Samstag, 21. November 2009

Netzwelt



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13.05.2006
 

Hochauflösende DVDs

Sony und Microsoft unterlaufen Kopierschutz

Aus Los Angeles berichtet Christian Stöcker

Laufwerke für hochauflösende DVD-Wiedergabe sollen die neuen Spielkonsolen attraktiv machen - Hollywood allerdings dürfte das nicht freuen. Denn die mit viel Aufwand aus dem Boden gestampften Kopierschutzmechanismen werden von den Herstellern zunächst auf Eis gelegt.

Eigentlich sollte alles absolut sicher sein. Ein Hardware-Kopierschutz namens HDCP (siehe Kasten) sollte verhindern, dass hochauflösende Bildsignale von den neuen Super-DVDs am Ausgang abgegriffen und so pirateriefähig gemacht werden - und ein zweiter Mechanismus (AACS) dafür sorgen, dass die Scheiben auch nicht direkt kopiert werden können.

DVD-Nachfolger: Blu-ray und HD DVD vorerst ohne Kopierschutz HDCP
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AFP

DVD-Nachfolger: Blu-ray und HD DVD vorerst ohne Kopierschutz HDCP

Hollywood hat viel Arbeit investiert, damit die hochqualitativen Inhalte nicht demnächst in Billigversion aus den Pressen von Filmpiraten strömen - womöglich vergeblich, wie sich jetzt auf der Spielemesse E3 herausgestellt hat. Zumindest der HDCP-Schutz wird vermutlich nicht greifen.

Für HDCP brauchen Abspielgeräte spezielle Ausgänge, die mit eigens eingebauten Verschlüsselungsmechanismen ausgerüstet sind. Zwischen Gerät und HDTV-Fernseher werden die Bilddaten dann geschützt übertragen - ein Abgreifen des digitalen Bilderstroms durch Raubkopierer soll so verhindert werden.

Das Problem für die Spiele-Industrie: Microsofts Xbox-360 bekommt bis Weihnachten zwar ein HD-DVD-Laufwerk als Peripherie-Erweiterung - aber die Konsole hat den sogenannten HDMI-Ausgang, der HDCP unterstützt, gar nicht. Das gleiche wird für die günstigere Version von Sonys Playstation 3 gelten - kein HDMI und damit, ginge es nach Hollywood, auch keine hochauflösende Wiedergabe.

Hinter den Kulissen jedoch hat man sich geeinigt: Bis mindestens 2010, wenn nicht gar 2012, sollen nun doch Signale - zwar analog - aber in voller Auflösung ausgegeben werden können - auch ohne HDMI und HDCP. Ursprünglich war vorgesehen, dass HD-Bilder Abspielgeräte nur digital und per HDCP verschlüsselt verlassen dürfen. Die ebenfalls vorhandenen Analogausgänge der Blu-ray-oder HD-DVD-Player sollten Videos höchstens in reduzierter Auflösung nach außen geben dürfen.

HDTV: HOCHAUFLÖSENDES ABKÜRZUNGS-WIRRWARR

HDTV steht für High Definition Television. Nach den Vorstellungen der Hersteller von Unterhaltungselektronik soll es die alten TV-Standards wie PAL (576 sichtbare Zeilen) und NTSC (USA, 480 Zeilen) ablösen und mit höherer Auflösung und stabilerem Bild das Heimkino schöner machen. HDTV-Inhalte können mit 720 Zeilen im Progressive-Scan-Verfahren dargestellt werden (720p), das heißt, jedes Bild wird bei jedem Durchgang komplett neu aufgebaut. Die Alternative heißt 1080i, hat zwar mehr Bildzeilen zu bieten (nämlich 1080), von denen aber pro Durchgang abwechselnd nur jede zweite neu gezeichnet wird (interlaced-Verfahren, daher das 'i').

Sowohl Sony als auch Microsoft bestätigten bei der E3 in Los Angeles gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass das Fehlen der entsprechenden Interfaces nicht verhindern wird, dass Blu-ray-DVDs und HD DVDs auch mit voller Auflösung dargestellt werden (sofern ein entsprechender Fernseher vorhanden ist).

Hollywood dürfte das nicht freuen. Besonders bei Sony ist die Situation pikant, ist das Unternehmen doch sowohl Filmstudio als auch Konsolenfabrikant. Sonys oberster Spiele-Entwickler verneinte auf Nachfrage jedoch, dass es im Hause Sony Geschrei gegeben hätte um den Schutz der teuren Filme: Die Datenmengen seien bei den neuen Scheiben ohnehin so groß, dass Piraterie sich nicht lohne. Das einzige Medium, das diese Mengen bewältigen könne, sei schließlich eine entsprechende Blu-ray-Scheibe.

Spätestens wenn die Filmindustrie aber beginnt, die teuer entwickelten Schutzmechanismen auf den DVDs doch einzuschalten, wird es für die Besitzer der Konsolen-Laufwerke ohne entsprechenden Ausgang möglicherweise unmöglich, Filme abzuspielen.

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