Von Michael Ludwig
Die Kleinsten sind derzeit die Größten: Mit geradezu atemraubenden Zuwachszahlen erobern mobile Videospieler den deutschen Markt. Nach gut 300.000 verkauften Playern im Jahr 2006 erwartet die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) für 2007 eine Steigerung auf 550.000 Exemplare – das entspricht fast einer Verdoppelung und gegenüber 2005 (113.000 Stück) sogar einem Zuwachs um 400 Prozent.
Kein Wunder: Die Klein- Künstler im Zigarettenpackungs-Format sind vielseitig einsetzbar. Ein TV-Krimi verkürzt jede Bahnfahrt, ein Zeichentrick-Streifen beruhigt die Kleinen im Auto, und im Fitnessstudio erleichtert ein Action- Film das Training auf dem Laufband. Neben Videos spielen die Tausendsassas natürlich auch Musik und zeigen Fotos.
Acht der mobilen Player hat "video" getestet. Für Filmwiedergabe am besten vorbereitet sind der Archos 604 und der Cowon A2 mit ihren Displays im 16:9-Format. Der Bildschirm nimmt bei ihnen fast die gesamte Oberfläche ein; für die Bedienelemente bleibt nur wenig Raum. Mit einem 4:3-Display treten die Player von Epson, Thomson und Vosonic an. Apple und Creative wiederum setzen auf große Bedienelemente statt auf Display-Größe und trimmen ihre Geräte ansonsten auf maximalen Mitnahmekomfort: Beide Portis passen problemlos in die Jackentasche.
Speicherplatz satt
Rückschlüsse von der Gerätegröße auf das Speichervolumen sind nur bedingt möglich. Der kleinste Player im Test, der iPod, zählt mit 80 Gigabyte zu den Speicherriesen. Der breitbildige Cowon dagegen markiert mit nur 20 GB das untere Ende. Apple und Creative bieten ihre Player mit verschiedenen Speicherkapazitäten an. Bei Vosonic kann der Besitzer gar selbst zum Schraubendreher greifen und das 2,5- Zoll-Festplattenlaufwerk austauschen. Bis zu 160 GB Speicherplatz sind so möglich. Doch wie viele Gigabytes braucht ein mobiler Entertainer? Eine pauschale Antwort ist kaum möglich – es kommt auf den Einsatzzweck und die verwendeten Daten an.
Musik benötigt nur wenig Speicherplatz; ein Album braucht rund 70 MB. Die Episode einer TV-Serie belegt aber schon 300 bis 500 MB, und ein Spielfilm überschreitet vor allem bei Überlänge schnell die Gigabyte-Grenze. Wer im Urlaub mehrere Folgen seiner Lieblingsserie ansehen will, der sollte daher so viele Gigabyte wie möglich im Player haben. Mit viel Speicher eignen sich die Portis auch als externe Festplatte. Der Datentransport zu Freunden gelingt so ohne Brennen einer DVD.
Codecs & Formate
Fast alle Anbieter werben mit der großen Zahl an unterstützten Dateiformaten für die Videofähigkeiten ihrer Geräte. Das verspricht auf den ersten Blick eine große Kompatibilität zu den unzähligen Videodateien auf der Computer-Festplatte. Doch die Tücken liegen im Detail, genauer gesagt dem Video-Codec und der Bildauflösung: Alle Player sind zwar zum MPEG-4-Format kompatibel, aber nicht alle Geräte verstehen die gleichen Codecs.
Am populärsten ist die Unterstützung für DviX, Xvid und das WMV-Format von Microsoft: Sechs Player spielen entsprechend codierte Videodateien, unterstützen allerdings nur die Basisfunktionen der Codecs. Wer bei der Dateierstellung effizienzsteigernde Verfahren wie die "Globale Bewegungserkennung" (GMC) oder die "Bewegungsschätzung auf Viertelpixelebene" (Q-Pel) verwendet, kann so bearbeitete Filme nicht auf den Portis abspielen. Der Apple- und der Epson-Player beherrschen zwar auch MPEG-4, jedoch nur, wenn die Kompression mit dem Quicktime-Codec erfolgte. Darüber hinaus kennt der iPod den besonders effizienten H.264-Codec, der schon bei geringen Datenraten detailreiche Bilder liefert.
