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26.05.2006
 

Netzwelt-Ticker

Gema will Podcast-Gebühr

Von Matthias Kremp

Symantecs Sicherheitssoftware hat ein Loch, durch das sich Würmer einschleichen könnten. Als Wurmloch entpuppt sich auch einmal mehr die Gema, die nun auch bei kostenlosen Podcasts kassieren will. Außerdem: Microsoft kündigt JPEG-Konkurrenz an, Nokia lässt Browser frei und mehr.

Gema will Podcast-Gebühr

Mit seinen Ausführungen zum geplanten Gebührenmodell für private Podcasts stieß Gema-Sprecher Urban Pappi beim Podcastday2006 auf wenig Gegenliebe. Logisch, denn wenn die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, kurz Gema, ihren Willen bekommt, wird bei Hobby-Podcastern künftig kräftig kassiert.

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So soll bereits die Nutzung kurzer Musikschnipsel als Intro und Outro mit einer Gebühr in Höhe von fünf Euro belegt werden. Wer einen ganzen Song wiedergibt, soll bei einer wöchentlichen Sendung zehn und bei täglichen Ausgaben sogar 30 Euro zahlen. Ab Sommer will die Gema damit loslegen.

Die anwesenden Podcaster reagierten mit harscher Kritik. So fragte eine Zuschauerin, ob die Einnahmen aus dieser Podcast-Gebühr den gespielten Künstler zugute kommen oder "in einen großen Topf und damit letztlich an Herrn Siegel" ausgezahlt werden. Thomas Stein, Vorstandsvorsitzender der Jack White Music Productions AG, zeigte dafür Verständnis, "dass ein 18-Jähriger keine Lust hat, Herrn Siegels Rente zu bezahlen". Herr Pappi hingegen musste einräumen, dass noch nicht sichergestellt werden könne, was mit den Einnahmen passiert. Man arbeite aber daran. Den privaten Podcastern aber kann das letztlich egal sein. Wer, wie Blogwinkel schreibt, "mit seinem Podcast keinen Pfifferling verdient", wird in Zukunft wohl entweder ohne Musik auskommen oder sich ein neues Hobby zulegen müssen.

Wurmloch in Symantec AntiVirus

Ausgerechnet in der Antiviren-Software von Symantec wollen Forscher der Netzwerk-Sicherheitsfirma eEye Digital Security eine Sicherheitslücke gefunden haben, die Wurm-Programmen Tür und Tor öffnet. Wie das Unternehmen meldet, kann ein bösartiger Code vollkommen unbemerkt durch dieses "Wurmloch" in das System eingeschleust werden. Eine Interaktion des Anwenders, wie etwa ein Mausklick, ist nicht nötig. Genaue Details über die Schwachstelle gab eEye Digital Security jedoch nicht bekannt.

Ebenso wenig gibt es bisher Anzeichen dafür, dass dieses Exploit von einem Wurm ausgenutzt wird. Laut "eWeek" ist das Sicherheitsteam von Symantec bereits dabei, das Problem zu untersuchen und wird, so eine Mitteilung des Herstellers, "wenn nötig eine schnelle Lösung finden".

Bei  "InfoWorld"  hört sich das noch etwas anders an. Dort gibt eEyes Chef-Hacker Marc Maiffret seine Einschätzung zum besten, Symantec werde ein bis zwei Monate brauchen, um das Problem zu beseitigen. Allerdings, so Symantec, sei ausschließlich die Enterprise-Version der Symantec-Software betroffen. Heimanwender, die ein Produkt der Norton-Serie verwenden, müssen sich also keine Sorgen machen.

Microsoft macht's ultimativ

Wie Bink.nu mit scharfem Auge festgestellt hat, zeigte Bill Gates während einer Rede auf der Entwicklerkonferenz WinHEC kurzzeitig eine Folie, auf der von einem "Microsoft Office Ultimate 2007" die Rede war. Wie Microsoft nun gegenüber "CNet" bestätigte, ist tatsächlich eine solche ultimative Version des kommenden Bürosoftware-Pakets geplant. Als Top-of-the-line-Produkt soll die Ultimate Edition neben Word, Excel, Powerpoint und Outlook zusätzlich Publisher, OneNote, die Collaboration-Software Groove, die Datenbank Access sowie die Formularsoftware Infopath enthalten. Den geplanten Preis gibt "CNet" mit 695 US-Dollar an.

Microsoft macht Bilder besser

Jetzt will die Windows-Company auch noch dem etablierten JPEG-Standard für Bilddateien ans Leder. Wie "Microsoft Watch" schreibt, zeigte Bill Crow, leitender Programm-Manager von Microsofts Digital Media Division, auf der Entwicklerkonferenz WinHEC erstmals das hauseigene Bildformat "Windows Media Photo".

