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Netzwelt-Ticker Soldat, Du sollst nicht bloggen!

Web sei Dank unterlaufen Soldaten in Massen die Zensur der US-Armee. Das will die sich nicht länger ansehen. Außerdem im Überblick: China will Kids aus Internetcafes werfen, die CD soll sterben, ein fettes Foto und mehr.

Marines plätten Blogs

Wachsam: ein US-Soldat in Afghanistan. Wachsam ist auch sein Arbeitgeber
AFP

Wachsam: ein US-Soldat in Afghanistan. Wachsam ist auch sein Arbeitgeber

Als im Jahr 2003 US-Truppen in den Irak einmarschierten, war das Medieninteresse riesig. Rund 770 sogenannte "embedded Reporters" berichteten direkt von der Frontlinie. Heute, drei Jahre später, sind davon nur neun übrig. Der Rest widmet sich längst anderen Themen. Das man sich dennoch weiterhin Informationen aus erster Hand besorgen kann, liegt daran, dass eine Vielzahl der meist sehr jungen amerikanischen Soldaten im Irak ihre Freunde und Familie über Weblogs von ihren Erlebnissen zwischen Euphrat und Tigris berichtet. Doch auch diesen Informationsfluss will das US-Militär einem "Wired"-Bericht zufolge stoppen.

Die sogenannten Milblogs sind den Strategen ein Dorn im Auge. Getreu dem uralten Leitsatz "Loose lips sink ships" fürchten sie, durch das Mitteilungsbedürfnis der eigenen Soldaten könnten sensible Informationen nach außen dringen. Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten durchforstet deshalb ein zehnköpfiges Team der Virginia National Guard die Blogs der Soldaten nach sicherheitsrelevanten Regelverstößen. Angeleitet werden sie dabei von der Army's Web Risk Assessment Cell (AWRAC). Zu tun haben die Aufpasser offenbar genug. Laut "Wired" gibt es derzeit 1200 aktiv bloggende US-Soldaten im Irak.

Das allerdings nicht nur Milblogger unter Beobachtung der Militärs stehen, zeigt eine Meldung der Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Diese weist darauf hin, dass der AP-Fotograf Bilal Hussein bereits seit April dieses Jahres ohne Anklage von den Militärs festgehalten wird. Die Agentur fordert bereits seit längerem, das Militär solle ihren Mitarbeiter entweder auf freien Fuß setzen oder eine konkrete Anklage gegen ihn erheben.

R.I.P. CD

"Die CD ist tot". Dieses denkwürdige Statement gab Alain Levy, CEO und Vorstandsvorsitzender von EMI Music, an der London Business School zum Besten. Gemeint hat er damit allerdings nur die schlichte Standard-CD. Nach seiner Meinung ist der einzige Weg, noch physikalische Datenträger an den Käufer zu bringen, die Beigabe attraktiver Extras. Dann aber sieht er durchaus noch Hoffnung. Schließlich werde man "seiner Großmutter nicht einen iTunes-Gutschein zu Weihnachten schenken," so Levy. Dumm nur, dass in einer CD-Hülle so wenig Platz ist. Da hatte man es zu Zeiten der Vinyl-Schallplatten leichter, billig gedruckte Poster und Booklets in den Plattenhüllen unterzubringen und als großartigen Mehrwert zu verkaufen.

Unklarheit um Vista EULA

Mit EULAs regeln Software-Hersteller, welche Rechte und Pflichten sie den Anwendern ihrer Produkte einräumen. Dabei lassen sie kaum einen Aspekt aus. Die EULA zum kommenden Microsoft-Betriebssystem Windows Vista ist immerhin 14 Seiten lang und wird von den meisten Anwendern wahrscheinlich routinemäßig weggeklickt, wenn sie vor der Installation auf dem Bildschirm erscheint.