Apple und Epson unterscheiden sich auch in puncto darstellbarer Auflösung vom restlichen Testfeld: Die Videodatei darf maximal VGA-Qualität (640 x 480 Pixel) haben, während die übrigen Player auch das PAL-Format (720 x 576 Pixel) akzeptieren. Allerdings kann die maximale Auflösung je nach Dateiformat variieren. Ärgerlich wird’s, wenn die Bedienungsanleitung auf diese Einschränkung nicht eingeht, so wie bei Creative Labs.
Einsatz im Heimkino
Als Entertainer können die Portis auch daheim auftreten. Alle acht verfügen über analoge Bild- und Tonausgänge zum Anschluss an den Fernseher. Die dafür notwendigen Kabel liefern aber nur Cowon, Thomson und Vosonic mit. Bei Apple ist ein vergleichweise teures Adapterkabel notwendig. Besonders komfortabel gelingt die Bedienung bei Thomson und Vosonic dank beiliegender Fernbedienung.
Die Geräte von Cowon, Thomson und Vosonic verfügen über eine Aufnahmefunktion. Damit bieten sie eine bequeme Möglichkeit, um die Festplatte mit Filmmaterial zu füllen oder Videosequenzen für die weitere Verwendung am PC zu digitalisieren. Eine echte Konkurrenz für DVD- und HD-Recorder ist die Aufnahmefunktion aber nicht: Dafür sind die verwendete Bildauflösung (640 x 480 Pixel) und die Datenrate zu gering. Als Eingang bieten alle Geräte nur Composite- Video; ein Tuner fehlt allen. Immerhin sind timergesteuerte Aufnahmen möglich.
Die Player von Archos verfügen ebenfalls über Recorder-Fähigkeiten. Zur Aufnahme ist jedoch ein DVR-Adapter notwendig, der die entsprechenden Anschlüsse bereitstellt. Während das Travelkit (60 Euro) nur einen Video-Eingang bietet, verfügt die DVR-Station (100 Euro) zudem über Ausgänge für S-Video, Komponenten- Video und Digital-Audio.
Musik-Wiedergabe
Das populäre Audio-Format MP3 spielen alle Testkandidaten ab. Wer Musik online kauft, der ist auf Formate mit Unterstützung für einen wirksamen Kopierschutz angewiesen. Apple verwendet in seinem Online-Geschäft das AAC-Format. Abspielen kann es nur der iPod. Andere Online- Musikanbieter, etwa Musicload, verwenden das WMA-Format von Microsoft. das immerhin fünf Player unterstützen.
Foto-Show
Eine Diaschau zaubern alle Testkandidaten auf ihr Display oder einen Fernseher. Einige Player wie der iPod können Bildwechsel sogar mit peppigen Effekten garnieren. Auch die akustische Begleitung der Bilderschau mit Songs aus dem Musikarchiv gehört zum Funktionsumfang. Fotografen nutzen die Portis gerne als Datenspeicher, wenn die Karte der Digitalkamera gefüllt ist. Dank der USB-on-the-go-Funktion (USB-OTG) genügt ein Kabel zwischen Kamera und Festplatten-Porti, und der Datentransfer kann beginnen. Ohne Kabel geht das, wenn Steckplätze für Speicherkarten vorhanden sind. Epson, Thomson und Vosonic haben solche Slots.
Lange Spielzeit
Besonders Videowiedergabe kostet Energie. Die Decodierung der Daten, die Darstellung auf dem Display, all das leert den Akku deutlich schneller als Musik. Umso verblüffender sind daher die neun Stunden Spieldauer des Cowon A2. Vosonic und Archos 404 müssen schon nach drei Stunden ans Netz. Archos und Apple nutzen die USB-Verbindung zum PC für den Energietransport. Ohne Computer lädt nur, wer 30 Euro für ein Netzteil zahlt.
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