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23.11.2006
 

Netzwelt-Ticker

Lebenslange Haft wegen Porno-Seite

Von Felix Knoke

Die NASA baut den Mond nach, Firefox und IE7 teilen sich ein Sicherheitsloch, Tauschbörsen sind in fünf Jahren tot und der Betreiber einer chinesischen Pornoseite muss lebenslang in Haft. Das und mehr im Überblick.

Neuer Chip I: Aus Hitze mach Elektrizität

Auf einer Präsentation in London stellte das Öko-Unternehmen Econo letzte Woche mit viel Getöse einen Computerchip vor, der Hitze mit einem Wirkungsgrad von 20 bis 30 Prozent in elektrische Energie umwandeln und sich selbst bei Stromzufuhr auf bis zu -200 Grad herunterkühlen kann. Oder besser: können soll, wie Green Business News auf sicherem Boden zu bleiben versucht. Man sei bereits mit der NASA in Verhandlung – im Weltraum kommen solche Systeme bereits im großen Maßstab zum Einsatz. Für portable Systeme wie Handys oder Laptops könnten die von Econo vorgestellten Chips aber eine wirkliche Revolution darstellen: Hitze fällt in solchen Geräten immer zu viel an, Akkus sind als Stromversorgung schwer und teuer.

Neuer Chip II: Eingebaute Wasserkühlung

Das Thema Chipkühlung hat Konjunktur. Jetzt hat es laut TGDaily.com auch Speicherbausteine getroffen. Wo bisher doch nur Extrem-Übertakter den Hauptprozessor und die Grafikkarte per Wasserkühlung besänftigten, hat Speicherhersteller OCZ nun die eigenen Highend-Speichermodule um Schlauch und Flüssigkeit erweitert. Heraus kommt eine seltsame Rucksackkonstruktion, die ebenso groß ist wie der Speicherriegel selbst. Per "Liquid Injection System" – wohl eine flüssigkeitsgefüllte Spritze mit Kanüle – kann man aus dem passiven Kühler einen aktiven machen und so die mit 1150 MHz getakteten DDR2-Module auf angenehme Temperaturen runterkühlen – um sie dann per Übertaktung wieder zum Kochen zu bringen.

NASA testet Game-Engine für virtuelle Welten

Ob die Unreal Engine das packen wird? Bisher zeichneten Spieldesigner mit dieser Grafikengine vor allem Welten, auf denen sich Außerirdische und Menschen eins auf die Mütze geben. Aber jetzt hat Daniel Laughlin, Projektmanager im Büro für Lerntechnologien der NASA in einer Rede im virtuellen Raumflug-Museum der Onlinewelt Second Life mitgeteilt, dass man mit Hilfe eines professionellen Gamedesigners, zweier Universitäten, zweier NASA-Abteilungen – und der Unreal 3 Engine – bis 2007 ein Konzept über eine "synthetische Trainingswelten auf wissenschaftlicher Basis" erstellen will. Der Mond soll so bis 2020, der Mars bis 2035 nachgebaut sein, so ein Slashdot-Autor. Kommentatoren auf Slashdot haben derweil Angst um zukünftige Astronauten. Einerseits sei es zwar gut, dass die NASA nicht die Doom3-Engine einsetze, da diese nur waffenstarrende Zombies auf dem Mars darstellen könne. Auf der anderen Seite sei doch jedem klar, dass dafür auf dem Mond die Aliens leben, die unsere mittlerweile lieb gewonnene Erde zerstören oder erobern wollen. Muss die NASA also in Zukunft auf Freiwillige verzichten?

