Von Matthias Kremp
Blogger siegen über Apple
Im Kampf um Pressefreiheit im Internet hat ein kalifornisches Berufungsgericht gegen Apple und für die Blogger entschieden. Der Fall begann im Dezember 2004, als auf drei Apple-zentrischen Websites Informationen zu einem geplanten aber noch unveröffentlichten Apple-Produkt mit dem Codenamen "Asteroid" auftauchten. Apple sah durch die Berichte Firmengeheimnisse bedroht und wollte die Betreiber der Websites per Gerichtsverfahren zur Herausgabe der Identitäten ihrer Informanten zwingen. Wie "Red Herring" schreibt, drängte der Computerhersteller sogar die Internet-Provider der drei Angeklagten auf Herausgabe von Daten. In erster Instanz hatte die Firma mit ihrem Anliegen Erfolg. Ein Gericht in Santa Clara County entschied, dass die Wahrung von Firmengeheimnissen Priorität vor dem Quellenschutz der Blogger genieße.
Diese Entscheidung wurde mit dem Urteil im Revisionsverfahren vom Freitag widerrufen. "Wir können uns keinen praktikablen Test oder ein Prinzip vorstellen, nach dem man legitime von illegitimen Nachrichten unterschieden könnte," heißt es in der 69-seitigen Urteilsbegründung.
Für die Electronic Frontier Foundation (EFF), welche die Prozesskosten aufbrachte und einen Anwalt stellte, ist "die heutige Entscheidung ein Sieg für die Rechte der Journalisten, egal ob online oder offline, sowie für die breite Öffentlichkeit." Nach ihrer Meinung stellt das Urteil Weblogger rechtlich auf eine Stufe mit professionellen Journalisten. Darüber hinaus sei es ein großer Sieg für den Schutz persönlicher Daten im Internet. Einzig die britische Newssite "The Register" ist mit dem Gerichtsspruch nicht ganz zufrieden und fürchtet, die Begründung liefere Apple genug Munition, um das Verfahren in die nächste Instanz zu ziehen – so Apple das denn will und einen Sinn darin sieht.
Nur 48 Stunden
Kaum 48 Stunden, nachdem die Sicherheitsfirma eEye Digital Security auf eine gefährliche Sicherheitslücke in Symantecs Antiviren-Produkten hinwies (wir berichteten), hat der Software-Hersteller einen Patch veröffentlicht, der das Loch stopft. Damit haben die Programmierer die Erwartungen der Spezialisten von eEye bei weitem übertroffen, welche am Freitag zum Besten gaben, Symantec werde für den Patch ein bis zwei Monate benötigen. Bisher können allerdings nur Anwender aufatmen, bei denen die englischsprachige Version installiert ist, vermerkt "SecurityProNews". Lokalisierte Updates für andere Sprachen, also auch deutsch, sollen in Kürze folgen.
35 Prozent Softwareklau weltweit
Einer Studie von "ZDNet Research" zufolge sind mehr als ein Drittel aller weltweit auf PCs eingesetzten kommerziellen Softwarepakete Raubkopien. Den Schaden durch diese Piraterie beziffern die Autoren auf 35 Milliarden US-Dollar. Auf welcher Grundlage sie diese Zahl erhoben, bleibt allerdings ungeklärt. Im Gegensatz zu den Spitzenreitern der Raubkopierer-Nationen, die die Studie klar benennt: So dürfte es in Vietnam, Simbabwe, Indonesien, China und Pakistan schwierig werden, überhaupt an legale Software zu kommen. Dort liegt der Anteil illegal hergestellter Programmkopien bei 86 bis 90 Prozent. Vorbildlich geben sich dagegen die USA, Neuseeland, Österreich und Finnland, wo nur ein knappes Viertel der Software dunklen Kanälen entstammt.
Apple macht Stimmungsmusik
Wie "The Inquirer" berichtet, hat Apple ein Gerät patentiert, mit dem Musik der Stimmung oder Aktivität des Hörers angepasst werden kann. Dabei soll wahlweise die Art der Musik oder die Geschwindigkeit der Musik angepasst werden. Als Referenz soll dem Gerät der Herzschlag dienen. Zufall kann das wohl nicht sein, hat Apple doch gerade erst vor wenigen Tagen eine Kooperation mit dem Sportschuh-Hersteller Nike verkündet.
Will Google PayPal Konkurrenz machen?
Garrett Rogers von "ZDnet" hat ein wenig gestöbert. Ihm war aufgefallen, dass sich jemand die Domains "googlecheckout.net/org/info" registriert hat. Seine Suche via Google führte ihn direkt zu Google selbst. Sein wieselflinker Schluss: Google plant einen Online-Bezahlservice á la Paypal. Sogar Google-eigene Kreditkarten sieht er schon vor seinem geistigen Auge. Ist das nicht vielleicht ein bisschen schnell geschossen?
Mischt sich Microsoft ein?
In einer Pressemitteilung vom Sonntag beklagt sich die Computerbild darüber, dass Microsoft "in Deutschland die redaktionelle Berichterstattung von Computermagazinen über die Office-2007-Vorabversion kontrollieren" will. Demnach müssen Verlage, die ihren Publikationen eine CD mit der aktuellen Beta-Version von Office 2007 beilegen wollen, einen Vertrag unterzeichnen, nach dem Microsoft sämtliche geplanten Artikel vorab zur "Prüfung und Stellungnahme" vorgelegt werden sollen. Damit sollen, wie es in der Meldung heißt "Inkorrektheiten in Bezug auf die Produkte" und eine "Herabsetzung von Microsoft und/oder jeglichen Produkten" vermieden werden.
"Dieser Vertrag ist ein grober Eingriff in die journalistische Unabhängigkeit", sagt Hans-Martin Burr, stellvertretender Chefredakteur des Magazins. Sich darauf einzulassen, sei eine Bankrott-Erklärung redaktioneller Freiheit, so Burr. Anderen Redaktionen scheint das weniger Kopfschmerzen zu bereiten, denn Hefte mit der Office 2007-Beta als Beilage liegen bereits am Kiosk. Vielleicht haben die aber auch einfach bessere Vertragsbedingungen ausgehandelt.
Mach Dir ein Bild
Eine wunderbare Möglichkeit, den hierarchischen Aufbau von Websites zu visualisieren, hat sich der Schweizer Student Marcel Salathé ausgedacht. In seinem Weblog "Aharef"veröffentlichte er ein Java-Applet, mit dem man sich die internen Tag-Strukturen beliebiger Websites grafisch aufbereiten lassen kann. Das ist natürlich sehr lehrreich, erfährt man doch, welche Anbieter ihr Online-Angebot klar und einfach strukturieren und welche einfach dem Link-Wildwuchs freien Lauf lassen. Vor allem aber sind die resultierenden Grafiken von einer bestechenden Schönheit. Da Salathé den Bildlaufbau zudem nach physikalischen Gesetzmäßigkeiten animiert, erscheinen insbesondere komplexe Grafiken zudem wie organische Gebilde. Sogar einen eigenen flickr-Tag gibt es schon.
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