Von Richard Meusers
Es ist für Softwarehersteller natürlich interessant zu erfahren, wie oft welche Programmversionen weltweit genutzt werden und ob sich darunter vielleicht auch illegale Kopien befinden. Microsoft beispielsweise hat eine Windows-Echtheitsüberprüfung (WGA) eingeführt, bei der Computer nach der Installation eines Updates ungefragt zu einem Microsoft-Server Kontakt aufnehmen - eine bestehende Online-Verbindung vorausgesetzt. Das Unternehmen begründete den Schritt mit dem Kampf gegen illegale Windows-Kopien.
Auch Apple hat bereits Software verteilt, die ungefragt nach Hause telefoniert. Vor einem halben Jahr sorgte das iTunes 6.0.2-Update mit dem mitgelieferten MiniStore für einige Aufregung, da sich das Tool ungefragt mit dem iTunes Music Store verband. Übertragen wurden Informationen über die Musiktitel, die der jeweilige User auf seinem Rechner gespeichert hatte. Daraus generierte der Server Musik-Empfehlungen. Apple reagierte schnell und stellte bald darauf einen Dialog zur Verfügung, der die Kontaktaufnahme erst nach Bestätigung durch den User ermöglicht.
Doch jetzt gibt es erneut Ärger wegen einer Apple-Software, die ungefragt übers Netz Kontakt sucht. Betroffen ist eine Funktion für sogenannte Widgets - kleine Programme, die im sogenannten Dashboard zusammenfasst sind und die je nach Auswahl des Benutzers Informationen zum Wetter, Aktienkurse oder ein Wörterbuch bieten.
In seinem Blog " Red Sweater" berichtet der freie Software-Entwickler Daniel Jalkut, wie er am Wochenende die Entdeckung machte, dass nach Installation des Betriebssystem-Updates Mac OS X 10.4.7 ein Prozess namens "dashboardadvisoryd" zweimal mit dem Apple-Server in Kontakt trat und dabei unter anderem die Seite http://www.apple.com/widgets/widgetadvisory aufrief.
Mittlerweile haben auch andere Mac-User das Verhalten beobachten können. Die Apple-Seite scheint ein Sicherheitszertifikat abzufragen – zumindest verweist ein Kommentar zum Blog-Eintrag auf ein entsprechendes "Dashboard Advisory"-Zertifikat, das sich in den Eingeweiden des Systems befindet.
Hierbei scheint es sich tatsächlich um eine Sicherheitsmaßnahme zu handeln, denn Apple weist bei seinem Update darauf hin, man könne nun ein heruntergeladenes Dashboard-Widget daraufhin überprüfen, ob es vom Apple-Original abweiche. Problem: "Das Feature startete ohne meine Erlaubnis", so Jalkut, "und es gibt keinen direkten Weg, es zu deaktivieren".
Dieses Vorgehen würde dazu führen, Nutzer "misstrauisch und paranoid" zu machen, unabhängig davon, ob und welche Daten nun versandt würden. Auf der Webseite macnews.de hieß es, der ungefragte Eingriff durch Apple bereite "Bauchschmerzen".
Eigentlich sollten Unternehmen im IT-Bereich mittlerweile begriffen haben, dass Computernutzer außerordentlich empfindlich auf verdeckte Schnüffelaktionen reagieren. Das gilt nicht nur für Google oder Microsoft, sondern natürlich auch für Apple. Zwar soll sich das Feature mit einem kleinen Tool namens Little Snitch abstellen lassen, aber der zweifellos bessere Weg wäre der, den jeweiligen User von vorneherein über derlei Eingriffe zu informieren.
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