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27.07.2006
 

Digitalfernsehen

RTL will auch DVB-T verschlüsseln

Von Holger Dambeck

Der Privatsender RTL will künftig alle digital ausgestrahlten Programme verschlüsseln - auch über Antenne. Aktuelle DVB-T-Receiver könnten RTL dann nicht mehr empfangen - ein herber Rückschlag für das neu eingeführte Digitalfernsehen. Die Verschlüsselung soll vor allem Raubkopien verhindern.

Die Verschlüsselung seiner Programme ist für RTL beschlossene Sache. Mit dem Satellitenbetreiber Astra verhandelt der Konzern darüber, im digitalen Kabel wird bereits verschlüsselt, und auch über DVB-T will der Sender langfristig seine Kanäle nicht mehr frei ausstrahlen. Ohne speziellen DVB-Receiver mit sogenanntem CI-Modul und einer Smartcart bliebe der Bildschirm dann schwarz.

DVB-Receiver: RTL bald verschlüsselt?
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DDP

DVB-Receiver: RTL bald verschlüsselt?

"Es macht langfristig keinen Sinn, die Verbreitungswege unterschiedlich zu behandeln", sagte RTL-Sprecherin Bettina Klauser im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Dies gelte auch für die Verschlüsselung. Dabei gehe es in erster Linie um den "Schutz des Sendesignals vor Missbrauch" wie zum Beispiel Raubkopien. "Sie sollen erschwert oder ganz unmöglich gemacht werden", betonte Klauser.

Ab wann die DVB-T-Signale von RTL chiffriert werden, steht noch nicht fest. Das Jahr 2009, von der Landesmedienanstalt Niedersachsen ins Gespräch gebracht, "können wir nicht bestätigen", sagte Klauser. Eine Entscheidung darüber werde kurzfristig nicht getroffen.

Bei ProSiebenSat1 ist Verschlüsselung hingegen derzeit angeblich kein Thema. Sprecherin Katja Pichler sagte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, es gebe keine Überlegungen in dieser Richtung, weder bei der Ausstrahlung über Satellit noch über DVB-T. "Uns interessiert viel mehr das Handyfernsehen DVB-H." Dabei sei eine Verschlüsselung geplant.

Überspringen von Werbung könnte verboten werden

Verschlüsselte Sendesignale können nicht nur unerlaubte Mitschnitte oder Kopien verhindern - prinzipiell ist darüber auch ein sogenanntes Ad-Skip-Verbot möglich. Zuschauer, die ein Programm mit einem Festplattenrekorder aufnehmen, könnten die Werbung dann nicht einfach mit der Vorlauftaste überspringen. Laut RTL ist eine solche Funktion "eine mögliche Option".

Hauptargument für die Verschlüsselung bleibt aber der Kopierschutz. "Die Sender müssen den Rechteinhabern den Kopierschutz zusichern", sagte Andreas Fischer, stellvertretender Direktor der Landesmedienanstalt Niedersachsen, SPIEGEL ONLINE. Ohne eingebauten Kopierschutz dürften Fernsehsender kaum noch Filmlizenzen bekommen.

Die digitale Ausstrahlung ermöglicht nämlich verlustfreie Aufnahmen mit Computern oder Festplattenreceivern - Zuschauer können ihre Mitschnitte anschließend relativ leicht auf DVD brennen - 5.1-Ton inklusive. Dies betrachten die Rechteinhaber nicht ganz zu Unrecht als Bedrohung ihres Geschäftsmodells, zu dem auch der Verkauf von DVDs gehört.

Der Druck zur Verschlüsselung dürfte also primär aus Hollywood kommen. Für die Privatsender wären aber auch ganz neue Geschäftsmodelle möglich. Grundsätzlich könnten sie die Smartcards oder Zugangscodes zu ihren Programmen auch an die Zuschauer verkaufen - das wäre das Ende von Free-TV und der Einstieg ins Pay-TV.

Weniger Werbegelder, Zuschauer wandern ab ins Web

Zurückgehende Werbeeinnahmen und die zunehmende Konkurrenz durch das Internet lassen die Fernsehmanager ohnehin über andere Finanzierungsmodelle nachdenken. So plant RTL bereits eigene Pay-TV-Kanäle - allerdings zusätzlich zu den frei ausgestrahlten Programmen.

RTL-Sprecherin Klauser betonte jedoch, dass die Verschlüsselung kein Einstieg ins Pay-TV bedeute: "Free TV bleibt Free TV." Ob das die Zuschauer in Zukunft auch noch so sehen? RTL über Astra wird beispielsweise womöglich bald Geld kosten. Kassieren wird dies der Satellitenbetreiber Astra, sofern die Kartellbehörden das Vorhaben nicht noch stoppen. Es dürfte sich dabei um eine Art Servicepauschale handeln, die die Kosten der Ausstrahlung abdeckt.

