Von Matthias Kremp
Erstens: Die Zukunft ist groß
Mit dem neuen hochauflösenden Fernsehen und seinen im Vergleich zu bisherigen TV-Bildern bis zu viermal höheren Pixelzahlen wächst auch der Wunsch nach größeren Bildschirmdiagonalen. Beschied man sich bei der Röhren-Glotze noch meist mit 70 Zentimetern, haben sich bei LCD-Fernsehern schnell die Modelle mit knapp 82 Zentimeter Diagonale (32 Zoll) als Standard etabliert.
Doch selbst das ist vielen Anwendern noch nicht groß genug. So prognostiziert das auf den Bildschirm-Sektor spezialisierte Marktforschungs-Unternehmen DisplaySearch, dass im Jahr 2010 fast die Hälfte aller verkauften Geräte eine Bilddiagonale von 94 Zentimetern (37 Zoll) aufweisen werde. Die Tendenz geht jedoch zu noch größeren Formaten. So kündigte das koreanische Unternehmen Samsung jüngst an, in der ersten Jahreshälfte 2007 einen LCD-Fernseher mit 178 Zentimeter (70 Zoll) Diagonale auf den Markt bringen zu wollen. Solche Geräte sind, mit Preisen jenseits der 20.000 Euro-Marke, freilich kaum noch bezahlbar. Und doch ist ein Markt für die Riesen vorhanden.
Zudem profitiert die LCD-Technologie vom rasanten Ausbau der Produktionsstätten. Der LCD-TV-Weltmarktführer Sharp beispielsweise investiert Milliarden in den Bau neuer LCD-Fabriken, um die "Produktionskapazität weiter zu steigern und noch besser auf den Trend [zu größeren Displays] reagieren zu können", wie Hans Kleis, CEO von Sharp Electronics Europe, zu berichten weiß. Und das scheint auch nötig zu sein, denn wie Kleis bestätigt sind "gerade großformatige Geräte immer stärker gefragt."
Gerade im Bereich der Übergrößen hatten aber bisher die Plasma-Geräte, aufgrund ihres besseren Preis-/Leistungsverhältnisses die Nase vorn. Das scheint sich aufgrund der gestiegenen Kapazitäten und der damit einhergehenden Preissenkungen nun zu ändern. So werden LCDs bis zu einer Diagonale von 42 Zoll laut DisplaySearch bald auf demselben Preisniveau liegen wie Plasmas, die ihre Stärken zukünftig erst im Bereich ab 50 Zoll ausspielen können. Ein Luxus bleiben die TV-Giganten mit Preise ab ca. 4000 Euro so oder so.
Zweitens: Die Zukunft ist hochaufgelöst
Ohne HDTV geht bald gar nichts mehr. Auch wenn HD-Sender noch Mangelware sowie meist kostenpflichtig sind und HD-Filmkonserven gerade erst in homöopathischen Dosen in die Märkte geliefert werden, sollte man kein Gerät ohne HD Ready-Logo mehr kaufen. Schließlich liegt die durchschnittliche Nutzungsdauer eines TV-Geräts dem Branchenverband GFU zufolge bei 10,5 Jahren, einem Zeitraum innerhalb dessen man davon ausgehen kann, dass sich HDTV flächendeckend in der Medienlandschaft breit gemacht haben wird.
Ein wenig dürfte es jedoch noch dauern. Vor allem der anhaltende Streit zwischen Blu-ray Disc und HD DVD erweist sich als Hemmschuh. Da keines der beiden Formate signifikante Vorteile für sich verbuchen kann, werden hochauflösende Filme sich wohl erst durchsetzen, wenn Hybrid-Player verfügbar sind, die beide Formate beherrschen. Die entsprechende Technologie hat Ricoh bereits entwickelt und stellt darauf basierende Geräte für 2007 in Aussicht. Bis die für jedermann bezahlbar werden, dürfte es dann aber doch noch ein wenig länger dauern.
Ebenso wird der Umstieg auf hochauflösende TV-Programme nur langsam vonstattengehen. Ein Hemmschuh sind die nicht unerheblichen Kosten, die der Umstieg auf HDTV für TV-Produzenten und Sender mit sich bringt. Hier hinkt Deutschland deutlich hinterher. Denn während beispielsweise die BBC ihre berühmten Dokumentationen längst nur noch in HD produziert, um sie in aller Welt gut vermarkten zu können, wird hierzulande noch eifrig in PAL-Auflösung gedreht. Solches Material ist jedoch beispielsweise in den USA und Japan nahezu unverkäuflich.
Entsprechend werden noch einige Jahre vergehen, bis HDTV hierzulande wirklich so etwas wie ein Standard wird. Zudem werden sich HD-Glotzer auf absehbare Zeit entweder per Kabel (DVB-C) oder via Satellit (DVB-S) mit den wenigen verfügbaren hochauflösenden Programmen versorgen müssen. Das digitale Antennenfernsehen DVB-T ist dafür zwar grundsätzlich geeignet, leidet aber gerade bei HDTV unter seiner geringen Bandbreite. In einem Frequenzband, das für vier Standard-TV-Programme ausreicht, finden, je nach Kompressionsmethode, nur ein bis zwei HDTV-Angebote Platz. Der weltweit einzige Versuch, dennoch HDTV via DVB-T auszustrahlen, erfolgt in Australien.
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