Von Holger Dambeck
"Berlin 3D" heißt die Software und sie ermöglicht rasante Hubschrauberflüge über Berlin, bei denen man sich nicht vor einem Motorschaden oder Pilotenfehlern fürchten muss. Sämtliche Gebäude der Stadt innerhalb des S-Bahnrings wurden dreidimensional gespeichert - insgesamt 50.000 Stück. Bei mehr als 2000 Gebäuden haben die Macher der DVD zusätzlich die Fassaden fotografiert, um sie auf das 3D-Modell des jeweiligen Gebäudes zu projizieren.
Hinzu kommen mehr als 45 Sehenswürdigkeiten Berlins, die als 3D-Modell mit einer CAD-Software nachgebaut wurden - beispielsweise Reichstag, Kanzleramt, Brandenburger Tor und der Fernsehturm. Diese dreidimensionalen Objekte wurden dann mit einem hochaufgelösten Luftbild kombiniert, so dass das virtuelle Berlin dem wahren schon sehr nahe kommt. "Die Auflösung beträgt 20 Zentimeter", sagt Regin Lippold, Projektleiter bei RSS im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.
Der Nutzer der Software kann so mit der Maus Berlin von oben entdecken, wie in einem Helikopter die Kuppel des Reichstagsgebäudes umkreisen oder sogar auf der Spitze des Fernsehturms landen.
"Berlin 3D" ist bereits der zweite dreidimensionale Stadtplan der Firma RSS - Ende 2005 hatte sie "München 3D" veröffentlicht. Außerdem gibt es eine DVD "Zugspitze 3D", die den knapp 3000 Meter hohen Berg und das Wettersteingebirge mit einer Auflösung von 25 Zentimetern zeigt.
Grundlage aller dieser 3D-Karten sind Höhenmodelle, die aus Daten der High Resolution Stereo Camera (HRSC) erstellt wurden. Diese am Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelte Stereokamera kartiert derzeit auch den Mars - an Bord der Esa-Sonde "Mars Express".
Die Kamera, eine Konstruktion des Planetenforschers Gerhard Neukum und seiner Mitarbeiter, kann auch von Flugzeugen aus arbeiten. 2005 wurde auf diese Weise Berlin erfasst. Die Aufnahmen wurden anschließend vom DLR bearbeitet.
Die Software des 3D-Stadtplans ähnelt in der Bedienung Google Earth, nur das hier keine Wartezeiten durch das ständige Nachladen von Bildinformationen über Internet entstehen. Im Unterschied zu Google Earth ist sie aber auch nicht kostenlos: Eine DVD kostet 50 Euro.
Bei der Fassadengestaltung wählten die Entwickler einen Kompromiss. Weil sie nicht alle 50.000 Gebäude einzeln abfotografieren konnten, wurden für jedes Viertel mehrere typische Fassadenvarianten erfasst. "Aus diesem Pool wurden dann die Fassaden zufällig über die Häuser eines Viertels verteilt", erklärt Lippold. Berliner werden die Ungenauigkeiten sofort bemerken - allen anderen dürfte das Straßenbild aber realistisch erscheinen.
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