Von Matthias Kremp
Googelige Pläne
Mit "Google Apps for Your Domain" stellt der Suchmaschinenkonzern eine Programmsammlung vor, mit der kleine und mittelständische Firmen ihre gesamte Online-Kommunikation über Googles Server-Netzwerk abwickeln können. Zum Paket gehören neben E-Mail ein Chat-System, ein Kalender sowie der Page Creator, mit dem sich Webseiten erstellen lassen. Sämtliche Dienste lassen sich unter der Domain des jeweiligen Unternehmens betreiben, so dass beispielsweise E-Mails nicht auf "@gmail.com", sondern auf "@firmaxxx.de" enden. Erscheinungsbild und Arbeitsweise der Online-Applikationen können über ein Web-Interface an die Corporate Identity angepasst werden.
Laut "Information Week" plant Google zudem, später im Jahr die Online-Textverarbeitung Writely sowie die Tabellenkalkulation Google Spreadsheets zu integrieren. Als direkte Konkurrenz zu Microsoft, die mit Office 2007 ganz ähnliche Lösungen zur Online-Zusammenarbeit anbieten wollen, sieht man sich bei Google dennoch nicht. Vielmehr sieht man das Google-Angebot als Online-Ergänzung der Office-Suite.
Während Google Apps for Your Domain für jedermann kostenlos nutzbar, da werbefinanziert ist, will das Unternehmen gegen Jahresende auch eine kostenpflichtige Premium-Version herausbringen – ohne Werbebanner, dafür aber unter anderem mit Telefon-Support.
Al Gore will TV-Demokratie
Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore will den demokratischen Geist des Internet auf das Fernsehen übertragen. Zwar habe das Internet eine große demokratisierende Kraft, sei aber bei weitem nicht so einflussreich wie das Fernsehen, so Gore bei einem Treffen mit britischen TV-Managern.
"Wir müssen einen Weg finden, den Zuschauern über das Internet einen Zugang zum öffentlichen Forum Fernsehen zu ermöglichen", sagte Gore. Nach seiner Meinung taugt das Internet trotz seiner enormen Popularität noch nicht zum Massenmedium. Das Problem sei die paketvermittelte Datenübertragung, da damit keine Echtzeit-Übertragungen an ein Millionenpublikum möglich sei. "Die Datendichte einer halbstündigen Fernsehsendung entspricht einem halben Jahr intensiven E-Mail-Austauschs," so Gore. Deshalb wird das Internet sich zwar im TV-Bereich breitmachen, jedoch bei weitem nicht den Umbruch bringen, den sich einige davon erhoffen.
Ärger um Ubuntu
Nicht nur Microsoft hat Ärger mit Updates, auch einige Ubuntu-User mussten sich vergangene Woche in den Reigen der Kaputtgepatchten einreihen.
Anfang der Woche hatte die Herstellerfirma Canonical versehentlich ein fehlerhaftes Update für Ubuntu 6.06 LTS online gestellt. Anwender, die diesen Patch auf ihr System losließen, konnten die grafische Benutzeroberfläche nicht mehr starten. Stattdessen mussten sie mit einer simplen Kommandozeilenoberfläche vorlieb nehmen.
Mittlerweile jedoch hat die Firma ein Update zum Update bereitgestellt, das sich auch über die Kommandozeile einspielen lässt. Wie das geht, wird auf einer eigens dafür eingerichteten Homepage erklärt (auf die man von der Kommandozeile aus mangels Browser freilich keinen Zugriff hat). Sollte das System jedoch derart stark beschädigt worden sein, dass beim Start nur noch ein Bluescreen erscheint, hilft nur noch eine aufwendige Systemwiederherstellung. Das entspräche zwar sicherlich nicht der Einfachheit, derentwegen man Ubuntu nutze, wäre aber in diesem Fall der beste Weg, so heißt es beim Hersteller. Der Ubuntu-Finanzier Mark Shuttleworth nahm den Vorfall zum Anlass, sich persönlich für den Fehler zu entschuldigen, sieht darin jedoch auch die Chance, das Qualitätsmanagement von Ubuntu zu verbessern.
Montag ist Merom-Tag
Der Radiowecker für das Internet-Zeitalter
Den Berichterstattern fällt es schwer, das neue Gadget einzuordnen, das ein Entwickler-Team am Wochenende im Rahmen des FOO Camp (Friends Of O'Reilly) erstmals der Öffentlichkeit präsentierte. Christine Herron bezeichnet es als den "Anti-iPod" weil es so hässlich und gleichzeitig so offen ist. Michael Arrington von "TechCrunch" hingegen nennt es schlicht ein "Informationsgerät," während die Entwickler selbst auf ihrer Homepage einfach nur sagen "Chumby ist anders".
Dabei stimmen die technischen Daten des "Chumby" getauften Geräts mit einer Vielzahl handelüblicher Billig-PDAs überein: 266 MHz-Prozessor von ARM, 32 MB SDRAM und ein Display mit 320 x 240 Bildpunkten. Das aber ist auch schon das Ende der Gemeinsamkeiten. Einmal mit Strom versorgt, soll die Auswahl des Menüpunkts "Trust the Chumby" genügen, um das Gerät via WLAN mit dem Internet zu verbinden. Von dort belädt man den Chumby sodann mit kleinen Flash-Applikationen, die, ganz dem Trend folgend, als "Widgets" bezeichnet werden. Derzeit besonders beliebt: eine Digital-Uhr, ein Foto-Betrachter für flickr sowie ein Client für Google News.
Das wirklich Außergewöhnliche an Chumby ist jedoch, dass ihn seine Entwickler komplett offen gestalteten. Source Codes und Schaltpläne sind Open Source bzw. stehen unter Creative Commons-Schutz. Anwender werden ausdrücklich dazu aufgefordert, sich in das Gerät zu hacken und neue, auch kommerzielle, Applikationen zu entwickeln. Noch allerdings kann man Chumby nicht kaufen. Wenn es soweit ist, soll der Preis bei 150 US-Dollar liegen und eine Auswahl kostenloser Widgets enthalten. Wer mehr will, soll über einen Abo-Dienst mit Software-Futter versorgt werden.
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