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21.11.2006
 

Netzwelt-Ticker

Office 2007 mit Selbstzerstörung?

Von Felix Knoke

Ein sogenannter Killswitch könnte das neue Office-Paket von Microsoft lahmlegen, wenn es illegal genutzt wird. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Ein superflaches LC-Display, immunisierte Blogger und Apples Star-Trek-Touchpad.

Samsung erfindet superflaches LC-Display

Samsung hat ein LCD-Display vorgestellt, das mit weniger als einem Millimeter Dicke wohl das dünnste Display dieser Art sein dürfte. Das im Gegensatz zu "elektronischem Papier" starre Display ist mit gerade einmal 0,82 mm so dick wie eine Kreditkarte, schafft eine Auflösung von 320x240 Pixeln, eine Helligkeit von 300 Nits (Candela pro Quadratmeter) und einen Kontrast von 500:1. In der zweiten Hälfte 2007 soll das Display in die Massenherstellung gehen – und dann zum Beispiel in ultradünnen Handys oder Kameras zum Einsatz kommen. Dort, so TGDaily weiter, fände dann auch eine weitere Samsung-Erfindung ihre Heimat: i-Lense, eine durchsichtige Schutzschicht, die das LCD-Display zum Beispiel vor Fettfingern schützt – und direkt auf dem Display befestigt werden kann. Heute seien durchschnittlich zwei bis drei Millimeter Platz zwischen Display und Schutzschicht.

Creative schaltet Radios wieder an

Nachdem Creative Labs – wohl aus Angst vor der amerikanischen Plattenindustrie und deren Urheberrechtsansprüchen –, die Funktion zur Aufnahme von Radiosendungen zahlreicher tragbarer MP3-Player per Firmware-"Upgrade" deaktivierte, kehrt diese nun laut epiZENter.net zumindest auf dem Vision:M von Creative wieder zurück. Ob die Radioaufnahmen nun auch auf den anderen verkrüppelten Playern zurückkehren, weiß epizenter.net leider nicht.

Gibt's einen Killswitch für Office 2007?

Zwei Artikel bei ZDNet und Techweb gehen der Frage nach, ob Microsoft in Office 2007 nun einen sogenannten Killswitch eingebaut hat, mit dem das Programm von Redmond aus gegen Users Willen abgeschaltet werden kann – zum Beispiel beim Verdacht auf eine illegitim erworbene Kopie. ZDNet ist sich sicher: "Ja, in Office 2007 gibt es einen Killswitch", Techweb hingegen posaunt: "Microsoft dementiert Killswitch in Office 2007". Ja, was denn nun? Beide haben Recht – irgendwie.

Windows Vista wird das Tool "Software Protection Platform" mit sich führen. Gibt ein Vista-User die Seriennummer nicht ein oder wird die Seriennummer, mit der ein User Vista freischaltete, als (vermeintlich) unrechtmäßig erworben erkannt, schaltet Windows in einen Notfallmodus – nur noch der Internet Explorer funktioniert. Und das auch nur für eine Stunde pro Start.

Office 2007 ist hingegen nicht von Außen abschaltbar – sondern fällt lediglich 25 Tagen nach nicht erfolgter Freischaltung in einen Modus eingeschränkter Funktionalität. Das Paket arbeitet dann nur noch wie ein Dateibetrachtungsprogramm ohne Edit– und Speicherfunktion. Aber: Microsoft hat auch ausdrücklich festgehalten, dass eine Art Killswitch nachträglich eingebaut werden könnte.

Kalifornisches Gericht immunisiert Blogger

Gleichsam kollektiv immunisiert wurden amerikanische Blogger durch ein Urteil des Obersten Gerichts von Kalifornien. Dieses stellte fest, dass Individuen, die das Internet zur Verbreitung von Informationen einer anderen Quelle benutzen, nicht dafür haftbar gemacht werden können, wenn das Material als verleumderisch betrachtet wird.

Dieses Urteil unterstützt laut Reuters ein Gesetz, das Individuen von Schuld befreit, wenn sie eine verleumderische Nachricht lediglich weiterleiten, aber nicht deren Quelle sind, und erweitert dessen Wirksamkeit auf Internetdienste wie Provider, Blogger und Aktivisten-Websites.

Apple mit mechanischer Touchpad-Maske

Während Applefans gespannt auf die Ankündigung des iPhones warten, scheint man in Cupertino an viel interessanteren Projekten zu arbeiten. Zum Beispiel den nun aufgetauchten mechanischen Touchpad-Masken, mit denen Apple Display und Controller vereinen – oder zumindest den "greifbaren" Controllern ein Comeback verschaffen könnte.

Die Patentschrift, die Appleinsider.com aufgestöbert hat, zeigt Skizzen eines Touchpads, auf das Masken aufgelegt werden können – zum Beispiel ein Audio-Equalizer mit Schiebereglern, eine Pianotastatur oder ein herkömmliches Keyboard – mit dem das Touchpad gezielt angesprochen werden kann. Doch statt eines herkömmlichen Touchpads könnten diese mechanischen Masken auch auf Touchscreens aufgelegt werden – und dann ein audiovisuelles Feedback zu den Eingaben des User geben. Das wäre dann weniger Star Trek Next Generation mit all den Touchscreens, sondern mehr Raumschiff Orion: mit Drehknöpfen, Schiebereglern und Schalter.

Wurm richtet Unheil in Second Life an

Die virtuelle Welt "Second Life" musste am Sonntag für eine Viertelstunde heruntergefahren und von einer Wurm-Attacke bereinigt werden, welche die Server der Betreiber zusammenbrechen ließ. Der Wurm war eine Online-Variante der selbst-replizierenden Nanoroboter, die in den Angstphantasien von Science-Fiction-Autoren irgendwann einmal die ganze Welt in grauen Schleim verwandeln könnten. Doch statt grauem Schleim produzierte der Wurm rotierende Goldringe, die sich auf Berührung selbst vermehrten.

Das alles passiert, noch während die höchst reale Wirtschaft im virtuellen Second Life von einer Ingame-Software heimgesucht wird, die jedes erdenkliche Item – bis hin zur Spielerfigur – klonen kann. In einer Welt, in der man mit virtuellen Waren handelt, ist der Copybot natürlich eine ernsthafte wirtschaftliche Bedrohung, man könnte mit herben digitalen Gegenmaßnahmen von Seiten Linden Labs rechnen. Aber weit gefehlt: Managementsysteme für digitale Rechte (DRM) funktionieren nicht, heißt es von Philipp Rosedale, dem Geschäftsführer der Second-Life-Betreiber. Man wolle vielmehr auf kurze Sicht gegen einzelne User-Profile vorgehen, da der Copybot gegen die Nutzungsbestimmungen verstoße – und auf lange Sicht einzelne User und deren Aktionen besser rückverfolgbar machen.

Viel interessanter ist da jedoch die Ankündigung, dass in Teilen von Second Life Regeln und Abkommen zu geistigem Eigentum quasi autonom von den Usern aufgestellt werden können. Damit könnte Second Life mit seinen derzeit über 1,5 Millionen Usern zu einem höchst interessanten Versuchsfeld für neue Copyright-Ideen werden, wie Wired spekuliert.

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