Gegenüber JPEG soll das neue Format nur halb so viel Speicherplatz benötigen und gleichzeitig mehr Bilddetails erhalten. Das käme der Bildqualität vor allem beim Versand per E-Mail oder Instant Messaging zugute, so Crow. Das Echo auf die Ankündigung ist überwiegend positiv. So vermerkt Blogger Thomas Hawk, dass der geringe Platzbedarf des neuen Formats bei den aktuelleren Speicherpreisen kaum relevant sei, die höhere Bildqualität hingegen sehr. Regelrecht begeistert gibt sich Nathan Weinberg in seinem Blog "InsideMicrosoft". Er wünscht dem neuen Format Erfolg und bittet Microsoft gleichzeitig, kostenlose lebenslange Lizenzen an Adobe und Apple abzugeben, denn nach seiner Ansicht ist es wichtiger, ein populäres Medienformat zu besitzen, als damit Geld zu verdienen.

Menschen sind die wahre Schwachstelle

Es ist ja nicht so, als hätten andere das nicht auch schon festgestellt, aber für ein junges Unternehmen ist die These vom Menschen als schwächstes Glied in der Sicherheitskette offenbar immer noch ein sicheres Ticket, von der Presse wahrgenommen zu werden. So berichtet "Red Herring" vom kalifornischen Startup Barracuda Networks, dessen Chef Dean Drako die Ansicht vertritt, man käme viel leichter in geschützte Netzwerke, wenn man die Mitarbeiter einfach nach ihren Passwörtern fragt. Keine neue Theorie, aber immer wieder ein lesenswertes Thema.

Lenovo: "Wir sind sicher"

Wie das US State Department vergangene Woche bekannt gab, sollen Computer des chinesischen Herstellers Lenovo künftig nur in Bereichen eingesetzt werden, die nicht sicherheitsrelevant sind. In einer Pressekonferenz in Hongkong nahm Lenovo-Boss Yang Yuanqing nun zu den Vorwürfen Stellung. Nach seiner Ansicht stellen die 16.000 Lenovo-PCs, die er den Amerikanern verkauft hat, kein Sicherheitsrisiko dar. Schließlich, so Yuanqing, sei die chinesische Regierung nicht in das Tagesgeschäft seiner Firma eingebunden.

Von "Techweb" befragte Sicherheitsexperten geben ihm in dieser Einschätzung Recht. Der Analyst Richard Stiennon rät seiner Regierung dennoch davon ab, chinesische Rechner zu kaufen, schließlich befinde man sich in einem Cyber-Krieg mit China. Zudem sei es ein Leichtes, bösartige Software beispielsweise im BIOS zu verstecken. Bei solchen Argumenten helfen alle Unschuldsbeteuerungen seitens Lenovo nichts.

Honda kontrolliert mit Gedanken

Der japanische Honda-Konzern demonstrierte gestern in Tokio das ultimative Mensch-Maschine-Interface. Per Gedankensteuerung wies dabei eine Testperson einen Roboterarm an, eine Faust zu machen bzw. die Finger zu spreizen. Für die Zukunft sieht man etliche Anwendungsmöglichkeiten dieser neuen Technologie. So soll sie etwa in Autos zum Einsatz kommen sowie Tastaturen und Handys ersetzen. Bis es so weit ist, könnten allerdings noch ein paar Jahre vergehen, denn derzeit ist zur Abtastung der Hirnströme noch ein riesiger Magnetresonanz-Scanner nötig. Zudem müsse man noch einige Arbeit investieren, um komplexe Bewegungen abbilden zu können, so Honda-Forscher Yukiyasu Kamitani. Dennoch planen die Wissenschaftler bereits in fünf Jahren den Honda-eigenen Roboter Asimo per Gedanken zu steuern. Ein wagemutiger Plan, denn, wie Associated Press anmerkt, kann der bisher nicht einmal seine Finger spreizen.

Nokia lässt Browser frei

Der finnische Handy-Hersteller Nokia hat den Quell-Code seines S60 WebKit freigegeben, das die Basis des S60 Web-Browsers für Mobilgeräte bildet. Laut  "ars technica" ist dies einer der wenigen Handy-Browser, die CSS, XHTML, SVG, und Javascript unterstützen und damit z.B. mobile AJAX-Anwendungen ermöglichen. Als Basis dient dem S60 WebKit das WebCore HTML Rendering Framework aus Apples Safari-Browser, welches wiederum auf KHTML und KJS de Linux-Browsers Konqueror basiert. Handy-Hersteller haben nun die Möglichkeit, sich aus den Komponenten des WebKit eigene Browser zurecht zu stricken. Nach Ansicht von "ars technica" wird Nokias S60-Technologie damit zum Industriestandard und könnte die Barrieren für mobile Web-Anwendungen signifikant senken.

Sidekick 3 gesichtet

Im Web tauchen erste Bilder des T-Mobile Smartphones Sidekick 3 auf. Demnach wird das neue Gerät nicht nur kleiner, sondern auch noch schicker werden als seine Vorgänger. Ein Leser des Sidekick3-Blogs will sogar einen Prototypen gesichtet haben, den sein Besitzer unbescheiden als "Zukunft der Handhelds" bezeichnete. Dann warten wir mal ab, was die Zukunft wirklich bringt.

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