Von Holger Dambeck
Was bedeutet diese Meldung?
Mitunter unverständliche Warnungen erzeugt der neue Internet Explorer 7, zum Beispiel wenn man sich den Quelltext einer Webseite ansehen will. "Eine Website möchte Webinhalte mithilfe dieses Programms auf dem Computer öffnen", bekomme ich zu lesen, und dass nun dieses Programm, übrigens der Editor, "außerhalb des geschützten Modus" geöffnet werde. Das Anzeigen von Quelltext als potentielles Sicherheitsrisiko: Hier übertreibt Microsoft und macht den Anwender, der das erkennt, zugleich leichtsinnig, weil Warnungen irgendwann nicht mehr ernst genommen werden.
Der Internet Explorer 7, seit einigen Tagen auch für XP verfügbar, macht im Vergleich zu seinem antiquierten Vorgänger IE 6 eine gute Figur, was allerdings auch keine große Kunst ist. Neu sind unter anderem Tabbed Browsing und ein eingebauter Phishing-Filter, der allerdings nur funktioniert, wenn man ihn einschaltet und damit jede Webadresse vor dem Anzeigen der Seite von einem Microsoft-Server überprüfen lässt.
Falls eine URL als Phishing-Seite bekannt ist, bekommt man statt einer gefälschten Bankseite eine Warnung zu sehen. Bei zwei aktuellen Phishing-Seiten, die ich ausprobiert habe, schlug der Filter nur einmal Alarm - die Fake-Seite der Citibank wurde als solche ausgewiesen. Die gefälschte Volksbank-Login-Seite war jedoch zugänglich. Surfer können Phishing-Seiten, die ihnen auffallen, mit wenigen Mausklicks an Microsoft melden.
Mit Firefox, der tadellos unter Vista läuft, ist man übrigens nicht vor Phishing geschützt - zumindest nicht durch Microsoft. Der Filter ist an IE 7 gekoppelt, nach dem Motto: Es wäre ja noch schöner, wenn man die Konkurrenz sicherer machen würde.
Dass Microsoft sehr wohl auch mit Firefox umgehen kann, zeigt der Jugendschutzfilter. Der blockiert anstößige Seiten oder zumindest das, was man in den USA dafür hält, auch unter Firefox. Es geht also, wenn man nur will.
Die Hardwarehersteller freut's
Der Härtetest für den neuen Phishing-Filter steht aber noch bevor: Wird er schnell genug aktualisiert, um Phishing-Wellen zu stoppen? Überhaupt lässt sich derzeit nur schwer sagen, ob Microsoft mit Vista in Sachen Sicherheit tatsächlich der große Wurf gelungen ist. Die Entwickler haben ohne Frage eine Menge getan und aus konzeptionellen Fehlern der Vorversionen gelernt.
So imitiert Vista auch Schutzmechanismen aus der Natur, indem es Biodiversität simuliert. Programmteile, die häufig Ziel von Viren sind, werden an unterschiedlichen Stellen im System "versteckt". Es gibt dadurch nicht mehr die Windows-Monokultur, sondern scheinbar verschiedene Vista-Varianten, was Schädlingen ihr böses Tun erschweren soll. Ob das neue Sicherheitskonzept aufgeht, wird sich in den kommenden Monaten und Jahren zeigen.
Der Erfolg von Vista scheint jedoch so oder so programmiert, denn sobald alle Hersteller ihre neuen PCs nur noch mit Vista bestücken, wird das neue Betriebssystem sich durchsetzen. So war es zumindest bisher. Vista gilt unter Hardwareherstellern sogar als lang ersehntes Konjunkturprogramm: Endlich gibt es ein Betriebssystem, das auf den alten Kisten nicht mehr läuft. Was will man mehr?
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