Sicherheitslücke in Firefox und Internet Explorer (+ OSX)

Geteiltes Leid ist doppeltes Leid – mit einem doch recht simplen Trick können Hacker sowohl dem neuen Firefox 2 als auch dem Internet Explorer 7 ein Passwort entwenden. Dazu müsse eine gefälschte Login-Seite angezeigt werden, die der Browser dann höchstselbst mit den im Passwort-Manager gespeicherten Zugangsdaten füttert. Auf MySpace.com sei dieser Exploit bereits im Einsatz, es könnte aber jeden Blog oder jedes Forum treffen, das HTML-Code von Usern zulässt. Ein ähnlicher Hack hatte bereits letzte Woche Sicherheitsexperten beunruhigt, die aktuelle Variante ist aber noch perfider, wie ZDnet mit Verweis auf Netcraft beschreibt. User sollen also noch mehr als bisher aufpassen, wo sie ihre Daten und Zugänge eingeben und bei Unsicherheit lieber einen Tag auf ein Blogposting verzichten.

Derweil haben andere Sicherheitsexperten ein Loch im OSX-Code ausfindig gemacht, das die einen als höchst kritisch, die anderen als "nicht so schlimm" ansehen. Zwar könne – im Gegensatz zum letzte Woche aufgetauchten Exploit von .dmg-Files – der angegriffene Mac nur zum Absturz gebracht und nicht ganz vom Hacker übernommen werden. Doch für beide gilt, dass böswillige Hacker den Apple bisher in ihren Angriffen aussparten. Das sei aber kein Grund, sich zurück zu lehnen. Ein Angriff könnte jederzeit stattfinden, warnt Techweb.com.

Filesharing und Downloads in fünf Jahren tot!

P2P-Netzwerke oder illegale Downloadserver – in fünf Jahren ist das alles Geschichte. So zumindest die Siegvisionen des russischen Hörbuchanbieters Audiobooksforfree.com. Der bietet nun zunächst seinen kompletten Bestand von 600 Hörbüchern im DVD-Boxset an (vier bis fünf Jahre Laufzeit), will aber demnächst laut Gulli.com Sammlungen mit irrsinnigen 240 Jahren Laufzeit herausbringen – auch auf echten Speichermedien. Dagegen käme kein Downloaddienst der Welt an. Oder wie Gulli.com das bildlich ausdrückt: Man unterschätze nicht den Datendurchsatz eines LKWs voller Festplatten. Tatsächlich gibt es komplette Band-Discographien bisher nur bei Tauschbörsen. Komplettsammlungen einer Zeit, eines Genres oder dergleichen wären im legalen Betrieb natürlich ein aussichtsloses Unterfangen – allein die Rechte!

Aber das Audiobooksforfree-Angebot zeigt zumindest, wie man Kunden entgegenkommen kann. Wie bei Allofmp3.com gibt es die Hörbücher in verschiedenen Qualitäten. Von schlecht aber kostenlos über besser aber kostenpflichtiger Download bis zu höchste Qualität im Sammelpack als DVD-Set oder vorformatierte Festplatte in wählbarer Größe.

Und Gulli.com setzt hinterher: "Mit tendenziell ungewöhnlichen Datenträgerformaten glänzen die Russen auch im Audiobereich" und verweist auf den 20-GB-Player von Audiobooksforfree.com - in Form eines Kalaschnikow-Magazins. Begleitet von leicht beschürzten Ballerdamen und erschossenen iPod-Hörern im blutigen Werbeclip. Oh weh.

Lebenslange Haft für chinesischen Pornoanbieter

Pornographic Summer war bis zur Schließung im letzten Jahr die mit 600.000 zahlenden Kunden erfolgreichste chinesische Pornowebsite – vielleicht sogar die erfolgreichste Sex-Seite der Welt. Doch deren 28-jähriger Betreiber und acht seiner Mitarbeiter wurden nun von einem Gericht zu schweren Strafen verurteilt. Zwischen 13 Monate und zehn Jahre Haft hieß es für die Mitarbeiter, lebenslang für deren Chef. Grund für die Verhandlung war die – bei AFP nicht näher erklärte – Anschuldigung, die Betreiber hätten eine Krankenhaus-Website in eine pornographische Internetseite umgewandelt.

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