Von Richard Meusers
Iphone-Ärger überall
Alle Tech-Nachrichten hat Apple vergangene Woche dominiert mit der Ankündigung, ein eigenes Mobiltelefon auf den Markt bringen zu wollen. Der Nachrichtenstrom reißt nicht ab - aber nicht alles, was da strömt, ist immer so erfreulich für den Mac-Hersteller. Zum Beispiel die Tatsache, dass ein paar findige Entwickler Apples Benutzeroberfläche fürs neue Handy schon übertragen haben - ausgerechnet auf Windows-Mobile-Smartphones. Auch Palm OS ist inzwischen mit iPhone-Menüs zu haben.
Es bleibt aber natürlich bei der grafischen Ähnlichkeit, für die von Steve Jobs als Revolution angewiesene Funktionalität wird man dann doch aufs eigentliche Produkt warten müssen. Was Apples Anwälte nicht davon abhielt, gleich mal böse Briefe zu verschicken - und zwar nicht nur an die Entwickler, die die Oberfläche portiert hatten, sondern auch an Blogger und Medien, die darüber berichteten. TechCrunch-Blogger Michael Arrington kommentierte erbost, das alles sei "kompletter Nonsens" - und illustrierte den Blogeintrag mit eben dem Screenshot, der anderen Bloggern Anwaltsbriefe eingetragen hatte. Apple beruft sich nämlich auf Copyright-Verletzungen, weil man schließlich die Bildrechte an der Benutzeroberfläche halte, die Screenshots diese aber verletzten. Selbst unter Fans trug Apple dieses restriktive Vorgehen Kritik bis Häme ein.
Häme traf am Wochenende auch Apples Konkurrenten um die Namensrechte am Wort "iPhone", Cisco. Das Unternehmen hatte sich vergangene Woche beklagt, Apple dürfe das Telefon nicht so nennen, weil man selbst die Rechte an dem Begriff halte. "ZDnet" zitierte dagegen Experten, die der Meinung sind, das Cisco die Rechte längst verloren habe - weil Cisco zu spät ein Produkt dieses Namens auf den Markt gebracht hat. Zwar habe Cisco am 4. Mai 2006, 12 Tage vor Ablauf einer entsprechenden Frist, eine sogenannte Nutzungerklärung bei der zuständigen Behörde eingereicht. Bei dem beigefügten Beleg der Namensnutzung handele es sich aber nur um ein Foto eines anderen Produktes, auf dessen Verpackung ein Sticker mit der Aufschrift "iPhone" angebracht worden sei. Ein tatsächlich "iPhone" genanntes Produkt habe Cisco erst im Dezember 2006 auf den Markt gebracht - zu spät, um dem Verfallen der Namensrechte zu entgehen. Apples Anwälte jedenfalls dürfte die Argumentation der von "Zdnet" zitierten Markenrechtsexperten vermutlich interessieren.
Napster kooperiert mit AOL
Was die Transaktion gekostet hat, blieb hinter dem Vorhang, aber die 350.000 AOL-Kunden, die bisher das Angebot ihres Providers nutzten, von "AOL Music Now" Musikdateien herunterzuladen, müssen sich umstellen. Ab sofort wird der Service von der Online-Plattform Napster übernommen, dabei sollen für die Kunden keine Mehrkosten entstehen. Sogar die Login-Daten sollen die alten bleiben. Wie bisher ist das heruntergeladene Material mit Windows Media DRM geschützt, das heißt die Dateien können solange angehört werden, wie das Vertragsverhältnis andauert. Die Umstellung soll innerhalb von 60 Tagen vollzogen sein. Damit ist die einst illegale Tauschbörse, die 2001 schließen musste und mit neuem Konzept 2005 an die Börse ging, endgültig zu einer Säule der Musikindustrie geworden.
GPS-Handy für besorgte Eltern
Nicht nur misstrauische Speditions-Chefs, auch besorgte Eltern herumstromernder Jugendlicher haben mit einem neuartigen Handy die Möglichkeit, stets über den genauen Aufenthaltsort ihrer Schutzbefohlenen Bescheid zu wissen. Mit Hilfe eines integrierten GPS-Senders kann nicht nur die genaue Position des Telefons bestimmt werden, das Gerät übermittelt die entsprechenden Daten auch an eine andere Station, zum Beispiel die Eltern. Das geschieht selbst bei ausgeschaltetem Gerät. Besonders nützlich für Notfälle: ein extra einstellbarer Panikknopf. Wird der gedrückt, sendet das Handy eine Alarm-E-Mail an die Eltern (oder an jeden beliebigen anderen, der als Empfänger eingestellt ist). Außerdem schaltet sich die Handykamera ein, die für bis zu zwei Stunden regelmäßig Bilder macht und ebenfalls via E-Mail versendet. Deutsche Eltern mit starkem Schutzinstinkt müssen sich jedoch noch ein Weilchen gedulden: Das noch nicht einmal 100 Euro teure Gerät kommt zunächst nur in Japan auf den Markt.
