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26.04.2006
 

Internet Explorer 7

Neue Runde im Browserkrieg

Während Microsoft sich über die neue Beta-Version des Internet Explorers 7 freut, fordert der Kolumnist eines großen PC-Magazins, den Browser ein für allemal zu begraben. Microsoft solle stattdessen Geld in die Entwicklung von Firefox und Opera investieren.

John Dvoraks Kommentar hat es in sich. Der Kolumnist des "PC Magazine" erklärt den Internet Explorer 7 (IE7), dessen neueste Beta-Ausgabe nun erhältlich ist, zu einem "toten Albatros". Der Browser sei "der große Fehltritt" des Konzerns, schrieb Dvorak, noch dazu der "teuerste". Alle Probleme, die Microsoft in Sachen Internet habe, hätten ihre Wurzel im Explorer.

Das Unternehmen müsse endlich anerkennen, dass die Beschäftigung mit dem Browser Microsoft und seinen Kunden schade. Als Konsequenz empfiehlt Dvorak, den Explorer ganz aus Windows zu verbannen und die Entwicklung von IE7 einzustellen. Stattdessen sollte Microsoft Geld in Firefox stecken und Anteile der Firma Opera erwerben, um die künftige Richtung der Browserentwicklung mit beeinflussen zu können. Microsoft könne sich so voll und ganz auf sein Betriebssystem konzentrieren - und wäre seinen löchrigen Browser endlich los.

Dvoraks Rat dürfte in Redmond nicht gut ankommen, schließlich hofft man bei Microsoft, mit IE7 die bisherigen Sicherheitsprobleme des Explorers endlich in den Griff zu bekommen. Beispielsweise mit einem neuen Phishing-Filter, der prinzipiell auch in die neue Beta-Version integriert ist.

Hinter dem Filter steht eine von Microsoft betriebene Datenbank von vertrauenswürdigen und dubiosen Webadressen - eine Art Positivliste des Internets und eine schwarze Liste noch dazu. Wer eine nicht vertrauenswürdige Seite ansteuern will, wird vom Browser gewarnt.

Endlich den Stand eines modernen Browsers erreicht

Die IE7-Entwickler haben sich, was die Funktionen des Browsers betrifft, viele Anregungen bei Firefox, Opera und Firefox-Add-ons geholt. Ob Tabbed Browsing, eine Gesamtübersicht über alle geöffneten Tabs, die Integration mehrerer Suchmaschinen in ein Suchfenster oder ein Add-On-Manager - all das kennen Firefox- und Opera-Nutzer schon länger. Der Explorer 7, so könnte man es auch sagen, hat endlich den Stand eines modernen Browsers erreicht.

Selbst eine extra Add-on-Seite für Erweiterungen des IE7 hat Microsoft jetzt aus der Taufe gehoben. Sie ist freilich noch nicht so gut gefüllt wie jene der Mozilla Foundation. Dort stehen Hunderte Erweiterungen zum Download bereit. Vom handlichen Vokabelübersetzer über Mausgesten bis hin zur Weltzeituhr für die Statusleiste - es gibt für beinahe jeden Zweck ein Add-on. Die starke Community macht's möglich. Bei Microsoft setzt man nun ebenso auf die Kreativität des Netzes - mal schauen, ob's funktioniert.

Ein Unterschied ist bereits zu Beginn erkennbar: Während die Firefox-Add-ons in der Regel nichts kosten, verkauft mancher Programmierer seine Explorer-Erweiterungen nur gegen harte Dollars.

Kopfgeld für Explorer-Benutzer

Microsoft hofft, dass die neue Beta-Version, an der sich äußerlich im Vergleich zur Vorgängervariante nur wenig geändert hat, ausgiebig von Freiwilligen getestet wird. Für Nutzer in den USA hat der Konzern sogar einen Telefonsupport eingerichtet, um schnell über eventuelle Bugs und Probleme informiert zu werden. In etwa drei Wochen soll der Browser auch in einer deutschen Ausgabe erscheinen.

Derweil läuft die im Herbst von vier Männern aus Massachusetts gestartete Anti-Explorer-Kampagne weiter. Auf der Webseite "Explorer Destroyer" locken sie sie mit einer Kopfprämie für jeden neuen Firefox-Anwender.

Seit November bezahlt Google Werbepartnern bis zu einen US-Dollar, wenn sie Surfer zum Wechsel vom Explorer zu Firefox (mit eingebauter Google-Toolbar) bewegen. An dem AdSense-Programm können im Prinzip alle Website-Betreiber teilnehmen - sie müssen sich zuvor nur bei Google anmelden.

"Wir denken, das ist eine große Chance für alle Kreativen, für den Wechsel zu Firefox zu trommeln und gleichzeitig Geld zu verdienen", sagte Holmes der News-Site TechWeb. "Das ist verrückt, ein Kopfgeld von einem Dollar für jeden Internet-Explorer-User."

Die vier Firefox-Aktivisten werben daneben auch noch mit einer Parodie auf Quentin Tarantinos Film "Kill Bill"  für den Open-Source-Browser. "Kill Bill's Browser" heißt die Webseite, auf der "13 gute Gründe" genannt werden, warum man dem Explorer den Rücken kehren sollte.

hda

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