Von Matthias Kremp
Internet-Mitbestimmung
Reichlich kurzfristig gibt die NTIA, eine Abteilung des US-Wirtschaftsministeriums, Internet-Nutzern die Möglichkeit sich zur künftigen Entwicklung des Netzes zu äußern. Ende Juli nämlich, so schreibt "The Register", hält die NTIA eine öffentliche Versammlung ab, in der über die Zukunft der "Internet-Verwaltung" ICANN entschieden werden soll. Erstmalig bekommen damit die Nutzer selbst eine Stimme und können sich – zumindest theoretisch – am Entscheidungsprozess beteiligen. Im Kreuzfeuer dürfte dabei vor allem die bestimmende Rolle der USA liegen, so "The Register". Allerdings ist die Zeit knapp, denn Kritik und Vorschläge müssen bis zum 7. Juli unter der E-Mail-Adresse DNSTransition@ntia.doc.gov eingereicht werden.
1:0 für Linux
Im Prozess des Unix-Herstellers SCO gegen IBM kann "Big Blue" einen Teilsieg für sich verbuchen. In dem Verfahren fordert SCO von IBM Entschädigungen in Höhe von fünf Milliarden Dollar. Die Begründung: Als "Big Blue" der Linux-Gemeinde umfangreiche Source-Codes kostenlos zur Verfügung stellte, wurde damit angeblich geistiges Eigentum von SCO verletzt.
Insgesamt 294 Punkte umfasst die 2003 eingereichte Klage. Mehr als 180 der Anschuldigungen wies die zuständige Richterin Brooke Wells am vergangenen Freitag ab (bei "AP" sind es 182, bei "The Register" 188). SCO, so Wells, habe es trotz gerichtlicher Anordnung bisher willentlich unterlassen, Beweise für die eigenen Behauptungen vorzubringen. So habe die Firma bis heute nicht darlegen können, welche der Millionen von Programmzeilen, die IBM spendete, angeblich gestohlen seien. Das, so Wells, sei in etwa so, als würde man von einem Kaufhaus-Detektiv festgenommen werden, weil man ja schon wisse, was man gestohlen hat. Zudem würde die Entschädigung weit weniger drastisch ausfallen als von SCO gefordert – sofern sich die verbleibenden Klagepunkte beweisen lassen. Schlechte Karten also für das Unternehmen SCO, das im letzten Quartal einen Verlust in Höhe von 4,69 Millionen US-Dollar vermeldete und gleichzeitig fast 3,8 Millionen US-Dollar für Gerichtverfahren ausgab.
Air Force durchforstet Weblogs
Die Abteilung für wissenschaftliche Untersuchungen der US-Luftwaffe hat ein Forschungsprojekt in Auftrag gegeben, dessen Ziel es ist, Methoden zum Durchsuchen von Blogs zu entwickeln. In der offiziellen Pressemitteilung heißt es, man verspreche sich von der Studie "unschätzbare Hilfe im Kampf gegen den Terrorismus". Probleme bereitet den beauftragten Wissenschaftlern derzeit allerdings das ungeheure Datenvolumen. Deshalb, so Chef-Wissenschaftler Brian E. Ulicny, arbeite man an automatisierten Methoden, die den Analysten sagen sollen, an welchen Themen Blogger zu einem gegebenen Zeitpunkt besonders interessiert sind. Sein Kollege Dr. Mieczyslaw M. Kokar sieht zudem dringenden Nachholbedarf bei den Militärs, die nach seiner Meinung das Web als Informationsquelle unterschätzen. Für ihn ist das Web ein Kriegsschauplatz. Und für den gelte es nun einen "Informationsradar" zu entwickeln.
Bei Microsofts geht’s rund
In Redmond wird es derzeit nicht langweilig. So vermeldet "Microsoft Watch", dass die dritte Beta-Version der Internet Explorer 7 nun auch für Windows XP zum Download bereit steht. Die Änderungen gegenüber der Vorversion sind zwar nicht gewaltig, aber vor allen das Handling von RSS-Feeds soll deutlich verbessert worden sein.
Der Blogger Ian Moulster vermeldete dagegen, dass Microsoft seit Freitag weder weitere Download-Anfragen noch weitere Bestellungen der Beta 2 von Windows Vista annimmt. Wer bereits mit dem Herunterladen des rund 4 Gigabyte großen Pakets begonnen hat kann den Download noch bis zum 14. Juli abschließen. Die Links auf der deutschen Download-Seite für Windows Vista Beta 2 funktionieren derzeit allerdings noch.
