Aus Leipzig berichtet Christian Stöcker
Für Sony ist die Playstation 3 der heilige Gral. Die Vorgänger-Konsole Playstation 2 hat dem Unternehmen viele Jahre lang Traumumsätze eingebracht, und eine gewaltige Fangemeinde wartet gespannt auf den Nachfolger. Der Cell-Prozessor, der in dem Gerät steckt, ist ein Stück Hochtechnologie, das auch in Forschung und Rüstungsindustrie zum Einsatz kommt, das angekündigte Blu-ray-Laufwerk erlaubt die Nutzung gewaltiger Datenmengen.
Nun aber mehren sich die kritischen Stimmen - die PS3 sei zu teuer, heißt es schon seit Bekanntgabe des Preismodells, die Produktion laufe schleppend an, und die Entwicklungskits für neue Spiele seien zu spät bei den Softwareherstellern gelandet.
Negative Schlagzeilen muss das Unternehmen im Augenblick ohnehin genügend hinnehmen: Zuerst musste Computerhersteller Dell Laptop-Akkus wegen Brandgefahr zurückrufen, jetzt ist auch Apple von dem Problem betroffen - hergestellt wurden die Akkus von Sony. Der Aktienkurs des Unternehmens gibt bereits nach - denn die Rückrufaktionen werden teuer. Von 200 Millionen Euro Kosten spricht das Unternehmen selbst in einer aktuellen Mitteilung.
Bei der Games Convention in Leipzig munkelt man hinter den Kulissen sogar noch Schlimmeres: Sony werde den avisierten Starttermin für seine neue Hochleistungskonsole nicht halten können. Zu aufwendig sei die Herstellung der Blu-ray-DVD-Laufwerke, zu komplex der Konstruktionsprozess aus einer gewaltigen Anzahl von Einzelteilen, zu spät habe die tatsächliche Produktion begonnen.
"Wir garantieren, dass Vorbesteller ein Gerät erhalten"
Bei Sony will man von solchen Spekulationen nichts wissen. "Der 17. November steht als Launchdatum fest", sagt Sony-Sprecher Guido Alt auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Zu diesem Termin werde es, wie angekündigt, weltweit zwei Millionen PS3-Konsolen zu kaufen geben, bis Dezember würden weitere zwei Millionen in den Markt gebracht. Alle, die beim Fachhändler ein Vorbesteller-Zertifikat erworben hätten, würden auch zum Starttermin eine PS3 bekommen, so Alt: "Wir garantieren, dass Vorbesteller ein Gerät erhalten." Vorbestellt werden konnte nur die teurere Variante der PS3, die 600 Euro kosten soll - die günstigere Variante für 500 Euro hat eine kleinere Festplatte und keine sogenannte HDMI-Schnittstelle (siehe Kasten).
Dass alles ein bisschen spät passiert für den Konsolenstart - der ursprünglich schon im Frühjahr erfolgen sollte - zeigt sich auch an einer Ankündigung, die der Konkurrent Microsoft in Leipzig nicht ohne Häme machte: Die beiden erfolgreichen Fußball-Serien "Fifa" und "Pro Evolution Soccer" von den Herstellern Electronic Arts und Konami werden in ihrer Neu-Inkarnation für die nächste Konolengeneration zunächst nur für Microsofts Xbox 360 herauskommen. Gerade in Europa haben Fußballspiele einen hohen Stellenwert, und dass die beiden Marktführer zunächst nur für die Konkurrenz entwickeln, muss Sony wehtun.
Zeitmangel bei den Entwicklern
Warum man so entschieden hat, erklärte Thomas Zeitner, Geschäftsführer von Electronic Arts Deutschland, gegenüber SPIEGEL ONLINE mit Zeitmangel: Die Entwicklungsstationen für die PS3 habe man nicht lang genug zur Verfügung gehabt, um ein wirklich zufriedenstellendes Spiel abliefern zu können. Denn die neue Version "Fifa '07" wird von Grund auf neu programmiert für die leistungsstärkere Konsolengeneration, die bisherige Spielmechanik vollständig abgelöst. Man wolle "auch den PS3-Nutzern die bestmögliche 'Fifa'-Erfahrung bieten", so Zeitner, deshalb werde erst "Fifa '08" im Herbst kommenden Jahres auch für die neue Sony-Konsole erscheinen.
Sony-Sprecher Guido Alt kommentiert Microsofts "Fußball nur bei uns"-Ankündigung mit den Worten: "Wir kümmern uns, wie es vielleicht jeder Plattformhersteller tun sollte, um unsere eigenen Inhalte." Man sei bei Sony "verwundert, dass Microsoft so genau über unser noch gar nicht bekanntgegebenes Start-Line-up informiert ist". Schließlich habe man zum Beispiel eine eigene Fußballreihe. "World Tour Soccer" gibt es bislang allerdings nur für die Mobilkonsole PSP.
Bei der Entscheidung gegen eigene Fußball-Starttitel für die PS3 dürften sowohl bei Electronic Arts als auch beim japanischen Konkurrenten Konami auch handfeste wirtschaftliche Gründe eine Rolle gespielt haben: Denn während Konsolenfußball in Europa ein gigantisches Geschäft ist, spielt "Soccer" in anderen Märkten eine geringere Rolle. Sony will weltweit bis März sechs Millionen Konsolen auf dem Markt haben - wie viele tatsächlich nach Europa kommen, ist ungewiss. Die Hersteller werden sich die Frage gestellt haben, ob es sich lohnt, für eine vergleichsweise geringe anfängliche Anzahl von PS3-Besitzern ein Spiel komplett neu zu entwickeln, das eine Lebensdauer von nur einem Jahr hat.
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