Von Matthias Kremp
Kollabiert iTunes?
Andrew Orlowski von "The Register" weiß, wovon er spricht, wenn er behauptet, Apple würde keine verlässlichen Zahlen über die Umsätze im iTunes Music Store herausrücken. Muss Apple aber auch gar nicht, denn Forrester Research hat sich die Mühe gemacht, die iTunes-bezogenen Kreditkarten-Umsätze der vergangenen 27 Monate zu analysieren. Das Ergebnis ist wenig erfreulich.
Laut Forrester sollen Apples Umsätze aus dem digitalen Musikverkauf seit Januar dieses Jahres um 65 Prozent gefallen sein.
Allerdings scheint dieses Phänomen nicht auf iTunes beschränkt zu sein. So hat Nielsen Soundscan laut "The Register" herausgefunden, dass es auch um die Umsätze der iTunes-Konkurrenten nicht besser bestellt ist. Der Forrester-Analyst Josh Bernoff warnt allerdings davor, diesen Zahlen zu viel Bedeutung zu geben, und führt an, es könne sich dabei auch schlicht um saisonale Schwankungen handeln.
Besonders irritierend ist, dass sich Apples Verkäufe von iPod-Musik-Playern während der von Forrester untersuchten Periode vervierfacht haben. Noch verwirrender wird das Ganze allerdings, wenn Bernoff ausführt, dass der durchschnittliche Haushalt pro Jahr für nur knapp drei US-Dollar online DRM-geschützte Musik kauft, aber 1,7 Musik-CDs online bestellt. Seine Schlussfolgerung: "Verkäufe via iTunes haben keinen Einfluss auf CD-Verkäufe."
Vielmehr seien die Möglichkeiten, an raubkopierte Musik zu kommen, mittlerweile so weit verbreitet, dass die Konsumenten keine Vorteile mehr in DRM-geschützten Titeln sähen. Wenn er Recht hat, sollte die Musikindustrie jetzt endlich anfangen, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie ihre taumelnden Umsätze retten kann. Mit Gerichtsverfahren und uniformen Casting-Kapellen dürfte das kaum zu schaffen sein.
YouTube erlaubt Kommentar-Manipulation
Um es noch mal zu wiederholen: Das, was das sogenannte Web 2.0 ausmacht, sind die Beiträge der Nutzer. Firmen wie YouTube gründen ihren Erfolg auf dieses Prinzip. Sie lassen sich von den Anwendern kostenlos mit Inhalten versorgen und erhalten ihre Glaubwürdigkeit wiederum daher, dass diese Inhalte von anderen Anwendern kommentiert und bewertet werden.
Bei YouTube scheint dieses Prinzip nun zu bröckeln. Wie die "New York Times" berichtet, gewährt die Video-Website Medienfirmen wie CBS Zugriff auf die Kommentare der Zuschauer. Von dieser Möglichkeit wird offenbar auch reichlich Gebrauch gemacht, und unliebsame Anmerkungen werden gelöscht.
Quincy Smith, Präsident von CBS Interactive, findet das vollkommen in Ordnung. Schließlich wolle man damit nur "profane und unkonstruktive Kritik" beseitigen, so Smith. Gerade diese Kommentare, so schreibt die "New York Times", seien es jedoch, die YouTube für viele Anwender attraktiv machen. Smith jedoch scheinen solche Einwürfe gleichgültig zu lassen, wenn er sagt, man wolle ja nur dafür sorgen, dass die Homepage ein wenig "sauberer" erscheint. Hört sich nach einem sauberen Eigentor an.
SMS 2.0
Wie "TechDigest" berichtet, plant die Firma LogicaCMG das SMS-System aufzubohren. Zwar seien die kurzen Textnachrichten nach wie vor enorm beliebt und ihre Zahl werde auch noch bis 2010 steigen, besonders modern sei das System aber nicht mehr. Abhilfe soll die SMS-Erweiterung MessagePlus mit verschiedenen Automatik-Funktionen bieten. So sollen Geschäftsleute damit per automatischer Antwort auf alternative Kontaktdaten und Kids auf ihre entleerten Handy-Akkus aufmerksam machen können. Zudem soll es eine automatische Umleitung von SMS-Nachrichten an E-Mail-Accounts, werbefinanzierte Kurznachrichten und noch einiges mehr geben.
Fette Notebook-Platte
Zwar hinken Notebook-Festplatten ihren Desktop-Kollegen in Sachen Speicherkapazität immer noch hinterher, aber der Abstand verringert sich. So hat Fujitsu nun angekündigt, ab Januar 2007 2,5 Zoll-Festplatten mit bis zu 300 Gigabyte Speicherkapazität in den Handel zu bringen. Möglich werden die derzeit stetig steigenden Kapazitäten durch die "Perpendicular Magnetic Recording"-Technologie, welche mehr Bits pro Quadratzentimeter auf die rotierenden Speicherscheiben quetschen kann. Als typischen Einsatzzweck der neuen Festplatten nennt der Hersteller multifunktionale Mobilrechner sowie digitale Fernsehgeräte mit Rekorderfunktion. Fujitsu traut sich zu, im kommenden Jahr 1,5 Millionen dieser Platten verkaufen zu können. Und wenn der Preis stimmt, vielleicht auch ein paar mehr.
Dell macht blau
Langsam, gaaaanz langsam, kommen HD-fähige Notebooks in die Regale. Nachdem Toshiba schon seit einiger Zeit ein Modell mit HD-DVD-Laufwerk anbietet, zieht Dell jetzt mit einem Blu-ray-Notebook nach. Vorläufig allerdings wohl nur in den USA. Dort kann man sich ab sofort das Gamer-Notebook XPS M1710 inklusive Blu-ray-Brenner bestellen. Einen nicht ganz schmerzfreien Aufpreis muss man dafür allerdings in Kauf nehmen. Auf 3699 US-Dollar hat der Hersteller den Obolus für das Grundmodell festgelegt. Das sind rund 950 US-Dollar mehr als ein nahezu identisch ausgestattetes Gerät mit DVD-Brenner kosten würde. Da muss man wirklich sehr scharf auf die scharfen Bilder von den wenigen bisher verfügbaren Blu-ray-Disks sein. Einem Dell-Mailing vom heutigen Morgen zufolge soll das XPS 1710 mit Blu-ray zu Preisen ab 2799 Euro auch hierzulande zu bekommen sein. Im deutschen Dell-Online-Shop war davon allerdings bis zum Mittag nichts zu sehen.
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Tech | RSS |
| alles zum Thema Netzticker | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH