Von Felix Knoke
Phisher in den Knast
Das FBI hat im Rahmen der Operation Cardkeeper mehr als ein Dutzend Mitglieder einer Online-Community festgenommen, die über das Internet mit Identitäten handelten - womit in den USA gemeinhin Sozialversicherungsnummern, Kontodaten und Kreditkarten gemeint sind. Die Beschuldigten kamen aus den Vereinigten Staaten und Polen, die geklauten Daten aus Phishing-Raubzügen. Bei der Auflärung, so zitiert Washingtonpost.com einen FBI-Mann, seien fortgeschrittene Techniken eingesetzt worden "wie nie zuvor." Cyberkriminelle könnten sich auch nicht mehr hinter Grenzen verstecken, um ihre illegalen Geschäfte zu betreiben.
Phishing gilt als eine der größten Gefahren im Netz. Vor allem über E-Mails werden unbedarfte Internet-User auf gefälschte Bankseiten gelockt, wo sie angeblich ihre alten Kontodaten auffrischen sollen – natürlich nicht ohne zuvor ihre alten bekannt zu geben. Mit den so erhobenen Daten gehen die Phisher dann online auf Einkaufstour oder nutzen die Daten für gefälschte Karten. Die neuen Versionen von Firefox 2 und Internet Explorer 7 kommen standardmäßig mit einem Phishing-Schutz, der vor gefälschten Websites warnen soll. Denn derer gibt es viele! Im August waren Zehntausend dieser Betrugsseiten bekannt – doppelt so viele wie im Januar.
2004 hatten das FBI und der US-Geheimdienst die Phishing-Bande Shadowcrew und das Phishing-Forum Carderplanet infiltriert, ausgehoben und dabei 28 Personen festgenommen, die mit insgesamt mehr als 1,7 Millionen geklauten Kreditkartennummern handelten.
Microsoft: Filme und Fernsehen über Xbox Live
Microsoft hat am Montag bekanntgegeben, man werde ab dem 22. November Filme über den Downloadservice von Xbox Live vermieten und TV-Shows verkaufen – womit Microsoft auf einen ähnlichen Service von Apple reagiert. Über den Xbox Live Marketplace sollen Filme wie "Superman Returns" oder "Jackass: The Movie" in HD-Qualität herunterladbar sein. "South Park und "CSI: NY" werden von Reuters als Beispiele für TV-Shows angegeben. Dazu sei allerdings die Xbox 360-Variante mit Festplatte vonnöten. Das Angebot richtet sich an die bereits vier Millionen Xbox-Live-Abonnenten.
Ist ein Film einmal heruntergeladen, haben Microsoftkunden zwei Wochen Zeit, ihn anzuschauen – behalten können sie ihn dann jedoch nur für weitere 24 Stunden. Die Fernsehsendungen können jedoch unbegrenzt gespeichert werden. Bis Ende 2006 will Microsoft über 1000 Stunden Videomaterial über Xbox Live anbieten – das sei jedoch nur ein erster Schritt, so Scott Henson, oberster "Plattform-Stratege" bei Microsoft. Wie viel das Angebot kosten wird, wurde nicht bekanntgegeben.
Wikipedia-Müllhalde
Der Wikipedia ihr eigenes Erfolgsrezept vorzuhalten ist müßig. Dass theoretisch jedermann einen Eintrag zur Online-Enzyklopädie hinzufügen oder einen verändern kann, öffnet Missbrauch natürlich Tür und Tor. Aber das ist gewollt – erst durch Austausch, durch Korrektur und Verwerfungen entsteht so eine offene und flexible Wissensplattform, die Realität vielleicht besser abbilden kann als ihre gedruckten Alternativen. Daran rüttelt auch der neuste Wikipedia-Skandal wenig.
Ein als "Lesenswerter Artikel" eingestufter Text über eine obskure Theorie – die menschliche Persönlichkeit sei eine Kombination aus Perfektionismus, Narzissmus und Aggression – stellte sich als so genannter "vanity artikel" heraus. Der Eintrag wurde vom Verfasser der Theorie selbst eingereicht. Auf dessen Webseite macht dieser wiederum Werbung für sich selbst mit dem Wikipedia-Eintrag. Zudem wurden im Text falsche oder irreführende Angaben gemacht – unter anderem deswegen wurde der Text ersatzlos gestrichen. Eigentlich kein großes Thema, aber leicht aufzubauschen, wie Ars Technica recht lesenwert einige Blogger kritisiert.
Dass aber die Wikipedia eben keine immer nur anwachsende Sammlung von Wissen, Trivia – und eben Nonsens – ist, zeigt das Wikidump-Blog des Populärwissenschaftsautors Clifford Pickover, dessen Reality Carnival übrigens auch eine sehr nette Linksammlung für Themen zwischen Wissenschaft, Esoterik und höherem Blödsinn ist.
Im Wikidump, der Wikipedia-Müllhalde, veröffentlicht Pickover seit ein paar Tagen all die seltsamen, absurden oder schlicht irrsinnigen Einträge, die ihm beim Durchstöbern der "Gelöscht"-Liste der Wikipedia in die Hände fallen. "Songs über Haare", seltsame Partyspiele oder einen Beitrag über "Besoffen Bloggen". Wer mehr Beispiele kennt, soll sie ihm schicken!
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