Einen Rückschlag musste hingegen das Office-Team bekannt geben. Wie bei "ars technica" zu lesen ist, gibt es auch bei Office 2007 neuerliche Verzögerungen. Demnach haben interne Tests und Rückmeldungen aus dem Beta-Programm Performance-Probleme zutage gebracht. Die gelte es nun erstmal zu beseitigen. Deshalb wird mit der Auslieferung an Großkunden erst gegen Ende es Jahres gerechnet, während "Otto Normaluser" die Software wohl erst Anfang 2007 aus dem Regal zupfen kann. Ursprünglich war der Oktober als Veröffentlichungstermin geplant. Aber der neue Fahrplan passt ja auch viel besser zum fast zeitgleichen Start von Windows Vista – sofern sich das nicht ebenfalls weiter verzögert.
Freedb macht dicht
Um die Musikdatenbank freedb steht es schlecht. Nachdem sich die Macher der viel genutzten Datenbank nicht auf ein gemeinsames Konzept für die Zukunft einigen konnten, stellt ein Posting auf der freedb-Website die baldige Schließung in Aussicht. Etliche Software-Applikationen, allen voran diverse MP3-Programme, nutzten die kostenlose Datenbank, um sich mit Titel- und CD-Informationen zu versorgen. Eine Alternative will nun einer der ursprünglichen Entwickler mit freedb2.org bieten, welche auf der Datenbasis des Originals aufsetzt.
Das Internet erweckt Hasselhoff zu neuem Leben
Manche Leute wird man einfach nicht los. Da kann man Haken schlagen noch und nöcher, an der nächsten Ecke stehen sie trotzdem schon wieder vor einem. David Hasselhoff ist so einer. Wer sich nach dem Ende von "Knight Rider" und "Baywatch" in Sicherheit vor dem US-Serienheld wiegte, gab sich einer trügerischen Illusion hin. Denn, so wissen wir heute, der Mann, der uns jahrelang mit dem Song "Looking for Freedom" in den Ohren hing, bezeichnet sich selbst als "König des Internet". Die Grundlage für Hasselhoffs Aufstieg in die oberen Sphären der Internet-Society liefert der britische Breitband-Provider Pipex. Der hatte eine Umfrage unter 16-24-Jährigen durchgeführt, die zu Tage brachte, dass der 54-jährige Ex-TV-Bademeister innerhalb dieser Zielgruppen besonders häufig in E-Mails genannt wird und besonders oft Gegenstand von Internet-Suchen ist. Damit lässt "The Hoff" sogar Brad Pitt und Robbie Williams hinter sich. Für Pipex Grund genug, Hasselhoff für eine Anzeigenkampagne zu engagieren. Schließlich gab fast ein Drittel der Befragten an, E-Mails mit Bildern Hasselhoffs würden den Empfängern ein Lächeln entlocken. Warum das so ist, wurde nicht gefragt. Wäre vielleicht besser gewesen.
Bitte nicht kratzen
iPod zerkratzt? Macht nichts, denn die Firma Colorenvy.com sucht gerade den am schlimmsten zerkratzten iPod. Als Siegprämie winkt eine komplette Restauration des angeschlagenen MP3-Players. Damit will die Firma auf ihre Dienste als iPod-Reparaturwerkstatt aufmerksam machen. Vor absichtlichem Zerkratzen wird allerdings gewarnt.
Gewarnt werden auch iPod-Diebe. Das britische Magazin "T3" hat ein nicht mehr ganz traufrisches Gerücht ausgegraben, wonach Apple plant, gestohlene iPods per GPS aufzuspüren. Basis der Lösung sei eine Software namens "Maps", die ähnlich wie Google Maps arbeite. "Maps", so geht die Sage, soll Bestandteil des nächsten Mac-Betriebssystems "Leopard" werden und neben iPods auch verloren gegangene Macs und Macbooks auffinden helfen. Wie das bei GPS-Systeme so üblich ist, müssten die Täter die Geräte dazu freilich im Freien platzieren. In geschlossenen Räumen ist GPS-Empfang kaum möglich.
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