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22.01.2007
 

Netzwelt-Ticker

Kommt iPod-Rivale Zune nach Europa?

Von Richard Meusers

Microsoft erwägt, Apple auch in der Alten Welt mit seinem MP3-Player Zune herauszufordern. Außerdem im Ticker: alternative Musik-Zwerge bei MySpace, ein Internet-Knigge, chinesische Kundenfreundlichkeit und E-Books bei Google.

"Ein wirklich gutes Gefühl"

Die amerikanischen Verkaufszahlen sind so gut, dass man bei Microsoft darüber nachdenkt, mit dem Verkauf des Music Players Zune demnächst auch in Europa zu beginnen. Das sagte der Zune Marketing Director Jason Reindorp am Rande der Musikmesse Midem. Wann genau das sein soll, ist noch nicht klar, aber die Rede ist von Ende 2007.

MP3-Player Zune: Verkaufzahlen angeblich gut
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AFP

MP3-Player Zune: Verkaufzahlen angeblich gut

Allerdings erwarte man nicht, dass die Bäume in einem Markt in den Himmel wachsen, der von Apple und seinem iPod beherrscht wird. Apple verteidige da eine Bastion, "aber bei unseren ersten Schritten haben wir ein wirklich gutes Gefühl", wird Reindorp von der "Washington Post" zitiert. Der zum Jahresende geplante Verkaufsbeginn habe damit zu tun, dass sich der Markt in Zyklen von Weihnachten zu Weihnachten bewege. Und man scheint bei Microsoft mit langem Atem zu planen: "Wir versuchen, nicht einfach mit Apple Fangen zu spielen, wir gehen nach einem strikten Dreijahresplan vor", so Reindorp.

Google verkauft demnächst E-Books

Der Suchmaschinenriese Google steigt ins virtuelle Buchgeschäft ein. Gemeinsam mit mehreren Verlagen soll eine Plattform eingerichtet werden, die Lesern den vollen Online-Zugriff auf ihre Bücher ermöglicht. Damit sei sicher nicht das Ende des gedruckten Wortes gekommen, aber die Leser erhielten so verschiedene Kaufoptionen. "Vielleicht wollen sie nur einen Reiseführer für den Urlaub ausleihen oder ein bestimmtes Kapitel aus einem Buch kaufen. Am Ende werden die Leser entscheiden, wie Bücher gelesen werden", sagte es Jens Redmer, Director Google Book Search Europe, der "Sunday Times".

Nach den immer wieder angekündigten, aber nie eingetretenen Erfolgen des elektronischen Buchs auf dem Massenmarkt sei die Zeit nun reif. In Japan würden die Konsumenten bereits ganze Romane auf dem Handy lesen. Erst jüngst hatte Sony einen Reader vorgestellt, der Zugriff auf einen Online-Buchhandel mit 10.000 Titeln gibt. Als Partner für das neue Projekt, das im Rahmen des Google Book Search Service laufen wird, seien bereits mehrere Verlage wie Penguin, Harper Collins und Simon & Schuster beteiligt.

China: USB als Ladestandard für Handy & Co.

In China denkt man kundenfreundlich und will Schluss machen mit dem Kabelsalat von Ladegeräten und Adaptern für elektronische Kleingeräte wie Handys und Digitalkamers. Wie vor einiger Zeit angekündigt, macht das chinesische Ministerium für Informationsindustrie jetzt ernst und schreibt einen einheitlichen Ladestandard für Kleingeräte vor. Sämtliche im Land erhältlichen Handys gleich welcher Marke sollen via USB aufladbar sein, berichtet die "Digitimes" aus Taiwan. Mit dieser Maßnahme sollen Energiekosten und Müll vermieden werden. Durchaus einleuchtend für den, der nur einige Tage verreisen will und für die mitgenommenen Geräte fast eine Extratasche mit den zuvor mühsam zusammengesuchten Netzteilen packen muss. Mit der Spannung von fünf Volt bei 500 Milliampere, wie sie ein üblicher USB-Port liefert, können Mobiltelefone und andere Geräte problemlos geladen werden.

