Neulich noch fand Bill Gates die Idee gar nicht so gut. Über das Projekt des Cyber-Pioniers Nicholas Negroponte, das jedem Kind in der Dritten Welt einen Laptop zur Verfügung stellen möchte, sagte Gates im März: "Wenn man die Leute sich einen Computer teilen lassen will, dann schafft man eine Breitband-Verbindung und sorgt dafür, dass jemand da ist, der dem Benutzer helfen kann." Überhaupt solle man den Menschen lieber Telefone geben, davon hätten sie mehr.
Nun scheint man bei Microsoft anders über das Thema zu denken - aber die PCs, die das Unternehmen jetzt in Entwicklungsländern absetzen will, laufen auch mit Windows und nicht mit Linux, wie Negropontes 100-Dollar-Laptops. FlexGo ist eine Art Rechnerleasing-Programm, das wohl vor allem Microsofts Vormachtstellung auch am unteren Ende des PC-Marktes sicherstellen soll. Menschen in Entwicklungsländern und solchen mit noch eher niedrigen Einkommensniveaus sollen PCs für etwa die Hälfte des Normalpreises bekommen und den Rest dann abstottern - stundenweise, je nach Nutzung.
Man habe entdeckt, teilte Microsoft mit, dass in vielen Entwicklungsländern die Einkommen nicht nur niedrig, sondern auch sehr unregelmäßig seien. Mit dem FlexGo-Programm könnten Familien ihre Computernutzung reduzieren, wenn mal nicht so viel Geld hereinkäme. In manchen Ländern, etwa Vietnam, Ungarn und Indien, soll es zusätzlich ein Abonnement-Modell geben, bei dem im Unterschied zu normaler Ratenzahlung ebenfalls der PC abgeschaltet wird, wenn die monatliche Zahlung nicht erfolgt.
Ab heute sollen in Brasilien FlexGo-Rechner von Lenovo nach dem Prepaid-Modell angeboten werden, Mexiko, China, Russland und Indien sollen in den nächsten 90 Tagen folgen. Die Computer müssen zumindest eine Modemverbindung zum Internet herstellen können und funktionieren jeweils nur so lang, wie die Prepaid-Karte des Nutzers reicht. Die Finanzierungsmodelle und Zinssätze sollen in Abhängigkeit vom jeweiligen Markt variieren, so Microsoft-Sprecher Will Poole, deshalb könne man über den tatsächlichen Preis keine genauen Angaben machen.
Zu Beginn sollen PCs der mittleren Kategorie mit einem Windows-Betriebssystem im Angebot sein, es könnten aber später auch andere Modelle hinzukommen, etwa Geräte mit der Media Center Edition oder der funktionsreduzierten "Starter Edition" von Windows XP. Dieses Softwarepaket war Microsofts erster Versuch, sich den Zugriff auf die niedrigpreisigen Märkte in Entwicklungsländern zu sichern, verkaufte sich bislang laut "Cnet" aber "mäßig".
Mike Wickstrand von Microsofts Market Expansion Group sagte "Cnet", Ziel des Programms sei es "den Traum zu verwirklichen, einen PC mit allen Möglichkeiten zu besitzen". Die Konsumenten könnten damit "für den PC bezahlen, den sie wollen und nicht für einen PC, mit dem sie sich begnügen müssen". Für die stolzen Besitzer könnte dieser Traum jedoch schnell zum Alptraum werden - wenn wegen eines finanziellen Engpasses plötzlich die Tabelle mit dem Haushaltsbudget, die Hausarbeit des studierenden Sohnes oder das digitale Adressbuch nicht mehr zugänglich sind.
cis
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