrickst, sagt ein Forscher von der Harvard University. Ben Edelman hat sich absichtlich Spyware eingefangen, die den Nutzer mit Werbeanzeigen aus Overture, dem Reklame-Arm von Yahoo, versorgt. Er habe eine Sammlung von mehreren Dutzend "pay-per-click"-Werbebannern, die von Yahoos Werbedienst stammten, berichtet Edelman.
"Ich kann sehen, dass der Traffic Klickbetrug war"
Dabei habe er festgestellt, so der Forscher in einem Bericht, dass die Yahoo-Anzeigen gar nicht geklickt werden müssen, um dem Internetportal Geld einzubringen: Bei einigen werde, was er mit Videos und Aufzeichnungen des Datenverkehrs nachweisen könne, sofort nach dem Auftauchen ein Klick an Overture weitergemeldet - obwohl der Mauszeiger nicht einmal in die Nähe des Pop-ups gekommen sei.
"Ich kann sehen, was passiert ist. Ich kann sehen, dass der Traffic ein Klickbetrug war", so Edelman laut TechWeb. Yahoo reagierte bislang nur mit einer allgemeinen Mitteilung, derzufolge man allen Vorwürfen nachgehen und bei Bedarf rechtliche oder andere Schritte gegen betrügerische Zwischenhändler einleiten werde. Das Unternehmen gehört auch zu einer Gruppe, die im sogenannten Truste Download Program sichere und saubere Downloads zertifiziert, um Spyware-Vertreibern das Wasser abzugraben.
Tatsächlich, so TechWeb, könne es gut sein, dass Yahoo von den illegalen Aktivitäten im Zusammenhang mit seinen eigenen Anzeigen gar nichts weiß - denn derartige Anzeigen werden inzwischen oft über Ketten von Zwischenhändlern vertrieben. Gerade Spy- und Adware-Unternehmen haben es leichter, Werbekunden Yahoo-Anzeigen als eigene Produkte zu verkaufen. Yahoo sei "für Spyware-Händler eine Art letzte Zuflucht", sagt Edelman.
Der Marktführer leidet am eigenen schlechten Ruf
Eines der Unternehmen, von denen Edelmans Testobjekte stammen, ist 180solutions, der im Web verhasste Marktführer für Adware. Erst kürzlich plauderte ein ehemaliger Mitarbeiter von 180solutions mit der E-Commerce-Seite revenews.com - und bot so Einblick in ein Unternehmen, das wegen seiner Praktiken von vielen verachtet wird. Wer sich mit der Außenansicht von 180solutions befasse, sei "nicht besonders stolz" auf den eigenen Arbeitsplatz, so der anonyme Ex-Angestellte. Der eigene miese Ruf habe das Unternehmen auch schon einige Großaufträge gekostet.
Die Verbraucherschutzorganisation Center for Democracy and Technology hatte 180solutions schon Anfang des Jahres aus der Masse der Internet-Werber herausgepickt und gegenüber der Kontrollbehörde Federal Trade Commission über "illegale und betrügerische" Geschäftspraktiken des Unternehmens geklagt. 180solutions dagegen beteuert immer wieder, die Zusammenarbeit mit unehrenhaften Geschäftspartnern, die ihre Software ohne Benachrichtigung Usern unterjubelten, würde sofort beendet. Eine vor wenigen Tagen veröffentlichte Meldung, 180solutions sei dabei "sein Hauptquartier auszuräumen" erwies sich als Aprilscherz - reflektiert aber das Bösewicht-Image des Unternehmens.
Dass die Beteiligten sich heftig um den Anschein von Ehrlichkeit und Seriosität bemühen, ist kein Wunder. Nicht nur Verbraucherschützer reagieren zunehmend aggressiv auf Adware, nun schaltet sich auch die Staatsgewalt ein. Der Generalstaatsanwalt von New York, Eliot Spitzer, hat soeben eine Klage gegen das Unternehmen Direct Revenue angestrengt. Er wirft dem Adware-Vertreiber vor, auf 150 Millionen Rechnern ohne Wissen der Besitzer Spyware-Programme installiert zu haben, die dann für kontextbezogene Werbung sorgten.
"Diese Anwendungen täuschen Konsumenten", ließ Spitzer verlauten, sie seien "schlecht für Unternehmen, die sich auf effiziente Netzwerke verlassen können müssen und schlecht für Online-Händler, für die es wichtig ist, dass die Konsumenten ihnen vertrauen". Bloomberg News zitiert aus einer Reaktion von Direct Revenue, die Klage beziehe sich nur auf "Praktiken aus der Vergangenheit" und enthielte "kein Wort über das, was wir heute machen".
Christian Stöcker
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