Bald Verhaltenskodex fürs Internet?

Langsam scheinen sich die Öffentlichkeitsarbeiter bei Google und Yahoo um den Ruf ihrer Unternehmen zu sorgen, was die Zusammenarbeit der Suchmaschinen mit der chinesischen Zensur betrifft. Also beteiligen sie sich, gemeinsam mit anderen High-Tech-Firmen, Menschenrechtsgruppen und Journalistenverbänden an einem Verband, der sich für die Meinungsfreiheit im Internet einsetzen will. Zu diesem Zweck soll bis Ende des Jahres ein Verhaltenskodex geschaffen werden.

Man darf gespannt sein, ob mit dem Internet-Knigge die Beihilfe einiger westlicher Unternehmen für die Verfolgung und Inhaftierung von Online-Journalisten und Cyber-Dissidenten ein Ende haben wird.

Touchscreen-Handy von Samsung im iPhone-Gewand

Alle reden über Apples iPhone, und schon gibt es für den chinesischen Markt einen Zwillingsbruder von Samsung. Das Gerät mit dem kryptischen Namen SCH-W559 verfügt über einen Touchsreen ganz besonderer Art, denn mit Hilfe der VibeTonz-Technik werden nicht nur die Tasten ersetzt, sondern der Nutzer fühlt duch punktgenaue Vibration auch direktes Feedback.

VibeTonz soll sogar verschiedene Klingeltöne in bestimmte Vibrationen "übersetzen", wodurch Anrufer schon durch die Art der Vibration erkannt werden können - wenn der Angerufene sensibel genug ist.

Musik: Indie-Labels zukünftig auch auf MySpace

Gegen die großen Musikkonzerne kann den kleinen unabhängigen Labels nur schiere Größe helfen. Da sie diese aber nicht haben, ist jetzt die gute, alte Genossenschaftsidee zu neuen Ehren gelangt: Einige Tausend Independent-Labels haben sich vertraglich mit einer eigens gegründeten Lizenzierungsagentur namens Merlin zusammengetan, um ihre Musik auf diversen Download-Portalen im Internet besser vermarkten zu können. Und der Plan könnte aufgehen, Merlin bündelt die Marktmacht vieler kleiner Musikproduzenten und verhandelt direkt mit Onlineshops wie Napster oder iTunes Music Store.

Der Verkauf soll unter anderem auch über die Social-Network-Plattform MySpace erfolgen. Damit könnten für die Indies nun goldene Zeiten anbrechen, die zwar 80 Prozent der neuen Titel produzieren, aber bisher nur einen Marktanteil von 30 Prozent haben. Wie am Wochenende auf der Musikmesse Midem außerdem bekannt wurde, sollen die angebotenen Titel als einfache MP3-Dateien ohne weiteren Kopierschutz zum Download freigegeben werden. Der Schritt zur zentralen Vermittlungsagentur könnte mittelfristig auch das Ende des bisherigen Lizenzwirrwarrs bedeuten.

Online-Raub: Bank um 877.000 Euro erleichtert

Vorbei die Zeiten, als Banküberfälle noch unter wildem Pistolengefuchtel und "Geld her oder Leben!"-Gebrüll abliefen. Der Dieb von Welt geht mit der Zeit und stiehlt online. Das musste nun auch die schwedische Nordea-Bank schmerzlich erfahren. Mittels eines Trojaners konnten sich die in Russland vermuteten Täter die Zugangsdaten von 250 Bankkunden beschaffen und anschließend deren Konten abräumen. Sie erbeuteten so umgerechnet 877.000 Euro. Fatalerweise verbarg sich der bösartige Datenschnüffler ausgerechnet in einer Datei, die den Geschädigten zuvor als Anti-Spam-Programm angeboten worden war.

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