Erste HD-DVD geknackt und bei Bittorrent aufgetaucht
Da hatte man doch tatsächlich geglaubt, HD-DVDs seien mit einem ziemlich sicheren Kopierschutz versehen. Doch seit einigen Tagen wissen es Interessierte besser: Mit "Serenity", dem Kinofilm zur "Firefly"-Serie, ist der erste High-Definition-Film auf einer P2P-Tauschbörse aufgetaucht. Entsprechende Gerüchte, dass der Kopierschutz derartiger Filme überwunden worden sei, kursierten bereits des längeren auf diversen Seiten, doch nun demonstrierten einige Hacker, wie sie den einzigartigen Produktkey entschlüsselten. Wer einen HD-DVD-Film mit der japanischen Version von WinDVD anschaut, kann anscheinend nicht nur den unverschlüsselten Title Key im Speicher finden, sondern sogar sämtliche unverschlüsselten Title Keys des Films.
Seite des belgischen Verteidigungsministeriums gehackt
Ausgerechnet die Seiten des belgischen Verteidigungsministeriums haben sich Hacker am Wochenende vorgenommen, und zwar erfolgreich. Türkische Nationalisten, die sich den malerischen Namen "Enkel des Osmanischen Reiches und Kinder der Türkei" gegeben hatten, setzten eine Botschaft in englischer Sprache auf die Seite, in der sie die Morde an der armenischen Bevölkerung während des Ersten Weltkrieges verteidigten. Außerdem bestanden sie darauf, es gebe in der Türkei kein Kurdenproblem, die kurdische Arbeiterpartei PKK sei eine terroristische Organisation, die vom Westen unterstützt wird. Warum sich die Hacker ausgerechnet die belgische Seite ausgesucht hatten, wurde nicht klar. Noch am Montag Vormittag war die Seite des Verteidigungsministeriums nicht erreichbar.
Opodo vor Verkauf
Das Reiseportal Opodo steht vor dem Verkauf. Das berichtet jedenfalls der britische "Independent" in seiner Sonntagsausgabe. Nach einer jüngst erfolgten Neuordnung der Managementstrukturen, durch die lokalen Niederlassungen größeren Bewegungsspielraum erhalten, soll nun Kasse gemacht werden. Der Eigner, der spanische Technologiekonzern Amadeus, kann sich dem Vernehmen nach auf einen Erlös in Höhe von 150 Millionen Euro freuen, was wiederum ganz im Sinne des hinter Amadeus stehenden Private-Equity-Investors BC Partners and Cinven sein dürfte. Dies umso mehr, als Opodo in den letzten Jahren Verluste in zweistelliger Millionenhöhe produziert hat.
Falsche GEZ-Rechnungen mit Trojaner
Derzeit quellen die E-Mail-Fächer mal wieder von gefälschten Rechnungen über. Waren es letzte Woche noch imitierte E-Mails des Internetproviders 1&1, so sind jetzt von der neuen GEZ-Gebührenordnung verunsicherte Computernutzer im Visier der Betrüger. Die setzen offensichtlich auf einen Schockeffekt beim arglosen Otto Normalverbraucher, der nach dem Schrecken einer Rechnung mit einer angeblichen Forderung von knapp 500 Euro gleich auf den Anhang klicken soll. In dessen Zip-Datei verbirgt sich eine als PDF getarnte .exe-Datei, ein Doppelklick reicht zur Infektion des eigenen Rechners aus. Wie Heise Security warnt, können die meisten Virenscanner auch mit aktueller Signatur die befallene Datei noch nicht als solche identifizieren.
Das Ende der Schloss-Allee
Auch der Spielehersteller Hasbro hat gemerkt, dass man mit Kundenbindungsmaßnahmen Entwicklungsarbeit und Kosten sparen kann. Warum sich den eignen Kopf zerbrechen, wenn es genug Interessenten gibt, die einem diese Mühe zum Nulltarif abnehmen? Seit heute können Fans des alten Kapitalistenspiels Monopoly im Internet darüber abstimmen, wie die Felder der geplanten Ausgabe "Monopoly Deutschland" heißen sollen. Dabei stehen 38 deutsche Städte mit ihren Wahrzeichen zur Wahl, die 22 Bestplazierten schaffen es aufs Brett und werden die bisherigen Straßennahmen ersetzen. Ganz zeitgeistig gibt es auch keine Elektrizitäts- oder Wasserwerke mehr, die werden gegen Solar- und Windkraftanlagen ausgetauscht.
Nur das Gefängnis bleibt, wie es ist.
Mitarbeit: Christian Stöcker
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