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09.11.2006
 

Microsofts radikaler Deal

Musikindustrie verdient an Hardware

Microsoft und Universal Music haben eine Vereinbarung angekündigt, die bisherige Vergütungsmodelle auf den Kopf stellt: Universal soll einen Anteil an dem bekommen, was der Verkauf von Microsofts Zune-Audioplayer einbringt - die Musikbranche verdient erstmals an Hardware.

Im Grunde ist der Schritt aus Sicht der Musikbranche folgerichtig: Viele Menschen kaufen keine Platten oder CDs mehr, sondern beziehen Songs aus dem Netz, bislang vor allem über Apples iTunes - oder auf anderen, illegalen Wegen. Die Abspielgeräte, in den USA vor allem iPods, werden damit gewissermaßen selbst zu Tonträgern: Die tragbaren Riesen-Festplatten enthalten die kompletten Musik-Archive ihrer Besitzer. Bei Apple verdient die Branche nur an verkauften Songs - Microsoft will zumindest Universal nun auch am Verkauf der hauseigenen Player verdienen lassen. Am 14. November soll Zune in den USA auf den Markt kommen.

Zune: Revolutionär - zumindest was das Geschäftsmodell angeht
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AFP

Zune: Revolutionär - zumindest was das Geschäftsmodell angeht

Bislang ist die tatsächliche Summe, die vom Hardware-Hersteller zum Content-Hersteller wandern soll, allerdings vergleichsweise bescheiden: Jeweils einen Dollar von den 250 Dollar, die ein Zune-Player kosten soll, will Microsoft angeblich an Universal überweisen. Das Label wiederum will davon etwas an seine Künstler weitergeben. Einen Anteil an den Erlösen der Musik, die über die eigene Plattform im Internet verkauft wird, muss Microsoft den Plattenfirmen natürlich weiterhin zusätzlich zahlen.

Für Apple ist der Deal eine schlechte Nachricht. Der Hersteller erzielte mit dem Verkauf seiner iPods in den vergangenen Jahren Traumgewinne - von denen die Musikindustrie nichts zu sehen bekommt. Apple profitiert vor allem vom Verkauf der Hardware - die Songs aus dem Netz sind für den Hersteller kein allzu lukratives Geschäft. Schon seit längerem kritisieren die Plattenfirmen die restriktive Preispolitik von Apple, die nur einen einzigen Preis für alle Songs zulässt: 99 Cent in den USA, 99 Eurocent in Europa. Aus Sicht der Musikbranche drückt Apple mit seinem Quasi-Monopol Bedingungen durch, die vor allem dem Verkauf der eigenen Hardware dienen - und den Plattenfirmen nicht passen.

Die "New York Times" zitiert heute eine Studie, derzufolge pro iPod nur etwa 20 Songs über iTunes verkauft werden. Woher der Rest der vielen Hundert Stücke kommt, die auf einem iPod Platz haben, darüber kann man nur spekulieren. Sicher rippen viele Nutzer ihre private CD-Sammlung - ein Großer Teil der digitalen Musik dürfte aber auch über privaten Tausch oder illegale Netz-Tauschbörsen ihren Weg auf die tragbaren Festplatten finden. Daran verdient die Musikbranche nichts. Eine Geräteabgabe, die über Hardwareverkäufe wieder Geld in die Kassen bringt, muss da als attraktives Verdienstmodell erscheinen. Microsofts ungewöhnlicher Schritt kann also auch als direkte Attacke auf den Konkurrenten Apple verstanden werden - die Musikbranche wird Microsoft plötzlich viel sympathischer finden.

Ein in gewisser Weise ähnliches Modell gibt es in Deutschland übrigens schon längst: die Geräteabgabe, etwa auf Kopierer. Für jedes zum Kopieren geeignete Gerät führen die Hersteller eine bestimmte Summe an Verwertungsgesellschaften ab, die Autoren, Künstler, Musiker und andere Kreative vertreten. Auch MP3-Player sind davon betroffen. Im Augenblick wird über eine Revision des Urheberrechts verhandelt - die künftige Gestaltung dieser Geräteabgabe im Zeitalter der digitalen Kopie ist dabei einer der zentralen Streitpunkte.

Microsoft hat angekündigt, auch mit anderen Musikfirmen ähnliche Verträge wie mit Universal abschließen zu wollen. Man brauche die Unterstützung der Branche für das neue Gerät, sagte ein Microsoft-Sprecher der "New York Times". Deshalb knüpfe man nun "Geschäftsbeziehungen auf einer höheren Ebene". Der ehemalige Plattenmogul David Geffen - das nach ihm benannte Label gehört heute Universal - sagte dem Blatt: "Das ist definitiv ein Paradigmenwechsel."

cis

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