Ähnlich ist die Situation im Kabel. Hier zahlen die Zuschauer eine monatliche Gebühr an die Kabelgesellschaft. Von diesem Geld kommt ein Teil aber auch bei den Privatsendern an, die sich die Einspeisung ihrer Programme von den Kabelnetzbetreibern bezahlen lassen. "Wir bekommen von den Kabelnetzbetreibern unsere digitalen Senderechte vergütet", sagte RTL-Sprecherin Klauser.

Für Klauser hat diese Konstruktion nichts mit Pay-TV oder dem Gebührenfernsehen der Öffentlich-Rechtlichen gemeinsam. "Die etwaigen Digitalpauschalen, die die Infrastrukturbetreiber für die Entschlüsselung der Sendesignale erheben, sind, ebenso wie alle technischen Fragen, deren Angelegenheit."

"DVB-T teuerster Weg zu den Zuschauern"

Bleibt die Frage, ob DVB-T, wenn es eines Tages verschlüsselt wird, die Zuschauer auch Geld kostet. Andreas Fischer von der Landesmedienanstalt Niedersachsen kann sich vorstellen, dass die Privatsender die notwendigen Smartcards kostenlos verteilen, womöglich dabei aber die Daten der Zuschauer erfassen. Die Sender kämen so an nützliche Informationen für die Werbevermarktung.

Denkbar ist jedoch auch ein Abomodell für DVB-T, obwohl das alle Beteiligten wie auch RTL derzeit ausschließen. "DVB-T ist der teuerste Weg zu den Zuschauern", sagte Unternehmens-Sprecherin Klauser. "Die Ausstrahlung eines Pakets von vier Sendern über DVB-T kostet 800.000 Euro pro Jahr", erklärte Fischer. Die Kosten seien ungleich höher als via Satellit. Was liegt da näher, als die Zuschauer an den Sendekosten zu beteiligen?

RTL strahlt wie die ProsiebenSat1-Gruppe seine Programme aus Kostengründen nur in Ballungsräumen über DVB-T aus, weil es sich nur dort rechnet. Auf dem Land ist das terrestrische Digitalfernsehen ausschließlich eine Domäne von ARD und ZDF.

Für die Zuschauer käme die Verschlüsselung bisher frei empfangbarer Sender teuer. Sie müssten sich neue Receiver kaufen, die die Programme entschlüsseln können. Viele haben sich erst einen DVB-T-Empfänger neu anschaffen müssen, weil das analoge Antennensignal abgeschaltet wurde - und schon das hat für Unmut gesorgt. Auch Satellitenreceiver müssten ersetzt werden, nur wenige verfügen über das notwendige CI-Modul.

Für die Sender wäre eine Verschlüsselung also nicht ohne Risiko: "Es wird ein Reichweitenverlust eintreten", glaubt Andreas Fischer von der Landesmedienanstalt Niedersachsen.

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insgesamt 617 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
10.02.2008 von Kassian:

RTL kann meinetwegen in der Versekung verschwinden, ebenso wie die ganzen anderen privaten Sender. Sein wir ehrlich: mit Qualität hat das Fernsehen nichts, aber auch gar nichts zu tun. Man schimpft immer über die [...] mehr...

10.02.2008 von Heramano:

Schön für Sie. Wie gesagt, mir ging es nicht um Qualität, sondern um die Kosten, die hinter einem Programm stehen. Und da mögen die Simpsons noch so toll sein (da stimme ich Ihnen zu), die Kosten für das Senden gehen nach der [...] mehr...

08.02.2008 von mcbright:

Wenn Sie über etwas diskutieren wollen, sollten Sie schon wissen, worüber Sie sprechen. Um einen heutigen "Philosophen" zu zitieren: "Man DARF in der Demokratie eine Meinung haben, man MUSS NICHT! ..." mehr...

07.02.2008 von Wurzelmolch: klasse Idee

Habe ich das richtig verstanden? Die Verantwortlichen von RTL wollen, das man für`s gucken ihrer "TV-Perle" noch bezahlt? HAHAHAHAHA!!!! Nö, Jungs, echt guter Plan. Mit euch möchte ich nicht segeln gehen. [...] mehr...

07.02.2008 von Celestine:

Und richtig gute ältere Filme, die früher auch mal bei ARD/ZDF gesendet wurden, kann man nur noch bei den Dritten oder be arte ansehen. Ein gutes Beispiel vor kurzem: Die nordischen Filme bei SWR. Oder ein Film aus den sechziger [...] mehr...

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