Einige wenige machen sich aber dennoch die Mühe, das Vertragswerk zu studieren und sind dabei auf einen Passus gestoßen, der PC-Bastlern Kopfschmerzen bereit. Darin heißt es, dass der erste Nutzer der Software die Lizenz einmal auf ein anderes Gerät übertragen kann. Die Enthusiasten fürchten nun, dass sie bereits bei der zweiten Modifikation ihres selbst gebauten Rechenknechts, etwa dem Einbau einer neuen Grafikkarte, nachdem sie zuvor bereits die Festplatte ausgetauscht haben, gezwungen sein könnten, eine neue Lizenz zu erwerben.

"TechWeb" bat den Hersteller um Aufklärung und bekam die wenig erhellende Antwort, Vistas Lizenzschlüssel-System sei erheblich toleranter als jenes von Windows XP und würde eine Neu-Aktivierung beziehungsweise den Kauf einer neuen Lizenz nur dann erforderlich machen, wenn signifikante Änderungen der Hardware erkannt würden. Sonderlich konkret ist nun leider auch diese Antwort nicht. So bleibt nur zu hoffen, dass der Microsoft-Support seine bisherige Geschäftspraxis fortsetzt, PC-Bastlern auf telefonische Anfrage kostenlos einen neuen Lizenzschlüssel durchzugeben. Die Chancen dafür stehen allerdings nicht schlecht, denn laut Microsoft soll auch künftig mit solchen Fällen ähnlich verfahren werden wie bisher. Die harsche und missverständliche Formulierung in der EULA will der Hersteller allerdings nicht ändern.

China will Kinder vor dem Internet schützen

Die chinesische Regierung sieht großen Nutzen im Internet – zumindest wenn es zu Bildungszwecken oder für Geschäftliches genutzt wird. Kinder hingegen sollten sich nach Ansicht chinesischer Politiker lieber von diesem Tummelplatz der Großen fernhalten. Zu groß, so die Befürchtung, sei das Suchtpotential.

Insbesondere Online Games halten die Parlamentarier für eine mögliche Gefahrenquelle. Der Vorsitzende des Kommitees für Gesetzentwürfe im chinesischen Nationalkongress, Yang Jingyu, sprach vor seinen Kollegen von einer "negativen Rolle", welche das Web in der Entwicklung der Jugendlichen spielen würde. Entsprechend hat er einen Gesetzentwurf eingebracht, der es vorsieht, Jugendlichen unter 18 Jahren das Betreten von Internetcafes zu untersagen.

Einige seiner Kollegen halten ein solches Gesetz allerdings für nicht durchsetzbar, heißt es bei AFP. So zweifelt Yangs Parlaments-Kollege Ye Rutang an, dass man 16-Jährige, die bereits eigenes Geld verdienen und mit dem Internet vertraut sind, davon abhalten könne, Internetcafes zu nutzen. Zudem, so die Befürchtung, würde durch einen solchen Bann die Chance verpasst, Jugendliche schon früh daran zu gewöhnen, das Internet als Informationsquelle zu nutzen.

Fettes Foto

Als neues Mitglied im Club "größer, schneller, breiter" begrüßen wir heute das wahrscheinlich größte Digitalfoto des World Wide Web. Das Bild zeigt das Fresco "Parete Gaudenziana" aus der Kirche Santa Maria delle Grazie im italienischen Varallo Sesia.

Laut "Slashdot" wurde das Megafoto aus 1145 Einzelaufnahmen mit einer Gesamtgröße von 84 Gigabyte zusammengesetzt. Damit beträgt seine Auflösung satte 8,6 Gigapixel. Das reicht aus, um von einer Gesamtansicht des mehr als einhundert Quadratmeter umfassenden Frescos bis in feinste Details hinein zu zoomen. Allein die Bildverarbeitung dieser Datenmenge nahm drei Monate Rechenzeit in Anspruch. Auf die Anlieferung der gewünschten Bildausschnitte muss man, eine schnelle Breitbandverbindung vorausgesetzt, glücklicherweise nicht solange warten. Für die Aufbereitung der Daten wurde ein dicker Server mit vier Doppelkern-Server-Prozessoren, 16 GB Arbeitsspeicher sowie 1,8 Terabyte Plattenspeicher bereitgestellt. Das sollte eine Weile reichen.

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