Von Volker Straßburg
EPG in TV und Recorder
Die meisten Fernseher und DVD-Recorder haben nur einen analogen Kabeltuner an Bord, digital übertragene SI-Daten können sie daher nicht empfangen. Dafür gibt es für analogen Empfang Datendienste, die parallel zum Bild in der so genannten vertikalen Austastlücke – also unsichtbar zwischen zwei TV-Bildern – übertragen werden. Der bekannteste Programmguide ist NexTView, seine Daten überträgt mittlerweile nur noch der Sender Kabel 1 aus dem Datenpool der tvtv-Macher. Der Heinrich Bauer Verlag – bis vor kurzem der zweite NexTView-Anbieter – hat seinen Datendienst via RTL 2 eingestellt.
Die tvtv-Daten zeigen das Angebot von 32 Sendern im Überblick. Über die zehn populärsten Programme wie ARD, ZDF oder RTL informiert eine Acht-Tage-Vorschau, Infos zu den übrigen Sendern kommen für drei oder fünf Tage im Voraus. Inhaltsangaben gibt’s nur für die jeweils nächsten vier Filme der Hauptsender.
Auch NexTView-EPGs machen die Aufnahmeprogrammierung zum Kinderspiel. Loewe etwa bietet seinen Guide in TV-Modellen mit integrierter Festplatte an. Da klappt das Programmieren so bequem wie mit digitalen Festplatten-Receivern.
Sogar der Paarlauf mit einem externen Recorder funktioniert ohne Stress: Fernseher mit NexTView-EPG bieten in der Regel eine Link-Funktion, die den Datentransfer vom TV zum externen Recorder per Scartleitung ermöglicht. Hat der Recorder ebenfalls eine Link-Funktion, erhält er vom TV alle Aufnahmedaten.
Für DVD-Recorder mit Festplatte hat ShowView-Erfinder Gemstar den EPG-Dienst Guide Plus+ entwickelt, den zahlreiche hochwertige Modelle nutzen. Wie bei NexTView werden die Programmdaten über einen TV-Sender verschickt, Gemstar kooperiert dabei mit Eurosport.
Die Funktionen sind ebenfalls mit denen von NexTView vergleichbar. Einziger gravierender Unterschied: Während die TV-Hersteller bei NexTView das EPG-Menü selbst gestalten, erhalten die Recorder-Produzenten ihre Seiten von Gemstar. Daher zeigt Guide Plus+ unabhängig vom Recorder-Hersteller meist die gleiche Optik, die sich von der des Gerätemenüs mal mehr, mal weniger stark unterscheidet.
Wenig ausgefeilt ist das dritte EPG-System für analoge TVs und Recorder: Naviclick von Thomson bezieht seine Daten aus dem Videotext. Programmierhilfe wie NexTView und Guide Plus+ bietet auch dieser Variante, genre- oder senderübergreifende Suchfunktionen fehlen aber.
Videotext
Am wenigsten Komfort und Ausstattung bietet der Videotext. Wer die Seitennummer 333 eintippt, erhält immerhin Now & Next-Infos des jeweils eingeschalteten Senders und meist auch Links zu Inhaltsangaben. Damit endet der Service aber auch schon.
Senderübergreifende Infos fehlen im Videotext, und eine Vorschau von maximal einer Woche offerieren derzeit nur die ARD-Programme. Aufnahmen lassen sich mithilfe des Videotexts in keinem Fall programmieren.
Fazit
Die bewährte Fernsehzeitschrift hat noch lange nicht ausgedient – will man in ein, zwei Minuten erfahren, was am Abend läuft und wie Experten das Angebot beurteilen, sind die besten Zeitschriften mit ihrer gekonnten Sparten-, Zeit- und Sender-Aufteilung unschlagbar. Wer dagegen sein Programm aktiv gestalten möchte, dem helfen Stichwortsuche sowie Sparten- und Tages-Tipps eines guten EPG weitaus besser.
Es lohnt sich also, beim Kauf einer Set-Top-Box oder eines DVD-Recorders die Leistung des elektronischen Programmführers genau zu prüfen und eventuell ein anderes Modell zu wählen. Denn im Alltag ist ein funktioneller EPG viel wichtiger als etwa eine um 40 Gigabyte größere Festplatte.
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